July, 2018

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Quer durch den Kontinent

Monday, July 30th, 2018
  • Abfahrt in Brooklyn: 29. Juni 2018
  • Ankunft in Seattle: 29. Juli 2018
  • Gefahrene Meilen: 4500 (8000 Kilometer)

Die längste Tagesetappe ging quer durch North Dakota, von Fargo ganz im Osten bis Sidney, einer kleinen Stadt in Montana. Wir sind jedoch nicht jeden Tag gefahren. Wir haben Freunde in New Jersey besucht, ganze zwei Wochen bei Libby’s Eltern in Michigan verbracht, zwei Tage in Sidney (Montana) um die Gräber der Verwandtschaft ausfindig zu machen und drei Tage in den hohen Bergen Montanas zur Erholung.

Was vielleicht überrascht, ist dass wir auch drei Fähren benutzt haben. Mit der Fähre von Muskegon nach Milwaukee haben wir die Strecke um den Lake Michigan abgekürzt und Chicago vermieden. Viel weiter westlich in den kanadischen Bergen mussten wir zweimal langestreckte Seen überqueren, den Lake Kootenay und den Upper Arrow Lake. Es ist eine wunderschöne Gegend, wir werden ganz bestimmt nach British Columbia zurückkehren.

Die Kinder haben das ganz toll mitgemacht. Rose hat stundenlang Kinderlieder auf ihrem CD-Spieler gehört, Alistair hat mitgeträllert. Auf Videos konnten wir ganz verzichten, Libby und ich halten nämlich gar nichts davon, die Kinder vor die Mattscheibe zu setzen. Obwohl es manchmal so einfach wäre! Beide haben die langen Fahrten auch dazu genutzt, viel zu schlafen. Dafür waren sie dann immer spät im Bett. Libby und ich kamen mit ziemlich wenig Schlaf aus. Im hellen nordischen Sommer geht das.

Strassen in den USA sind in bestem Zustand

Wednesday, July 25th, 2018

In den letzten Jahren war häufiger davon die Rede dass die USA zuwenig in ihre Infrastructur investierten. Vor allem Strassen und Brücken wurden genannt, aber auch Flughäfen und Wasserwege. Für Strassen und Brücken kann ich Entwarnung geben. Nach 3500 gefahrenen Meilen seit New York (5600 Kilometer) kann ich mich an kein einziges Schlagloch erinneren und an keine wackelnde Brücke.

Mich beschleicht der traurige Gedanke, dass es sich bei den Meldungen vor allem um geschickte Propaganda der Interessengruppen im Baugewerbe handelte.

Sidney, Montana

Thursday, July 19th, 2018

Auf unserer Fahrt durch die USA sind wir heute in Sidney, Montana. Es ist hohe Prärie, der Yellowstone River fliesst durch das breite Tal, auf den Hügeln gibt es Ranches mit Kühen und dazwischen hin und wieder Ölförderanlagen. Vor allem von den alten Pumpen mit den Pferdekopfschwengeln sieht man viele. Es wird aber auch gefrackt, darum herrscht reger LKW Verkehr. Nicht enden wollende Güterzüge transportieren Rohre für Pipelines, Chemikalien und natürlich das gewonnene Öl und Gas. Libbys Stief-Urgrossvater hatte hier seine Ranch. Aber das war lange vor dem Fracking-Boom.
August (Gussie) Oberfell war vom alten Schlag. Von elektrischem Strom hielt er nichts. Er trank so viel dass seine Frau den Kindern Prämien bezahlte, wenn sie sie Flaschen fanden, die er versteckt hatte. Er hatte eine Tochter aus erster Ehe und nach dem Tod seiner Frau vier weitere aus einer zweiten Verbindung, aber keines von ihnen wollte die Ranch übernehmen. Als er für die Arbeit zu alt wurde, verkaufte er sie an einen seiner Angestellten weit unter Marktpreis aber es war ihm wichtig, dass das Land weiter in seinem Sinne bewirtschaftet wurde.

Gussies leibliche Tochter Dona hatte es nach Michigan verschlagen, wo sie Carl traf. Dona war Carl Sekretärin und es waren die siebziger als es als schick galt, mindestens dreimal verheiratet gewesen zu sein. Für Carl und Dona war es die grosse Liebe. Beide verliessen ihre Ehepartner und zusammen waren sie sehr glücklich, bis Dona in den neunzigern an Krebs erkrankte und verstarb. Sie wurde in Sidney beerdigt, wo sie aufgewachsen war. Als Carl zehn Jahre später ebenfalls starb, hatte er veranlasst an ihrer Seite zu liegen (obwohl er seitdem nochmals geheiratet hatte). Donas und Carls Grab haben wir heute besucht.
Carl ist Libby’s Grossvater mütterlicherseits, Libby’s Mutter Terry ist Carls Tochter aus erster Ehe und das einzige Kind, dass aus dieser Verbindung hervorging. Terrys Mutter, Marsha und Carl hatten sehr jung und unter dem Druck der Familie geheiratet, obwohl es für ihn nur eine Teenagerliebe gewesen sein mag. Marsha liebte Carl ihr ganzes Leben lang, er aber war mit der erzwungenen Verbindung sehr unzufrieden und rannte denn auch mit Dona davon. Marsha hatte ein hartes Schicksal. Nach ihrem ersten Kind hatte sie noch vier weitere aber wegen einer Rhesusfaktorunverträglichkeit brachte sie alle tot zur Welt. Nachdem Carl sie verliess heiratete sie Joe. Der brachte 11 Kinder mit in die Ehe: vier aus seiner ersten Verbindung mit einer Frau die früh verstarb, drei weitere aus seiner zweiten Ehe wobei die Partnerin schon vier mitbrachte. So verbrachte Marsha, die nach ihrem ersten keine weiteren Kinder haben konnte, ihre späten Jahre im Kreise ihrer angeheirateten Grossfamilie. Joe war ein genialer Ingenieur und Bastler. Als alter Mann brachte er ein Modem ins Haus von Libby’s Eltern, schloss es an und versicherte ihnen, das Internet sei die Zukunft.