June, 2013

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Magisches Zikadenkonzert

Sunday, June 9th, 2013

Es war ein Konzert mit Siebzehn-Jahres-Weltpremiere und wir waren eingeladen. Upstate New York lebt eine Zikade, deren Entwicklungszyklus ganze 17 (siebzehn) Jahre als wurzelknabbernder Engerlin umfasst und dann kommt sie aus der Erde und singt für drei Wochen in den Bäumen, pflanzt sich fort und stirbt. Wir waren auf dem Weg zum Storm-King Skulpturenpark, das ist ja schon an sich ein verwunschener Ort, ein weiter Park mit merkwürdigen Gebilden aus Eisen und Stein und dann dieser Name “Sturmkönig”. Da passten die Zikaden wunderbar hinein. Ich dachte zuerst, wieder so ein Autoalarm. Aber das fistelnde Heulen hörte gar nicht mehr auf, auf dem Weg zum Sturmkönig. Wir hatten die Wagengfenster offen und fuhren durch die grünen Vororte und immer dieser ausserirdische heulende Singsang in der Luft. Wie ein landendes Ufo. Oder eben eine Alarmsirene, aber eine im Falsett, oder mit Stimmbruch. Wenn wir an Baumgruppen vorbeifuhren, schwoll der Lärm manchmal an und klang dann wie gewohntes Zikadengekreisch an einem Sommerabend auf einem kiefernbestandenen Campingplatz hinter den Dünen von Bordeaux.

Im Park flogen, sangen und krabbelten sie zu abertausenden. Im Boden sah man die Löcher, aus denen die Larven sich herausgearbeitet hatten und die Chitinhüllen der Puppen, die sie schliesslich als geflügelte Zikade verlassen hatten. Eine neben dar anderen, stellenweise mehr als hundert auf einem Quadratmeter. Die Bäume müssen ganz schön gelitten haben, an der Wurzelknabberei.

Die Mauer hilft nicht gegen Zikaden (Storm King Wall von Andy Goldsworthy)

In Chile sind die Zikaden auch heimisch und letzten Sommer habe ich eine beim Eierlegen auf einem Apfelbaum erwischt. Es gibt viele Arten, nicht alle haben diesen extrem langen Zyklus. Andere Zikadenarten kommen alle 13 Jahre, oder alle vier und viele (kleinere) sogar in jedem Jahr. Die Zikade legt ihre Eier nicht in den Boden, sondern bohrt ein Loch in ein Zweiglein und legt die Eier unter die Rinde (das hatte ich in Chile beobachtet). Die Nymphen schlüpfen und lassen sich auf den Boden plumpsen, wo sie sich eingraben für die kommenden Jahre.