Arrieros

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In den Bergen

Monday, January 24th, 2011

Wozu hat mein ein Haus in den Bergen?

a) Um Jahre damit zuzubringen, es tiptop auszustatten (und niemals Zeit zum Wandern oder Skifahren zu finden)

b) Um in die Berge zu ziehen, wenn immer man Lust verspürt!

Ich gehe gerade tendenziell von Phase a) zu Phase b) über. Mein freundlicher Nachbar hat mich am Einstieg eines Wanderwegs abgesetzt, mit der Weisung, mich bitte in drei Tagen suchen zu lassen, falls ich mich noch nicht gemeldet hätte. Hier Bilder und Tourenbeschreibung. Zuviel Vorsicht war gar nicht nötig, ich war nicht alleine. Nicht etwa Wanderer traf ich, ich war der einzige im ganzen Tal. Die chilenischen Berge gehören den Arrieros, den Viehirten.

Am Abend schlug ich mein Lager auf einer aufgelassenen Alm auf, die den Vorteil einiger alter Kirschbäume besass, die Kirschen waren reif und süss. Etwas später kamen drei Männer auf Pferden und einer kleinen Herde Kühen und blieben ebenfalls. Zwei machten sich gleich auf zum Bach und fingen in einer Stunde fünf Forellen, grosse und kleine. Don Oscar blieb und erzählte mir Wissenswertes zum Viehtrieb in Chile. Zuerst mal widersprach er meiner Vermutung, dass der ganze Aufwand ja gar nicht rentabel sei.

Don Oscar: Aber natürlich ist das rentabel! Ob ich meine Leute auf dem Hof bezahle, oder in den Bergen, das ist doch egal. Nun gut, man hat Kosten für die Reise, die Pacht der Hänge, muss hin und wieder (mit dem Auto) kommen um nach den Tieren zu sehen. Aber dafür spart man sich auch das Futter im Tal.

Don Stefan: Wieviele Kühe bringen Sie auf die Sommerweide? [Anmerkung: Die 'Sommerweide' ist keine Wiese, sondern Wald und Büsche. Die Kühe fressen sich da so durch]

Don Oscar: Wir bringen alle Kühe des Fundos [Grossgrundbesitz], das sind etwa 100 inklusive der Kälber  von diesem Jahr. Die Kälber werden nach dem Abtrieb im Mai an den Schlachthof verkauft. Heute früh sind wir losgezogen und haben 30km geschafft, weiter als gedacht. Morgen früh müssen wir noch ein kleines Stück weiter, im Wald im Korral wird ein Beauftragter der Landwirtschaftsbehörde die Tiere kontrollieren. Die haben alle eine Ohrmarke mit individueller Nummer!

Don Stefan: Hundert Kühe ist ja nun nicht soviel. Sind Sie der einziger Viehzüchter, der seine Tiere hierher bringt?

Don Oscar: Nein, wir teilen uns den Nordhang mit anderen [Anmerkung: das Tal ist etwa 12km lang und bis zum Grat 800 Höhenmeter, dazu einige Seitentäler]. Das Gebiet liegt ausserhalb des Naturschutzgebiets. Bis vor 25 Jahren, als das Ñuble-Reservat gegründet wurde, beherbergte das Gebiet im Sommer 40.000 Stück Vieh, Kühe und Ziegen. Danach verbot der Staat den Viehtrieb im Reservat komplett! Es wird uns immer schwerer gemacht, unsere Traditionen zu leben.

Don Stefan: Na sowas, in Europa bekommen Landwirte, die tradionell wirtschaften, sogar Zuschüsse, gerade in Naturschutzgebieten. Damit will man die Kultur förden und das typische Landschaftsbild erhalten. Denn wenn die Kühe verschwinden, verschwinden ja auch die Almen und die Wege wachsen zu.

Don Oscar: Davon müssen Sie mir mehr erzählen. Ich würde auch gerne einmal Touristen mit auf den Viehtrieb nehmen, damit sie unsere Tradition besser kennenlernen. Die reiten dann mit uns, bekommen Pferd und Ausrüstung gestellt und wenn sie am Schluss das geflochtene Lederlasso als Souvenir mitnehmen wollen, verkaufe ich ihnen auch das. Wenn Sie jemanden kennen, der Interesse hat, gebe Sie ihm doch bitte meine email!

Die email gebe ich natürlich gerne weiter. Don Oscar ist speziell and Ausländern und/oder reichen Chilenen interessiert. Naja, ich denke zwar, dass man bei der Kulturvermittlung am besten bei den einheimischen Kindern und Jugendlichen anfängt, die reichen Schnösel sind ja alle schon verdorben, aber was soll’s. Für den Rest des Abends war ich dann Test-Tourist, bekam Forelle angeboten und Mate mit viel Zucker. Wunderbares Camping!