September, 2012

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Faltbootfahrt

Sunday, September 30th, 2012

Zum Abschluß der Saison habe ich das Faltboot aus der Kiste geholt. Den Sommer über haben wir ein paar Touren im Hudson Valley gemacht, 1 1/2 Autostunden nördlich von NYC wo der Fluss durch einen Gebirgszug bricht und an den Rhein erinnert, aber ohne Lorely. Selbst so weit weg von der Küste machen sich dort noch die Gezeiten bemerkbar und der Fluss ändert alle sechs Stunden die Richtung. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig. Auf die Gezeiten hatte ich heute wieder nicht geachtet, aber da ich nur im Hafengebiet “Red Hook” paddeln wollte, war die Strömung nicht so wichtig. Während ich das Gestänge des Bootes zusammensetzte, verschwand die Sonne und als ich schliesslich im Wasser war, prasselte ein Wolkenbruch herunter, ich suchte unter dem Pier Schutz und wurde nicht nass, musste aber ständig das Boot gerade halten, damit es nicht gegen die muschelbewachsenen Pfeiler rieb, so eine alte Faltboothaut ist schnell aufgerissen.

Später führte die Tour um das IKEA Hafenbecken herum und in die Gowanus Bay, alles Hafen, Industrie, rostige Schiffe, Dreck. Im Gowanuskanal wurde es noch schlimmer, hier trieben ölschlieren und es stank nach Abwasser. In Berlin und anderswo sind diese kaum genutzten städtischen Wasserwege heute begehrte Wohnlagen und Naherholungsgebiete. Hier ist man noch nicht ganz soweit (Kanalsäuberung und Wohnbebauung ist aber in Planung).

Auf dem Rückweg frischte der Wind auf und ich musste gegen die Wellen anpaddeln. Als ich wieder am kleinen Strand des Valentino Parks anlandete bat ich einen Mann um Hilfe das Kanu nach oben zu tragen. Er tat das gerne und kommentierte: “Oh, das ist ja ein Klepper. Mein Vater hatte auch so eines. Er hat vier Kontinente damit bereist und mehr als einmal musste ihn die Küstenwache aus dem Wasser holen.”

Ich bin sehr überrascht, wie viele Amis das 40 Jahre alte Klepper-Faltboot erkennen, wir sind noch bei jeder Tour darüber mit Leuten ins Gespräch gekommen. Klepper Faltboote wurden in Manhattan in einem Geschäft am Union Square verkauft, erzählte mir heute eine ältere Dame. Bestimmt gibt es noch viele Faltboote in amerikanischen Garagen und Dachböden, aber da sich die alte wasserdichte Gummihaut mit der Zeit auflöst und auch die Beschläge nicht ewig halten, sind sie kaum noch gebrauchsfertig. Mein eigenes Boot hat in den 90gern eine PVC-Haut bekommen, von der Firma Pouch, vor Zeiten die Faltboot-Werft der DDR.