Kurzbesuch in Chile um nach dem Rechten zu sehen

Written by stefan on September 3rd, 2014

Das Haus ist zurzeit vermietet, aber meine Mieter waren superfreundlich und haben mich bei sich wohnen lassen. Wir haben uns gut verstanden und sie haben lecker gekocht. Dafür habe ich dann ein paar Verbesserungen vorgenommen.

Die Westfassade bekam eine wetterfeste Verbretterung mit Eternit.

Ein Qualitäts LED-Strahler aus Deutschland leuchtet den Hof besser aus (so ein Scheinwerfer war in den USA nicht zu bekommen, hier gibt’s nur China-Schund der nach drei Monaten hinüber ist).

Skifahren war ich auch, Riesenspass. Megafun, das will mein neuer Nachbar auch. Ein junger Amerikaner ist dabei das 12-Hektar Grundstück neben mir zu kaufen und will dort eine Motocrossbahn einrichten. Das wäre die Hölle, infernalischer Lärm und Staub ohne Ende. Mal sehen, was daraus wird. Vielleicht gelingt es mir noch, ihm das Grundstück wegzuschnappen, ich habe ein Gebot abgegeben,  obwohl ich ja nie Grossgrundbesitzer werden wollte. Aber selbst wenn er den Zuschlag bekommt, ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die einheimischen Nachbarn die Belästigung auch nicht gefallen lassen.

 

Lucy’s Vorahnung

Written by stefan on July 27th, 2014

Heute war wieder Wandertag. Lucy (der Hund) und ich verliessen früh die Wohnung und bestiegen den Wagen. Aber was war das. Lucy sah gar nicht glücklich aus, den Schwanz hatte sie ängstlich zwischen die Beine geklemmt. Wie konnte das sein? Sie ist sonst immer Feuer und Flamme für einen Wanderausflug im Wagen. Sie hatte wohl eine Vorahnung, was da kommen würde. Zuerst schien alles in Ordnung nur dass es ziemlich schwül war und die Mücken uns im Wald fast auffraßen. Nach knapp zwei Stunden zwischen Bäumen und Heidelbeerbüschen gelangten wir an einen See. Und hier die nächste überraschung. Der sonst so wasserscheue Hund schwimmt mir nach, freundlich angeleitet von meinem Wanderkameraden Chris. Hier der Beweis:

Hatte sie etwa Angst um mich? Wollte Lucy mich vor dem Rachen eines See-Ungeheuers schützen? Wie dem auch sein, es gelang ihr für diesmal und wir erreichten beide das Ufer.

Der Pfad führte uns nun in einer Schleife zurück Richtung Wagen. An der Spitze Chris, dann Lucy und ich als Schlusslicht. Meine Gedanken schweiften wie die Mücken im Wald, auf den Weg achtete ich nicht sehr. Bis plötzlich da vor mir auf dem Pfad zwischen Steinen und Blättern sich etwas bewegte, eine runde Struktur löste sich auf. Zwei Sekunden lang begriff ich nicht was geschah. Dann endlich war mein Gehirn in der Lage das Geflirre von Mustern, Schemen und Schuppen aufzulösen und ich erkannte die Schlange. In dem Moment als ich das Wort laut ausrief und hastig zurücksprang, rasselte das Tier mit den trockenen Schuppen am Schwanzende. Beinahe wäre ich auf eine ausgewachsene Klapperschlange getreten.

Glücklicherweise war das fast zwei Meter lange Tier gutmütig und schlängelte sich ein paar Meter weiter ins Unterholz um sich dort wieder zu einem runden Kissen zusammenzurollen. Den Kopf legte die Schlange obenauf und züngelte in unsere Richtung. Ich muss gestehen, ich traute mich nicht nahe genug heran für ein Handy-Foto. Die fotografische Trophäe muss ich schuldig bleiben.

 

 

Die Krönung von Nummer 19

Written by stefan on July 17th, 2014

Meine drittklassige Zahnversicherung hier zahlt nur 50% auf Kronen und auch nur bis max. $1500 pro Jahr. Soviel wollte mein Manhattan Zahnarzt schon für eine einzige Krone (die Nummer 19, ein ganz dicker Backenzahn). Ich will keine Spritze und Doc Avo belustigte sich immer, dass von all seinen Patienten nur die beiden Deutschen ohne Betäubung bleiben wollten. Aber wie soll ich sonst spüren ob er auch gute Arbeit macht?

Jetzt bin ich bei einem Kollegen in Brooklyn, der verlangt weniger als die Hälfte, aber dafür gibt’s keine Kunst im Wartezimmer trotz verlängertem Warten. Er hüpft von Patient zu Patient während man mit dem zischelnden Sauger im Mund auf dem Behandlungsstuhl hängt und verbohrt aus dem Fenster starrt.

 

Großstadtdschungelgewitter

Written by stefan on July 16th, 2014

Seit Tagen 100% Luftfeuchtigkeit und Schwüle. Zucker und Salz haben sich in ihren Streuern zusammengebacken und wollen nicht raus. Platzregen am Nachmitag und abends Gewitter.

 

Babyfotos!

Written by stefan on May 25th, 2014
 

Rosa ist da

Written by stefan on April 23rd, 2014

Rosa wurde am 11. April geboren. Sie ist ein wunderschönes, ausgeglichenes und gesundes Baby. Während ich tippe liegt sie in meinem Schoß; das geht mehr schlecht als recht, deshalb ist dieser Eintrag nur ganz kurz!

 

Schlecht für die Wirtschaft

Written by stefan on March 20th, 2014

Dieser Tage las ich einen Kommentar zur russischen Annektion der Krim. Der Autor erklärte Putin für verrückt, mit der Begründung, dessen großrussische Politik ergäbe ökonomisch keinen Sinn. Mit anderen Worten: Die Annektion ist schlecht für die Wirtschaft. Gut für die Wirtschaft dagegen sei es wenn “freie” Staaten Handel miteinander treiben können.

Seit Jahren höre ich diese Sprüche, wir können nicht anders, weil wenn wir politisch das täten was wünschenswert ist und vernünftig, das wäre schlecht für die Wirtschaft und ist deshalb verboten. Bankenkrise, Eurokrise, massive Jugendarbeitslosigkeit, der Süden der EU unter Protektoratsverwaltung, eine Rentenpolitik, die die Altersversorgung jeden der gesamten Bevölkerung der Gnade eines entfesselten Kapitalmarktes überlässt – alles alternativlos weil anders wäre ja schlecht für die Wirtschaft.

Und dann kommt Putin und sagt: Scheiss auf die Wirtschaft, was mir wichtig ist, ist Russland zu einer grossen Nation zu machen. Und dann hat er damit auch noch Erfolg! Das ist jedenfalls meine Prophezeiung. Keiner fährt ihm an den Karren, die “Wirtschaft” bestimmt als allerletzte. Wir werden weiterhin russisches Gas gegen Autos und Maschinen tauschen.

 

 

Berge von Schnee

Written by stefan on February 21st, 2014

Zum ersten mal sind meine hohen Erwartungen an einen New Yorker Winter erfüllt. Alle paar Tage schneit es kräftig. In den Nachrichten nennen sie das dann immer “Blizzard”, aber davon kann keine Rede sein. Ein Blizzard, das wäre ein rechter Wintersturm mit anschliessendem Ausfall von Elektrizität und (noch schlimmer) Internet. Alles, was bisher passierte, waren verspätete Vorortzüge. Und jeder weiss, dass daran weniger der Winter Schuld hat, als die unorganisierte Eisenbahngesellschaft.

Meinen Kollegen, also vor allem die aus den Vororten, die mit der Long Island Railroad oder New Jersey Transit anreisen, steht der Sinn nicht mehr nach Winter. Matt beklagt sich: Das bringt meine ganze Routine durcheinander! (Dabei ist der Mann ist noch keine dreissig). Und Chris erhofft sich Hilfe von den Chinesen. Weil die nämlich angeblich das Wetter verändern wollen und es nach Belieben regnen und schneien lassen, hofft er auf weniger Schnee in New Jersey mit Hilfe fernöstlicher Technologie. Dabei wäre sein eigentliches Problem, die verspäteten Züge, technologisch und organisatorische ohne weiteres zu lösen. Es ist wohl typisch für amerikanische Informatiker, dass sie alltägliche Probleme nicht direkt angehen und sich etwa bei der Eisenbahn beschweren oder in der Kommune politisch für besseren Nahverkehr kämpfen. Stattdessen schreiben sie lieber ein Programm, mit dem man Taxis bestellen kann oder das Essen ins Haus geliefert bekommt (oder hoffen gleich auf die Chinesen).

Andererseits, mal von zuhause arbeiten ist auch ganz nett. Es freut die Gattin und den Hund.

Wenn die Sonne rauskommt, sieht alles ganz blitzeblank aus.

Aber wehe, wenn es schmilzt. Der erfahrene New Yorker trägt jetzt Gummistiefel und watet durch Pfützen und durch den Müll, der unter dem tauenden Schnee zutage kommt.

 

Schuldgefühle im Zoo

Written by stefan on February 2nd, 2014

Wir waren heute im Zoo, in der Bronx. Es ist der grösste Zoo in New York aber eine grosse Stadt macht noch keinen grossartigen Zoo. Wegen des Winters waren die meisten Tiere in ihren Häusern und die sind nicht zugänglich für’s Publikum. Was wir also nicht sahen, waren die Löwen, Zebras und allerhand Antilopen. Immerhin, das Giraffenhaus hatte geöffnet.

Ein Leopard ohne Angst.

Von den Gorillas sah ich nur einen breiten, silbergrauen Rücken. Viele Gehege sind derart artegerecht gestaltet, dass man es als Besucher schwer hat, etwas zu erspähen. Als Kind ging ich oft die Einzelzellen des Affenhauses im Heidelberger Zoo ab, mit ihren drei gekachelten Wänden und der offenen, vergitterten Seite dem Publikum zugewandt. Wohlgefühlt haben sich die Tiere auf ihren Edelstahlpritschen bestimmt nicht, aber wenn die Hyänen heute irgendwo weit hinten im Gehege unter Büschen und künstlichen Felsen 18 Stunden am Tag ihre artgerechte Siesta halten, ist der Untehaltungsauftrag eines Zoos auch verfehlt. Ich habe den Zoo alten Stils mal hier mal mit unserem Hund in der Küche nachgestellt. Lucy war nach etwas Speck und guten Worten zur freiwilligen Mitarbeit bereit. No animal was harmed!

Die Heidelberger Affen werden mir fünfjährigem Knirps verziehen haben. Der viel grösseren Schuld entgehe ich heute nicht. Auf den Schildern an den Gehegen war damals auch immer das Verbreitungsgebiet in einer Karte schematisch aufgezeichnet. Heute, bald bald vierzig Jahre später, steht auf den Schildern: “Ehemaliges Verbreitungsgebiet” (rot schraffiert). Und ein stark geschrumpfter roter Fleck innerhalb der Schraffur: “stark gefährdete Restbestände”.

Der Zoobesuch geriet zum Alptraum. Kein Gehege, kein Tierhaus in dem nicht die Wände voll waren mit Schautafeln die den Verlust des Regenwaldes zeigten, das schrumpfende Gorillahabitat, die wenigen noch verbleibenden Nistpaare der Kronenkraniche. Mitten in New York waren wir quasi zwischen den rauchenden Stümpfen des brandgerodeten Regenwalds. Mich deprimierte das masslos. Der Besuch im Bronx Zoo war etwa so freudlos wie ein Rundgang im Holocaust Museum.

Denn was kann ich denn tun, ausser mich schlecht zu fühlen? Die gut gemeinten Ratschläge gingen nicht über das übliche hinaus: Immer schön recyclen, nur Produkte aus nachhaltigem Anbau verwenden und die einschlägigen Hilfsorganisationen unterstützen.

Nachhaltiger Anbau, wer’s glaubt wird selig. Ich kann hier um die Ecke im Home Depot Holzleisten kaufen mit dem Aufkleber “sustainably harvested in Chile”. Nun weiss ich aber genau, wie diese Kieferplantagen entstanden sind, die sich sustainable, nachhaltig, nennen dürfen. Wo heute Kiefen wachsen, stand vor vierzig Jahren auch ein Urwald, ein subtropischer Hartlaubwald, ein einzigartiges Habitat.

Nur eine Tafel fand ich im ganzen Zoo, die sich dem Hauptgrund des Disasters widmet. Ein Ticker, der die Anzahl der Menschen auf der Erde hochzählt. 7 Millarden heute, bei meinen Zoobesuchen als Knirps in Heidelberg war es noch gut die Hälfte, etwas über 4 Milliarden.

Die Maleos übrigens, diese Vögel auf dem Poster oben, die sind wirklich die schlauesten: Sie graben ihre Eier zum Brüten in die warme Erde eines Vulkans ein. Das war’s, der elterlichen Pflichten sind genüge getan. Das Küken schlüpft alleine und kann auch gleich fliegen. Das sind die faszinierenden Neuigkeiten, die ich in einem Zoo gerne lernen möchte. Die Frage danach, wie den Maleos heute geholfen werden kann (wenn ich das denn will) muss ich wohl selber stellen und die Antwort darauf auch selber herausfinden. Palmöl von nachhaltigen Plantagen wird den Vogel gewiss nicht retten.

 

White Mountains Winter Wonderland

Written by stefan on January 22nd, 2014

Sechs Stunden Fahrt sind es von New York bis zu den White Mountains im nördlichen New Hampshire. Mount Washington ist der höchste Gipfel, mit 1917 Metern. Wir sind diesmal nicht auf den verschneiten Gipfel gewandert, sondern haben uns mit moderaten Touren begnügt. Nach der Ankunft am Parkplatz ging es zu Fuss zum Lonesome Lake und der dort gelegenen bewirtschafteten Hütte des Appalachian Mountain Club. Als wir über den zugefrorenen See zur Hütte liefen, wurde es schon dunkel. Es war kalt, der Körper war noch nicht im Outdoor-Modus sondern noch an klimatisierte Büros und die gut geheizte Wohnung angepasst.

Nur der Aufenthaltsraum war geheizt. Die Schlafräume befanden sich nicht einmal im selben Haus, sondern waren in Nebenhütten verteilt. Glücklicherweise waren unsere Schlafsäcke warm genug. Für L. hatte ich sogar noch die heimische Daunendecke mit in den Rucksack gestopft!

Am zweiten Tag trafen wir uns mit einem Freund von der Arbeit, der hatte tatsächlich am Vortag mit Steigeisen und Eispickel Mount Washington bestiegen.

Schnee und Eis gab es reichlich auch um die Hütte herum und auf Mount Cannon (immerhin 1250m). Ich lernte die Vorteile von Spikes zu schätzen, die man sich unter die Schuhe schnallen kann und ohne die hier kein Amerikaner herumläuft.

Auf dem Rückweg im Auto befiel mich ein plötzliches Verlangen nach einem Hummerbrötchen. Dank Smartphones und mobilem Internet war rasch der nächste Hummerschuppen nahe der Autobahn gefunden, danke Google!