November, 2011

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Zurück in New York

Sunday, November 27th, 2011

Santiago – Atlanta – New York. L. hat ihren Flug einen Tag später gebucht und ist noch in Santiago. Die Grenzabfertigung ist besser geworden, effizienter und freundlicher. Zumindest die letzten beiden Male (in Denver und heute in Atlanta) ging alles ganz zivilisiert und in annehmbarer Zeitspanne über die Bühne. Gut so, das macht mir das Reisen wesentlich entspannter.

Vom Flughafen JFK kommt man gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Manhattan und Brooklyn. Ich nehme den Zug zum Atlantic Terminal in Brooklyn und ziehe von dort meinen Rollkoffer über holperige Gehsteige nach Hause.

Im Koffer ist das große Marmeladenglas zerbrochen, ein Abschiedsgeschenk von Margarita, der Nachbarin. Sie kocht die beste Marmelade, die ich kenne. Sehr intensiv im Geschmack, so schwer und würzig aromatisch, wie sonst nur Pflaumenmus. Jetzt waren Scherben und Marmelade so vermischt, dass nichts zu retten war, aber der aufsteigende Himbeerduft und der klebrigen Süsse an den Fingern sprachen deutlich davon, welcher Genuß uns entgangen war.

Lucy, unser Hund wartete im Apartment, der Hundesitter war schon weg. Etwas stimmte nicht, der Geruch der Wohnung war so fremd, ich erkannte den Ort kaum wieder. Ich weiss nicht, ob der Hundsitter (ein Freund eines Freundes von L.) auch hier übernachtet und gekocht hat, sicher aber hat er hin und wieder geraucht. Ich putzte alles gründlich um den Geruch loszuwerden und die Wohnung wieder als die meine zu markieren.

Heute Abend geht es früh ins Bett. Morgen, Montag ist mein erster regulärer Arbeitstag nach 14 Monaten Pause.

 

Wir sind doch kein Aas

Friday, November 25th, 2011

Raubvögel können angeblich unglaublich scharf sehen und ihre Beute aus grösster Höhe erspähen. Entweder war unser Condor kurzsichtig oder er wollte uns mit seiner Erscheinung beeindrucken. Nur ein paar Meter über unseren Köpfen segelte er lautlos im Hangwind heran. Bei einem Riesenvogel mit drei Metern Spannweite ist das ein ziemlich unheimlicher Anblick! Bei jeder Schleife kam er etwas näher, so dass wir uns nach gebührender Bewunderung und Fotos schliesslich unter einem Busch geduckt haben, bis der König der Lüfte abzog, höheren Gipfeln entgegen.

L. auf dem Rückzug mit Condor-Abwehrstock

Ein Programmierer in New York (IV und Schluß)

Wednesday, November 16th, 2011

Im vierten und letzten Teil geht es um das Einstellungsprozedere, vom ersten Kontakt bis zum Vetragsangebot.

Nach dem Senden der Bewerbung

Wenn eine Firma interessiert ist, reagieren sie meistens recht schnell (einige Tage). Manche lassen sich auch länger Zeit, aber es ist eher unwahrscheinlich, daß nach Wochen das Wartens noch eine positive Reaktion kommt. Wenn eine Firma interessiert ist, melden sie sich entweder per Telefon oder email und fragen nach einem Termin für ein etwa 45 minütiges Vorstellungsgespräch am Telefon. Gut, der erste Schritt ist geschafft!

Unglücklicherweise sind Absagen im email-Zeitalter aus der Mode gekommen. Ich kann es verstehen, denn wer hindert Hundertschaften von ungeigneten Kandidaten daran, hundertmal am Tage die gleiche Bewerbung herauszuschicken? Als jemand, der ausschließlich handgefertigte, quasi auf Büttenpapier gedruckte und sorgsam and die Stellenanzeige angepasste Briefe und Lebensläufe verschickt, fand ich es trotzdem unfair, keine eine Reaktion auf meine Mühe zu erhalten. Die Antwortquote lag bei 35%, das schließt auch Absagen mit ein, 65% meiner Bewerbungen verhallten ohne jede Resonanz.

Das Telefon-Interview

In Deutschland gibt es das meines Wissens nicht, aber in Amiland ist es die Regel: Um allen Beteiligten unnötigen Zeitverlust zu ersparen, wird der Kandidat erstmal am Telefon abgeklopft. Entweder macht das jemand von der Personalabteilung, oder der Software-Chef, oder beide zusammen, oder sie rufen nacheinander an. Die Fragen sind die üblichen: Erzählen sie uns, was sie an ihrer letzten Stelle getan haben.Warum interessieren Sie sich für unsere Firma usw.

Dann können aber gleich schon technische Fragen folgen: Welche Erfahrung haben sie mit Python? Was ist eine “Klasse” in objektorientierter Programmierung? Google war besonders fortgeschritten: Der Interviewer schickte mir den Link zu einem Google-Dokument und bat mich, eine Funktion zu codieren (in einer Sprache meiner Wahl), die ein Array um 5 Stellen nach rechts shiftet. Uff. Das hat mich kalt erwischt. Aus drei Gründen:

  1. Ich muß gestehen, daß ich beim Programmieren kaum noch auf die Syntax achte. Anders als in den 80gern, sind die Compilezyklen so fix, daß man warten kann, bis der Computer das fehlende Semikolon anmeckert (Eclipse macht sogar gleich einen roten Kringel im Editor). Wenn man dann plötzlich auf einem weißen Blatt Papier codieren soll, merkt man, daß man viele simple Regeln und Kommandos nicht im Kopf hat und überhaupt viel zuviel googelt (heisst es array.size() oder array.lenght oder len(array)?)
  2. Der Akt des über-die-Schulter-schauens kann einen lähmen und am Denken hindern.
  3. Grundlagen aus dem Studium werden ebenfalls abgefragt. Lies Dir nochmal ein gutes Buch über Algorithmen und Datenstrukturen durch (z.B. Niklaus Wirth). Mach ein paar Aufgaben dazu. Auch wenn Du sie seit der Uni nicht mehr selbst implementiert hast (wozu gibt’s das collections framework?) an dieser Stelle mußt Du mindestens wissen, wo verkettete Listen und binäre Bäume am Platz sind und welche Vor- und Nachteile sie haben.

Üben hilft!

Programmier-Rätsel

Falls es nicht bereits eine Voraussetzung für die Bewerbung war, dann kommt es wahrscheinlich jetzt: Das Programmier-Puzzle. Für eine mehr oder weniger klar definierte Aufgabe soll eine Lösung programmiert werden. So lange man mir etwas Zeit zum Nachdenken lässt, ist es mir recht.

Vorstellungsgespräch

Da die grundsätzliche Eignung nach den vorherigen Etappen bereits klar scheint, wird beim Vorstellungsgespräch Ernst gemacht: Die Firma investiert richtig viel Zeit und schleust Dich in einigen Stunden durch alle Abteilungen. Ich habe mit bis zu 8 Leuten gesprochen. Manche machen Tests und lassen Dich eine Lösung an der Tafel skizzieren, andere wollen Dich am Computer tippen sehen. Danach war ich ganz schön geschafft! Aber es ist wirklich gut, viele zukünftige Kollegen zu beschnuppern (und umgekehrt).

Jobangebot

Spätestens hier wird meine Datenbasis dünn, soviele Angebote gab’s nicht für mich. Wenigstens eines kam und es kam recht schnell. Per Telefon und email verhandelten wir die letzten Details wie Starttermin und Gehalt. Dann waren Formulare auszufüllen. Und so viele:

  • Angebots-Brief (unterzeichnen und Handzeichen auf alle Seiten)
  • Personendaten
  • Schweigepflichtserklärung
  • Abtretungserklärung
  • Bestätigung der US-Arbeitserlaubnis
  • (freiwillige) Enthüllung der Rassenzugehörigkeit
  • Steuerformular (federal tax)
  • Steuerformular (state tax)
  • Kontoverbindung
  • Krankenversicherung
  • Lebensversicherung
  • Rentenversicherung
  • Firmen-Handbuch gelesen (unterschreiben)

Ich freue mich auf meinen ersten Arbeitstag :-)

Ein Programmierer in New York (III)

Wednesday, November 16th, 2011

Heute: Die Hilfe von Personaldienstleistern (Recruiter)

Wenn das Telefon endlich mal klingelt, ist es vermutlich ein Recruiter und nicht der ersehnte Anruf des Personalchefs. Der Recruiter hat eine Übereinstimmung Deines Lebenslaufs mit einem Stellengesuch gefunden:

Python = Python

Hurra! Seine Kommission scheint schon in Reichweite.

In einigen Fällen haben Recruiter tatsächlich interessante Angebote, viele Firmen arbeiten auch mit Recruitern, es kann also durchaus die Mühe wert sein, auch auf Angebote zu reagieren, die nicht direkt von Firmen kommen. Es wie mit den Maklern auf dem Wohnungsmarkt (in New Yorks wahre Heerscharen von Maklern unterwegs, möglicherweise gibt es sogar mehr als Polizisten, aber weniger als Eichhörnchen. Ich habe den Verdacht, daß viele Absolventen von schlechten Colleges es nicht zum Programmierer bringen und sich dann auf Personalvermittlung spezialisieren.)

Neben den Recruitern, die sich auf die reine Vermittlung beschränken, gibt es auch Personaldienstleister, die Dich unter Vertrag nehmen und dann an den Arbeitgeber für eine etwas höhere Summe verkaufen. Der Vertrag endet aber mit dem Ende des Kundenprojekts, der Dienstleister kann im Anschluß etwas Neues für Dich haben oder auch nicht. In vielen Fällen ist das Ziel dieses Zeitvertrages aber auch die Übernahme, falls der Kunde mit der Leistung zufrieden war. Der Vertrag kann ein festes Monatsgehalt vorsehen, oder die Abrechnung auf Stundenbasis. Besonders attraktiv fand ich letzteres nicht, denn die so erzielten Stundenlöhne sind praktisch identisch zu der Summe, die ein Festangestellter verdient, wenn man das Monatsgehalt auf eine Arbeitsstunde herunterbricht. In Deutschland rechnet man gemeinhin etwa das Doppelte als Stundenlohn für einen freien Mitarbeiter. Denn der Freie muss ja alles obendrauf selbst finanzieren, was sonst die Firma mit übernimmt: Urlaub, Krankenzeit, Versicherungen, Weiterbildung, Steuererklärung, Akquise. In USA wird aber nicht so gerechnet. Mir wurden Stundenlöhne von $40-$70 genannt, ich fand das recht wenig.

Man kann mit den Recruiters leben, anders als die Wohnungsmakler werden sie vom künftigen Arbeitgeber bezahlt (angeblich bis zu 25% eines Jahresgehalts).

“Man muß sich verschulden um ein Leben zu leben, das mehr ist als bloßes Überleben”

Sunday, November 13th, 2011

Gestern Abend bei meinem Nachbarn zum chilenischen Abendimbiß “once”: Brot, Rührei und Käse, dazu ein Gläschen Wein, am Schluß eine Tasse Tee. Es war schon beim Tee, als wir auf die Ausbildung seiner Tochte zu sprechen kamen, die in diesem Jahr die Schule beendet hat und im Dezember den landesweiten Einstufungstest für die Uni ablegen wird, die PSU. Von der erreichten Punktzahl hängt alles ab: Die Besten haben Zugang zu Stipendien und den besten Unis des Landes. Zu denen wird sie sicher nicht gehören. Ihr Traum wäre es, an der Polizeischule als Carabinera ausgebildet zu werden, aber man hat ihr schon zu verstehen gegeben, daß sie dafür ein bisschen zu kurz ist. Die Carabineros sind in Chile militärisch organisiert, da ist es schon wichtig, dass man bei der Parade in der Unform eine gute Figur macht.

Mein Nachbar kam dann auf andere Karrieremöglichkeiten zu sprechen und darauf, wie sie sich finanzieren ließen. Die Schule in Chile ist umsonst für alle (aber wie auch in den USA schwankt die Qualität extrem und wer es sich leisten kann, schickt seine Kinder in Privatschulen, das fängt schon im Kindergarten an). Danach wird es teuer und ohne wenigstens eine technische Ausbildung bleibt einem auch in Chile nur die Arbeit an der Supermarktkasse. Eine Ausbildung zur Arzthelferin: 200 Euro im Monat. Ein Universitätsstudium: 600 Euro im Monat (plus Kosten für Fahrgeld, Wohnung etc.). Zumindest das letztere liegt außerhalb der Möglichkeiten meiner Nachbarn. Es sei denn, sie würden sich verschulden.

Viele tun das und gehen ein hohes Risiko ein. Denn der Arbeitsplatz danach ist nicht garantiert. Chiles Ausbildungsstätten arbeiten gewinnorientiert, nicht erfolgsorientiert oder studentenorientiert. Sie sollen Geld abwerfen für die Investoren, die diese privaten Institute finanzieren. Die Qualität der Ausbildung spielt nur insofern eine Rolle, als daß der Ruf der Institution nicht über die Massen leiden darf, so daß keine Studenten mehr kämen. Aber selbst dann lässt sich mit einem großzügigen Marketingbudget viel glattbügeln, die Universitäten gehören zu den grössten Werbekunden im Land, ihre großformatigen Anzeigen und Werbespots sind allgegenwärtig.

Genau darum drehen sich die Schüler- und Studentenproteste, die seit Mai die Straßen Chiles besetzen. Die jungen Leute wollen sich nicht für den Rest ihres Lebens als Sklaven verkaufen für die Hoffnung, dafür ein halbwegs anständiges Leben zu bekommen wie wir es alle wollen: Eine Wohnung in einem guten Viertel, ein Auto, ab und zu mit Freunden ausgehen, später den Kindern eine gute Ausbildung ermöglichen. Wer seine Schulden nicht bezahlen kann, der ist gebrandmarkt und darf nicht einmal das Land verlassen, die Polizei wird ihn an der Grenze aufhalten.

Die Regierung gibt den Studenten nicht nach: Ihr sollt das alles haben, aber ihr müsst dafür bezahlen und Euch ganz in unsere Hände begeben. Piñera, der Präsident ist der reichste Mann in Chile und hat sein Geld mit Kreditkarten gemacht, ganz genau, seine Macht gründet direkt auf den Schulden seiner Landsleute.

Wer das alles von einem etwas weiteren Blickwinkel aus lesen will: Heute Morgen in der alten Tante F.A.Z. kommt Schirrmacher zu Wort, in der Debatte zwischen den Idealisten aus dem Feuilleton und den Kampagnen der Markt-Ideologen des Finanzteils.

 

 

 

Ein Programmierer in New York (II)

Friday, November 11th, 2011

Zweiter Teil: Wo findet man Stellenangebote, wie bewirbt man sich?

Die Stellenanzeige

Zu häufig steht genau drin wieviele Jahre Berufserfahrung sie mit einer ganz bestimmten Technologie wollen, etwa mit Python, Spring, Hibernate oder JavaScript. Der Einwand, daß man Programmierer sei, und nicht auf eine bestimmte Sprache festgelegt, dass es um das Verständnis von Konzepten gehe und nicht darum ob ein Statement einen Semikolon am Ende hat oder nicht, all das verfängt nicht.

Glücklicherweise denken nicht alle Firmen so oder vielleicht hat der Markt wieder etwas angezogen, jedenfalls sah ich zuletzt wieder mehr Anzeigen in denen ganz generell erfahrene Programmierer gesucht wurden.

Craigs List

Quasi ein liebenswerter Anachronismus aus der Anfangszeit des www, kommt Craigslist komplett ohne jegliches buntes Webseiten-Design aus. Werbung gibt es auch keine und trotzdem oder gerade deshalb funktioniert CraigsList immer noch am besten. Sowohl unsere Wohnung als auch meine Arbeitstelle fand ich hier. Die schlichten Textanzeigen bleiben für 1-2 Wochen gelistet, dann werden sie gelöscht.

Die einschlägigen Job-Suchmaschinen (indeed, Monster etc.)

Ich fand indeed noch am Besten, aber sie alle haben zuviel Schrott gelistet, uralte Anzeigen und ärgerlich viele Anzeigen von Headhuntern und Personaldienstleistern (zu denen  mehr im nächsten Artikel)

Government Jobs Webseite (http://www.usajobs.gov/)

Elend langsame Suchfunktion, schlechte Benutzerführung, katastrophal. Leider sind Anzeigen im öffentlichen Dienst oft überhaupt nur über usajobs.gov zu sehen. Da ich mich mit meiner Observatoriums-Vergangenheit auch bei Forschungseinrichtungen bewerben wollte, bekam ich dann auf der Webseite des Instituts den Link zu usajobs.gov und immer führte er ins Leere.

Job-Seiten von github.com, HackerNews, stackoverflow.com

Viele Startup-Jobangebote

Die Bewerbung

Zur Bewerbung gehört mindestens:

  • Lebenslauf (Resume) mit Details zu Ausbildung (welche Uni), Praktika und der bisherigen Berufserfahrung. Am Anfang steht meist eine Zusammenfassung in der die wichtigsten Fähigkeiten (und Programmiersprachen, *seufz*) gelistet sind. L. meinte, Fotos, Geburtsdatum oder Hinweise auf Familienstand seien nicht üblich um Diskriminierung vorzubeugen.

Manchmal reicht der Lebenslauf schon. Aber besser ist zusätzlich ein

  • Anschreiben (Cover Letter). Der Brief geht ein wenig auf die Stellenanzeige ein und stellt heraus, warum man der ideale Kandidat sei.

Weitere Verdienste sind bestimmt ein Plus:

  • Portfolio. Links zu Webseiten/Projekten die man entweder selbst gebaut oder entscheidend mitgearbeitet hat.

Zeugnisse sind in Amerika offenbar nicht üblich, auch mein Diplom wollte keiner sehen. Eventuell wird gefragt nach

  • Referenzen. Eine Liste von ehemaligen Chefs, Professoren oder sonstigen wichtigen Menschen die der zukünftige Arbeitgeber anmailen oder anrufen kann um zu verifizieren ob alles im Lebenslauf so seine Richtigkeit hat

Alles wird per email verschickt oder auf einer Bewerber-Management-Webseite eingetippt (cut and paste). Mir ist es auch passiert, daß ich mühevoll ein wohlgestaltetes Bewerbungsschreiben verfasst hatte, nur um dann festzustellen, dass die Webseite für den Upload als einziges Dokument einen Lebenslauf akzeptiert.

 

 

 

Vergleich New York – Santiago

Friday, November 11th, 2011

Hier eine höchst subjektive Bewertung der Lebensqualität von Santiago, New York und Köln (meiner Lieblingsstadt in Deutschland, möglicherweise von Nostalgie verklärt). Man sieht die Subjektivität an einem Kriterium wie “interessante Jobs” oder etwa dem Fehlen des Themenbereichs “Schule”.

(Bewertung mit Schulnoten 1: sehr gut, 2: gut, 3: befriedigend, 4: ausreichend, 5: mangelhaft, 6: ungenügend)

Santiago New York Köln
Öffentlicher Nahverkehr 3 3 3
Kulturangebot 4 1 1
Ausflüge und Wandermöglichkeiten in der Umgebung 3 6 2
Sicherheitsgefühl 2 2 2
Sauberkeit 3 4 3
Interessante Jobs 4 3 2
Lebenshaltungskosten 2 3 2
Umwelt 4 (Smog) 3 (Lärm) 2
Parks 4 2 2 (dank Rheinufer)
Shoppen 4 1 2
Gastronomie 3 1 2
Lebensmittel 2 3 (teuer) 2
Community (Gruppendynamik und Netzwerke) (schwer zu sagen) (noch unbekannt) (weiss nicht)
Gesamtbewertung 3.2 (gefühlt: 3) 2.5 (gefühlt: 3) 2.0 (wie gefühlt)

New York steht also ganz vorne beim Thema Gastronomie und Shoppen, beides allerdings nicht wahnsinnig wichtig für mich. Dagegen habe ich schwer zu kauen an der Tatsache, daß es praktisch keine Möglichkeit gibt, der Stadt am Wochenende zu entfliehen und im Wald zu Wandern.
Witzigerweise wäre meine Gesamtbewertung von Santiago eher 3 als 3.5 und von New York ebenfalls eher 3 als 2.5, das liegt daran, dass die verschiedenen Kategorien nicht alle die gleiche Wichtigkeit besitzen.

Ein Programmierer in New York (I)

Friday, November 11th, 2011

In diesem und in folgenden Blogeinträgen schildere ich meine Erfahrungen bei der Arbeitssuche in New York. Möglicherweise hat jemand ähnliche Pläne und ist dankbar für die Hinweise. Aber Achtung, ich denke daß vieles was ich hier schreibe spezifisch für die Situation in New York ist und im Silicon Valley oder in der Provinz mag alles ganz anders sein.

Der Arbeitsmarkt in New York

Hire und fire hatte ich als Losung im Kopf, wenn es um den amerikanischen Arbeitsmarkt geht. Ich stellte mir vor, dass die Firmen hier nicht zögern einen Angestellten hinauszuwerfen, wenn die Leistung nicht stimmt oder der Absatz schlecht ist. Umgekehrt sollten sie aber auch ganz fix mit Neueinstellungen sein und wer sich an einem Tag vorstellt, kann gleich am nächsten mit der Arbeit beginnen. Wie alle Klischees, erwies sich diese Vorstellungen als fast komplett falsch. Die Firmen brauchen Wochen bis Monate um einen Bewerber durch den Einstellungsprozess zu schleusen und ich habe viel Zeit verloren, weil ich zuerst auf meine Arbeitserlaubnis wartete und mich erst mit deren Eintreffen ernsthaft zu bewerben begann. Trotzdem unterschrieb ich am Schluß bei einer Firma, die vom Erhalt meiner Bewerbung bis zum Arbeitsangebot nur gerade mal 11 Tage brauchte.

In der Vergangenheit hatte ich immer den Traum, einmal als Kellner zu arbeiten, weil ich zu gerne beweisen wollte, dass man zu den Gästen aufmerksam, höflich und mit dem Service schnell sein kann, alles Fähigkeiten die ich beim Personal zu häufig vermisse. Als ich dann über zwei Monate in New York auf dem Trockenen sass, habe ich trotzdem nie ernsthaft daran gedacht eine Arbeit im Dienstleistungssektor zu suchen. Ein Grund ist das niedrige Gehalt, als Kellner oder Bürokraft verdient man vermutlich um die $3000-$4000 im Monat, als Programmierer mindestens das Doppelte. Daneben war ich aber auch durch die Bewerbungen zeitlich ziemlich in Anspruch genommen. Ich habe mich in der Wartezeit intensiv in Web-Technologien eingearbeitet. Die potentiellen Arbeitgeber lieben es, Programmieraufgaben zu stellen. Vielleicht macht man das in Deutschland heute auch, aber als ich vor etwa zehn Jahren das letzte Mal in Deutschland auf Jobsuche war, war so etwas nicht üblich. Für einige Aufgaben habe ich durchaus ein paar Tage gebraucht, vor allem wenn grafische Ausgabe oder eine Webseite gefordert war.

Unternehmen

In New York gibt es reichlich Arbeitsangebote bei Startups und andern jungen und eher kleinen Softwareunternehmen. Fast immer geht es um Web-Programmierung und Datenbanken. Die Branchen sind Werbung, nochmal Werbung, Unterhaltungsindustrie, Ausbildungs/Schulsoftware, Onlinehändler. Daneben gibt es große Medienunternehmen (Bloomberg, New York Times) und natürlich die Finanzindustrie.

Meine Programmierfahrung in den letzten Jahren bewegte sich hingegen stark im technischen Sektor, aber leider gibt es in dieser Stadt einfach nichts derartiges. Ich habe keinerlei Industrie gefunden, die technische Geräte oder Maschinen herstellt. An anderen Orten im Land, wo Programmierer für eingebettete Systeme gebraucht werden, ist wiederum der Anteil der Militärtechnologie sehr hoch und abgesehen davon, dass so einem Job eine intensive Durchleuchtung vorausgeht, will ich ohnehin keine Waffen bauen oder Drohnen fernsteuern.

Ich musste meinen Lebenslauf also in Richtung Java und Web-Technologien hinbiegen und mich soweit fit in der Materie machen, dass ich bei einem Vorstellungsgespräch oder Programmiertest nicht sofort durchfiel (trotzdem ist genau das ein paarmal passiert).

Voraussetzung: Arbeitserlaubnis

In meinem Fall war die Arbeitserlaubnis relativ problemlos zu bekommen, denn durch meine Heirat mit der Amerikanerin L. erhalte ich mehr oder weniger automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung, die die Arbeitserlaubnis einschließt. Vom Moment der Hochzeit bis zur Green Card sind es allerdings um die sechs Monate, soviel Zeit brauchen die Behörden um den Prozess zum Abschluss zu bringen. Gleichzeitig mit dem Green Card Antrag (korrekt: Adjustment of Status) stellte ich einen Antrag auf Arbeitserlaubnis (Employment Authorization), der mir nach etwa 6-8 Wochen ein mit Foto und Fingerabdruck versehenes Kärtchen im Briefkasten bescherte. Diese Arbeitserlaubnis ist vorläufig gültig für ein Jahr (aber mit der Erteilung der Green Card obsolet).

Natürlich gibt es auch den Prozess des Arbeitsvisums (H1B-Visum). Dazu muß man bereits aus Deutschland einen Arbeitgeber finden, der diesen Prozess unterstützt und alle notwendigen Unterlagen und Bescheinigungen zu erbringen bereit ist. Stand Herbst 2011 ist es meiner Meinung nach für den durchschnittlichen Softwerker so gut wie aussichtslos auf diese Weise ins Land zu kommen. Fast alle Stellenangebote weisen direkt darauf hin, dass sie nur Bewerber berücksichtigen, die bereits eine Arbeitserlaubnis besitzen. Chancen auf ein Arbeitsvisum gebe ich nur Leuten die entweder die nötigen Kontakte zu Firmen bereits haben (etwa durch frühere Beschäftigung) oder für Programmierer mit extremer Spezialisierung, etwa in Krytographie oder etwas ähnliches.