October, 2011

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Spaziergang an einem sonnigen Sonntag nach dem ersten Schnee

Sunday, October 30th, 2011

Ein bisschen früh, noch vor Halloween hat es gestern kräftig geschneit. Nass, pappig und schwer wie der Schnee war, hat er einigen Straßenbäumen das Genick gebrochen, die haben nämlich alle noch ihre Blätter. Es fühlte sich die letzten Wochen kaum herbstlich an, geschweige denn nach Winter.

Gebrochener Baum Ecke Adelphi Street / Myrtle Avenue

Blick entlang Carlton Avenue zum Empire State Building (Parallelstraße zu Adelphi Street, wo wir wohnen)

Gut 1/2 Stunde Fußweg mit dem Hund, dann ist man an der Brooklyn Bridge. Das Viertel nennt sich DUMBO (District Under Manhattan and Brooklyn Overpass) und ist voll mit Restaurants, Läden, Galerien und Internet-Firmen (aber keine, die mich einstellen wollte). Bei Touristen beliebt, die über die Brücke aus Manhattan kommen und dann nicht zurückfinden, so wie der Landsmann der mich heute ansprach: Ixkjuus mi, whär is Bruklin Britsch?

Auch New York hübscht seine Uferzonen auf. Früher Industriehafen, jetzt Park und Karussell.

Gänse-Touristen aus Kanada

Blick durch DUMBO-Straße zur Manhattan Bridge.

Polizei

Sunday, October 30th, 2011

In der Bronx läuft gerade ein Verfahren gegen eine Gruppe von Polizisten wegen ticket-fixing, also “Amtsmissbrauch” oder “Rechtsbeugung”. Konkret, wenn Du in der Bronx einen Verwandten bei der Polizei hattest, gab es keine Probleme mit Strafzetteln. Korruption dieser Art und schlimmeres, scheint weit verbreitet. Und die Polizisten fühlen sich im Recht! Bei dem Gerichtstermin waren hunderte von Polizisten (in Zivil) anwesend, die ihren angeklagten Kollegen applaudierten, die Ankläger beschimpften und Reporter beim Filmen und Fotografieren behinderten.

Ich bin nicht überrascht. Mir fällt seit langem auf, dass sich Polizisten in den USA häufig Vorrechte herausnehmen, die ihnen nicht zukommen. Nicht alles ist gleich Korruption, aber vieles hinterlässt bei mir ein ungutes Gefühl. Hier ein paar Beispiele.

  • L’s Bruder verkauft Hot Dogs in einem Imbiß in Grand Rapids. Polizisten essen dort gratis. Er sagt, wäre das nicht so, er könne sich nicht sicher sein, daß sie im Falle eines Notrufs schnell genug bei ihm im Laden wären.
  • In New York gibt es viele Radwege. Leider sind die meist nur auf die Strasse aufgemalt und nicht per Bordstein so abgetrennt, dass der übrige Verkehr sie respektiert. Da es auch wenig Parkraum gibt, wird man ständig mit Autos konfrontiert, die auf dem Radweg halten. Oft sind es Lieferanten, Fahrer die auf jemanden warten und … Polizei! Halten auf dem Radweg ist nicht erlaubt. Auch nicht für Polizisten, aber sie tun es trotzdem, als hätten sie in dieser Beziehung ein Vorrecht.
  • Sehr häufig sehe ich Polizeifahrzeuge die das Rotlicht ignorieren und mit einem kurzen böp böp ihrer Sirene um die Ecke fahren. Die sind nicht auf Verbrecherjagd,  die wollen bloß nicht an der roten Ampel stehen.
  • Die schiere Menge von Polizei in New York ist erstaunlich. Sie sind überall. In der U-Bahn, an Strassenecken, bei jedem Spaziergang mit dem Hund sehe ich mindestens drei Polizeiwagen herumkurven bevor ich bloss den Park erreicht habe. L. beobachtete letzen Sonntag eine Demo von 15 Personen, eskortiert von 30 Cops.
  • Am meisten verunsichert hat mich die sehr zügige Durchfahrt eines schwarz lackierten Zivilfahrzeugs mit Sirene und blinkenden Lichtern in den Fenstern gefolgt von einer ebenso schwarzen Stretch-Limousine letzten Sonntagnachmittag in einer belebten Einkaufsstrasse im besten Viertel Brooklyns. War das ein offizielles Fahrzug? Aber welcher Amtsträger benutzt etwas halbseidenes wie eine Stretchlimo? Und warum fährt dem kein normaler Polizeiwagen voraus? Ich kann mir nicht helfen, es wirkte genau wie die Durchfahrt eines Gangsterbosses. So wie in Mexico, wo die Gangs die Städte beherrschen und die normale Polizei schon lange nichts mehr zu sagen hat.