July, 2011

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Schülerproteste in Chile

Sunday, July 3rd, 2011

In allen großen Städten des Landes gehen zum wiederholten Mal die Schüler zu zehntausenden auf die Straße und protestieren für ein besseres und gerechteres Schulsystem und gegen die Kommerzialisierung der Ausbildung. Wie kann ich das in ein paar Sätzen erklären?

Wer in Chile Kinder hat, muß genau wie in USA zusehen, daß er eine gute Schule für sie findet. Die staatliche Schule in der Nachbarschaft kommt wahrscheinlich nicht in Frage, zu schlecht ist die Qualität der Lehre. Das merke ich etwa daran, wenn ich einen Blick auf die Englisch-Hausaufgaben der 17 jährigen Tochter meines Nachbarn werfe. Nach fünf Jahren Englischunterricht (nominell) stehen da kurze Satzfragmente ohne Grammatik und rätselhaftem Sinn und das liegt nicht daran, daß sie eine schlechte Schülerin wäre. Die einzige Schule in Chillán, die soweit ich informiert bin, mit einiger Sicherheit Absolventen hervorbringt die anschließend die erforderlichen Prüfungen für die Uni-Zulassung bestehen, ist die Deutsche Schule Chillán. “Deutsche Schule” ist dabei übrigens nur eine Art Markenname, die “echten” Deutschen Schulen wurden vor hundert Jahren oder mehr von den Auswandererfamilien gegründet, die Deutsche Schule Chillán ist gerade zehn Jahre alt und will mit “Deutschland” vor allem das positive Bild von Qualität hervorrufen. Deutsch wird allerdings schon unterrichtet.

Staatliche Schulen sind gratis und führen fast garantiert zum Mißerfolg, private Schulen kosten immer (viel) Geld, bei manchen kommt auch was bei rum und der Nachwuchs schafft es auf die Uni. Die Schulgebühr sollte eigentlich nur in die Schule reinvestiert werden und nicht etwa dem Zweck dienen, Gewinn zu erwirtschaften (sin fines de lucro). Im Moment plant die Regierung hier eine Änderung und was auch bisher schon auf verschlungenen Finanzwegen zustande kommt, soll auch offiziell werden: Mit Schulen und Unis soll Geld verdient werden. Pikantes aber wenig überraschendes Detail: Der Erziehungsminister Lavín besitzt selbst Anteile an Ausbildungsinstituten.

Eine Handvoll Unis in Chile hat internationales Niveau, zumindest bei Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Jura (bei den Humanwissenschaften sieht es durchweg sehr traurig aus, bringt halt kein Geld…). Die besten Unis sind die Unversidad de Chile, die Universidad Catolica und die Universidad de Santiago. Auch einige private Hochschulen bieten brauchbare Studienabschlüsse. Damit man an den genannten Instituten studieren kann braucht man aber entweder einen sehr guten Schulabschluß oder reichlich Kohle. Ansonsten landet man im weiten Feld der privaten Unis und Institute wo man am Ende einen wohlklingenden Titel erhält, aber beim Berwerbungsgespräch nur bedauerndes Kopfschütteln erntet.

 

Leben auf drei Kontinenten

Friday, July 1st, 2011

Knapper konnte es gar nicht sein, zwei Tage vor meinem Abflug aus Chile erhielt ich noch meine Daueraufenthaltsgenehmigung (permanencia definitiva). Ich habe mich wirklich sehr gefreut über diesen Vetrauensbeweis meines Gastlandes. Wenn ich möchte, kann ich damit den Rest meines Lebens in Chile verbringen, allerdings muß sie alle fünf Jahren erneuert werden. Die Bedingung ist, daß ich auch tatsächlich eine gewisse Zeit in Chile gelebt habe, während der jeweils letzten Periode. Damit kann ich mich in Zukunft zwischen drei Kontinenten zum Leben entscheiden!