July, 2013

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Autonome Autos

Monday, July 22nd, 2013

Nachdem ich im letzten Blog meinem Frust über die Autofahrer Luft gemacht habe, kommt hier eine unerwartete Ergänzung: Die Leute hinterm Steuer werden bald vom Computer ersetzt. Autonom fahrende Autos gingen ja in den letzten Monaten überall durch die Presse. Google arbeitet an einem self driving car und auch an deutschen Universitäten wird eifrig geforscht. Im Prinzip funktioniert das autonome Fahren schon, nur halt nicht in allen denkbaren Extremsituationen, wie Dunkelheit + Regen, Schneetreiben, Feldwegen ohne Fahrbahnbegrenzung etc. Als wir uns vor einiger Zeit nach einem neuen Wagen umsahen, fragte ich die Händler auch immer nach dem adaptiven Tempomaten. Der ersetzt den Gasfuss und hält nicht nur die Geschwindigkeit automatisch, sondern verlangsamt von alleine, wenn man dem Vordermann zu nahe kommt und beschleunigt anschliessend wieder, wenn der Verkehr weiter fliesst. Für mich wäre das ein Traum, heute schon auf der Autobahn die Routinearbeit an den Computer abzugeben. In unserer Preisklasse gab’s dieses Extra allerdings nicht. In den besseren Audis und BMWs ist es bereits zu haben.

In nicht allzu ferner Zukunft wird das Auto also ganz von alleine fahren und wir können die Sitze nach hinten drehen, die Füsse auf den Rücksitz legen und lesen oder Karten spielen. Ein mäkeliger Kommentator schrieb etwa im Sinne meiner Bemerkung über die teuren Wagen von BMW und Audi, dass auch dieses Extra dann ja doch wieder nur den Wagen der Oberklasse zur Verfügung stünde. Ich denke, der Schreiber irrt sich. Denn es handelt sich nicht nur um ein weiteres Extra auf der Liste der Zusatzausstattung. Es ist keine Verbesserung einer bereits vorhanden Technologie. Das autonome Auto ist ein game changer, eine disruptive technology, es stellt alles auf den Kopf.

Wie jeder weiss, verbringt der durchschnittliche Personenwagen über 90% der Zeit auf einem Parkplatz oder in der Garage. Dort nimmt er bloss Platz weg, steht sich die Reifen platt und ist zu nichts nütze. Aber wenn das Auto alleine fahren kann, dann muss es ja nicht warten, bis ich nach Dienstschluss aus dem Büro komme. Es kann ja in der Zwischenzeit jemanden anders befördern, genau wie ein Taxi. Weiter gedacht: Wozu aber brauche ich dann überhaupt einen eigenen Wagen?  Ich kann ja jederzeit einen bestellen, der nächste freie kommt dann angefahren und los geht die Reise. Anders als beim Bikesharing, wo sich gerne alle Räder nächtens an der U-Bahn versammeln aber tagsüber genau dort Mangelware sind, können autonome Autos auch wieder (leer) an den Ort rollen, wo sie gerade in grosser Zahl benötigt werden. In dieser Vision werden auf einen Schlag alle Strassen von den parkenden PKW befreit die heute allen anderen Verkehrsteilnehmern und dem rollenden Verkehr den Platz wegnehmen. PKWs werden entweder auf Achse sein, oder wenn sie wirklich nichts zu tun haben, können sie sich auf einem Parkplatz abseits versammeln.

Selbstverständlich wird es weiterhin private Fahrzeuge geben. Wer etwa Pick-Ups mit Ballonreifen liebt in die sich sonst kein vernünftiger Mensch setzen würde, kann diesem Hobby auch weiter frönen. Oder Handwerker, die im Lieferwagen ihr Material und Werkzeug befördern, benötigen das Auto ständig vor Ort. Die grosse Mehrheit, die einfach nur von A nach B gelangen möchte, ist mit einem gemieteten Wagen allerdings hervorragend bedient. Selbstverständlich wird man zwischen Luxus und Kleinwagen wählen können, alleine fahren oder kostensparend einen Kleinbus mit anderen Passagieren teilen, die dann am Weg aufgelesen und wieder abgesetzt werden.

Auch aus ökologischer Sicht macht das geteilte, selbstfahrende Auto Sinn. Es werden weniger Rohstoffe verbraucht, weil weniger Autos produziert werden müssen. Die Fahrzeuge können ihre Routen und den Verbrauch optimieren. Sparsame Antriebskonzepte werden sich leichter durchsetzen, weil emotionale Faktoren wie das Bedürfnis nach hohen PS-Zahlen oder sicheren SUV keine Rolle mehr spielen. Der Computer fährt einen Kleinwagen genauso sicher wie einen tonnenschweren Geländewagen. Die geringe Reichweite von Elektroautos ist kein wirklicher Nachteil mehr, weil das Auto seine Fahrten selbst optimieren kann um nie mit leerer Batterie dazustehen. Und wenn man wirklich mal tausend Kilometer am Stück bis zum Gardasee (oder bis nach Kansas) fahren will, steigt man eben zwischendurch in den nächsten verfügbaren Wagen um.

Radfahrerfrust

Saturday, July 20th, 2013

Manchmal fühle ich mich als Radfahrer wie ein Freiheitskämpfer. Angefeindet von der Staatsgewalt (die ihre Polizeiwagen mit Vorliebe auf Radwegen platziert) und von der autofahrenden Mehrheit gleichermassen. Dabei bin ich offenbar selbst aggressiv genug um mir Respekt im Verkehr zu schaffen. Schlimmer ist da L. dran. Sie ist wohl die vorsichtigste und langsamste Radlerin der Stadt. Paradoxerweise bringt das bei der Autofraktion die widerlichsten Reflexe zum Vorschein, regelmässig wird sie angepöbelt. Heute warf man ihr sogar einen Pappbecher aus dem Fenster nach – und dann brauste die feige Bande davon. Die Polizei interessiert das nicht, im Gegenteil, die Officer halten sich auch gerne an die Schwächsten um ihr Plansoll an Strafzetteln zu erfüllen. Letzten August traf es mich in einer “Radlerfalle”, diese Woche bekam L. eine Ticket verpasst wegen eines Rotlichtverstosses. Da war sie nebst einigen Fußgängern (die sich nie um eine Ampel scheren wenn kein Auto kommt) über eine Kreuzung gerollt. Das kostet $350, man wird als Radfahrer genauso behandelt wie ein Autofahrer, obwohl ein Auto töten kann und das auch tut: 148 überfahrene Fussgänger waren es 2012. Die Autofahrer werden in den seltensten Fällen angeklagt. Ich dagegen rechne schon damit, dass ich nach dem dritten Strafzettel meine hochgefährliche, radfahrende Frau nur noch gegen $10.000 Kaution wieder freibekomme.

In diesem Zusammenhang noch meine Meinung zum Helm für Radfahrer. Ich trage selber einen, jedenfalls für die Fahrten zur Arbeit und längere Strecken im Verkehr. Aber ich bin entscheiden gegen einen Helmzwang denn ich schätze die Freiheit, mal eben kurz um die Ecke radeln zu können um etwas zu erledigen ohne deshalb nach dem Helm zu rennen. Oder mir spontan ein Citibike zu schnappen. Oder eine Tour zu machen, die 80% über Feldwege führt und dann hin- und wieder ein Stück auf der Strasse (das ist eine Europa-Phantasie, in den USA gibt’s keine Feldwege). Politisch gesehen will die Diskussionen um den Helmzwang vor allem suggerieren dass der Radfahrer ohne Helm bei einem Unfall selbst schuld ist. In Kansas ist man sogar selber schuld wenn man überhaupt auf’s Rad steigt.

 

Nachtrag 22.7. Es kann noch schlimmer kommen (auf Englisch):

How NYPD Bike Enforcement Is Making Streets Less Safe

Wir tun überall Smarties® rein

Saturday, July 20th, 2013

aus dem New Yorker