das einfache Leben

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Internet 10x so schnell als wie man’s zu brauchen glaubt

Thursday, April 21st, 2011

In Berlin fand die re:publica statt. In ihren Kommentaren stellten diverse Blogs einen Vortrag als besonders bemerkenswert heraus, also habe ich ihn heruntergeladen, was ein kleines Opfer ist denn es dauert locker zwei Stunden die 120MB zu streamen.

Der Vortrag von Gunter Dueck ist ein Ausblick darauf, wie das Internet in Zukunft weiter die Gesellschaft verändern wird. Damit es dazu aber überhaupt kommen kann, fordert er den kompromisslosen Ausbau der Infrastruktur. Zehnmal so schnell als was wir heute glauben zu benötigen soll das Internet sein und überall verfügbar, in Grosstadt genauso wie in der brandenburgischen Steppe oder in den Wäldern Bayerns. Denn wer soll da in Zukunft noch leben ohne Zugang zur Online-Arbeit? Die 1.7% Bauern die es noch gibt? Die werden ohne high-tech Landwirtschaft auch nicht auskommen.

Mir kann’s auch nicht schnell genug gehen, nicht bloss um Duecks Vortrag fixer herunterzuladen. Reden wir von der Arbeit: Liebend gerne würde ich von meinem Landhaus aus arbeiten und im Prinzip spricht nichts dagegen, die Technik gibt’s. Mit einer superschnellen Verbindung, könnte ich nicht nur meine Programme aus der Ferne laufen lassen, sondern über Kameras auch beobachten, wie sich die Hardware verhält. Bisher muss ich in eine Flugzeug steigen und 2000km weit zu einem wohlbekannten Observatorium fliegen, bloss damit ich persönlich sehe, ob oder nicht sich ein Spiegel ferngesteuert bewegt. Wenn wirklich mal ein Stecker umzustöpseln ist, dann könnte ich auch per skype einen Techniker anweisen. Klar, ein paar Leute müssen weiterhin vor Ort sein, jedenfalls solange es keine Roboter gibt, die das Ölkännchen schwingen. Bis es mit den Robotern soweit ist, dauert es aber noch länger.

Der Telearbeit hingegen steht nichts entgegen, ausser unseren Gewohnheiten. Jedenfalls sehe ich keine technischen Hürden. Der grösste Gewinn dabei liegt aber nicht in der Bequemlichkeit. Indem ich die wöchentlichen Reisen auf vielleicht zwei im Jahr reduzieren kann, in dem Masse reduzieren sich auch die Emissionen, die ich verursache. Denn wie ich in früheren Blogposts gezeigt habe, macht Mobilität den allergrössten Teil aus. Meine These: Wir müssen einen Teil unseres Lebens ins virtuelle verlagern, um der Umwelt die negativen Folgen unserer realen Tätigkeiten zu ersparen. Also ja zum Wachstum, aber in der virtuellen Welt, in der die Ressourcen tatsächlich unbegrenzt sind.

Wer jetzt erschüttert ist, weil er oder sie bisher glaubte, mein Aussteigertum sei fortschrittsfeinlich und gehe in Richtung Selbstversorgung, falsch gedacht! Ich halte es zwar für wertvoll, das einfache Leben kennenzulernen, mit Hühnerhaltung, Marmeladekochen und Ziegen schlachten. Als Lösung für die ökologischen Probleme unserer Gesellschaft taugt es aber nicht.

Das sind meine Schlussfolgerungen, inspiriert durch Dueck, er zieht noch ganz andere und nicht weniger radikale, aber bitte selber gucken.