March, 2013

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Snowshoe police

Monday, March 18th, 2013

Am Wochenende habe ich meine erste echte Wandertour in den USA gemacht. Mit einem Arbeitskollegen zusammen sind wir auf den höchsten Berg im Staat New York gestiegen, Mount Marcy, 5343 Fuss hoch. Also etwa 1600 Meter, immerhin höher als der Feldberg im Schwarzwald. Viel höher geht es an der Ostküste leider nicht und besonders spektakulär sind diese runden Hügelkuppen auch nicht. Es hatte frisch geschneit, auf unserer Anfahrt mussten wir sogar 1/2 Stunde Pause einlegen, ein plötzlicher, heftiger Schneeschauer warf in zehn Minuten 5cm Schnee auf die Fahrbahn und der sommerbereift Wagen schaffte gerade noch die Autobahnausfahrt wo wir dann standen bis die Räumfahrzeuge die Spur wieder freigemacht hatten. Das ging allerdings schnell, die waren auf Zack.

Nach einer Nacht im Hostel langten wir am nächsten Morgen dick vermummt am Beginn des Aufstiegs an. Ich ass einen Müsliriegel zur Stärkung und eine kleine Meise flog mir auf die Hand und pickte ein Stück davon ab. In diesem Moment schlitterte ein Skifahrer aus dem Wald, Tourenski an den Füssen und recht versiert. Er begann eine Konversation und nach einigen Floskeln über den schönen Tag, kam er gleich zum Punkt: “Es ist jetzt ein guter Zeitpunkt Eure Schneeschuhe anzuziehen”, sagte er. Ich sah ihn entgeistert an. Einmal wegen des ungebetenen Ratschlags, aber noch mehr, weil ich schlichtweg nicht verstand: Es lag Schnee, das wohl, aber nur etwa 10cm und auf dem Weg war alles festgetreten, ich hatte keinen Schimmer, wozu ich jetzt Schneeschuhe bräuchte. Wir hatten selbstredend welche dabei, die waren hinten auf den Rucksack geschnallt. So musterte ich ihn mit einem ungläubig-abschätzigem Blick der ihn zum Schweigen bringen sollte, aber das Gegenteil bewirkte. Jetzt legte er richtig los: “It’s the law” drohte er, wenn mich der Ranger erwischte, müsse ich Strafe zahlen. Und dann klagte er lang und breit über die Wanderer in Stiefeln, die tiefe Löcher in den Schnee treten würden, in denen er sich dann mit den Ski verfing. Ich begann langsam zu verstehen worum es wirklich ging. Er wollte den Wanderweg als seine Piste benutzen. Wohlgemerkt, ich rede nicht von Loipen für Langläufer. Das ware kein Wanderweg im Hügelland, wir standen am Beginn eines zwei Stunden langen, stellenweise steilen Aufstiegs. Diese Tourenskier sind was ganz anderes, sie sind stabil und wendig wie Abfahrtski aber haben eine Bindung, die auch das Bergauf-gehen erlaubt. Der Spass beginnt dann bei der Abfahrt, aber nur für die Skifahrer. Für die Wanderer ist es keine Freude, denn man muss verdammt schnell seitlich in den Wald hüpfen um den Jungs auszuweichen. Wir haben etwas höher am Berg, wo tatsächlich mehr Schnee lag, pflichtschuldigst unsere Schneeschuhe getragen. Beim Abstieg wurden wir dann nochmal dumm angemacht. Mir hat die Schneeschuh-Polizei den Tag ziemlich verleidet.

Es handelt sich wohl um einen historischen Konflikt zwischen Wanderen und Tourenskigehern, in den wir da unwissend hineingezogen wurden. So etwa, wie zwischen Wanderen und Mountainbikern, die mit recht unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf schmalen Wegen zwischen Bäumen unterwegs sind. Die Fronten sind verhärtet und die beste Lösung wäre wohl, den Skifahrern und Wanderern unterschiedliche Wege zu schaffen.

Stattdessen gibt es einen Kompromiss und in diesem Naturpark ist an allen Infotafeln angeschlagen, dass ab 20cm Schnee Ski oder Schneeschuhe Pflicht sind. Sagt man nicht den Deutschen nach, sie würden noch das kleinste Detail regeln, überall Verbotstafeln aufstellen und ihre Mitmenschen massregeln wenn immer sich die Gelegenheit ergibt? Ich wage zu sagen: Die Amis können das noch besser. L. wirft ein, das sei nur an der Ostküste so. Hoffen wir mal, dass sie Recht hat und weiter westlich die Freiheit zuhause ist.