February, 2012

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Eingesperrt

Wednesday, February 8th, 2012

Hier geht gerade das Thema Gefängnis durch die Presse. Vor zwei Wochen im New Yorker, jetzt in n+1 und The New York Review of Books hat auch darüber geschrieben: Fast 1% aller Amerikaner sitzt im Gefängnis. Mehr männliche Schwarze sind im Gefängnis oder auf Bewährung, als es ehemals Sklaven gab. Mit Ausnahme von Rußland unter Stalin hat kein Staat der Welt jemals einen grösseren Anteil seiner Bevölkerung hinter Gittern gehalten. Das ganze verschlingt sechsmal soviel Geld wie für Bildung ausgegeben wird, etliche ländliche Provinzen leben vom Boom der Gefängnisse, die vorzugsweise weit ausserhalb der Städte errichtet werden. Es ist nicht zuletzt ein ausgezeichnetes Geschäftsmodell von dem boomende private Verwahr- und Schliessgesellschaften prächtig leben.

Dabei gibt es heute in den USA so wenig Kriminalität wie schon seit Jahrzehnten nicht. Die Experten sind sich uneinig woran das liegt. Christopher Glazek in n+1 stellt tatsächlich einen direkten Zusammenhang zwischen den vollen Gefängnissen und der niedrigen Kriminalität her. Allerdings ist er ganz und gar nicht mit dem Wegsperren einverstanden. Die Kriminalität habe sich nur verlagert und in den Gefängnissen ist das Verbrechen an der Tagesordnung, besonders Vergewaltigung wird von ihm und anderen Autoren immer wieder angeführt. Daneben prangert Glazek die enormen Kosten für die Gesellschaft an, die soviele arbeitsfähiger Menschen ihrer Freiheit beraubt. Nicht nur die direkten Kosten der Gefängnisse, sondern auch weil diese Männer nicht mehr arbeiten können, nicht im Gefängnis und auch nicht nach ihrer eventuellen Freilassung (die lange genug auf sich warten lässt, bei den drakonischen Strafen, die hier für Wiederholungstäter beim kleinsten Vergehen verhängt werden). Ex-Knackis stellt keiner ein und weil sie oft auch keine Sozialhilfe bekommen und wegen Anwaltskosten, Unterhaltskosten etc. völlig verschuldet sind, ist das Scheitern im normalen Leben vorprogrammiert.

Glazek argumentiert auch, dass der Abtransport vieler Stadtbewohner die Innenstädte geschwächt habe, aber – und hier wird es interessant – am Beispiel der New Yorker Stadtteile Fort Greene (hier wohnen wir!) und Clinton Hill habe es umgekehrt zum Zuzug wohlhabenderer weißer Familien geführt, die sonst niemals in diese ehemals vom Verbrechen heimgesuchten Gegenden gekommen wären.

Abgesehen davon, daß schwerlich etwas dagegen zu sagen ist, daß L. nun im Dunkeln mit dem Hund im Park spazierengehen kann, was sie gerade eben tut, während ich diesen Blogartikel schreibe, halte ich die Erklärung “alle im Gefängnis, deshalb ist jetzt Ruhe” einfach für falsch. Er geht davon auss, dass ein bestimmter Anteil der Menschen per se kriminell verlanlagt sei und Verbrechen somit unvermeidbar, ausser, man sperrt alle potentiellen Verbrecher ein. Wenn das so wäre, müsste es für Weisse wie Schwarze genauso gelten und für andere Nationen ebenso (die Kriminalitätsrate ist in allen westlichen Nationen in den letzten 20 Jahren dramatisch gefallen und zwar ohne dass die Rate der Gefängnisinsassen dort gestiegen wäre). Es scheint vielmehr so zu sein, dass Verbrechen, wie alle anderen menschlichen Tätigkeite auch, von den Umständen und Möglichkeiten abhängt. “Gelegenheit macht Diebe” und nicht: Diebe suchen Gelegenheiten.

Gopnik, im New Yorker, gibt zu dass im Grunde kein Mensch weiss, warum die Gewaltkriminalität so stark abgenommen hat. Es können demgraphische Entwicklungen gewesen sein (weniger wilde junge Männer) oder einfach der Zug der Zeit (Raubüberfälle sind nicht mehr in). Die andauernde Präsenz der Polizei, so sehr sie mir manchmal widerstrebt, dürfte daran ihren Anteil haben.

Vielleicht war es sogar die moderne Kommunikationstechnik. Das Aufkommen der Mobiltelefone hat den Drogenhandel aus dem öffentlichen Raum nach drinnen verlagert. Anstatt sich seinen Stoff in dunklen Gassen zu besorgen, rufen die Konsumenten bei ihrem Dealer an und bestellen zur Lieferung frei Haus.

Gestern Abend im Holland Tunnel

Tuesday, February 7th, 2012

Wer von Südenwesten nach New York will (und weiter nach Brooklyn, Queens und Long Island), muss den Hudson queren. Hier ist der Holland Tunnel das Nadelöhr. Gestern abend kurz nach sechs sah er so aus:

Kein Stau, keine Wartezeit, kaum Verkehr in New Jersey auf den achtspurigen Highways, Danke Superbowl!

Gestern Abend war Endspiel und wir auf dem Heimweg von Philadelphia, wo wir Freunde von L. besucht und uns die Stadt haben zeigen lassen. Philly gefiel uns, die eng stehenden Reihenhäusern und die engen Gässchen sind fast schon europäisch, jedenfalls ungewöhnlich für Amerika. Die Leute sind viel entspannter als in New York, freundlich und nehmen sich Zeit. Gut gegessen haben wir auch!