June, 2011

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Bilder von meiner Geburtstags-/Abschiedsfeier

Monday, June 20th, 2011

Widrigkeiten überwunden

Wednesday, June 15th, 2011

Gerade beim SPON gelesen: Neues Teleskop in Betrieb genommen. Stimmt, als ich letzte Woche auf dem Berg waren, liefen die letzten Tests. Auch für mich schließt sich damit der Kreis, als ich vor sechs Jahren meine Stelle antrat, lernte ich in München einen schwer frustrierten italienischen Ingenieur kennen, der an der Kamera baute (268 Megapixel, lese ich). Er hatte Zweifel, ob er die Inbetriebnahme noch vor Ende seines befristeten Vertrags (Dezember 2005) miterleben würde. Die Zweifel waren berechtigt, es hat noch sechs Jahre gedauert. In der High-Tech-Welt ist das eine astronomische Verspätung.

Auswanderer fand Frau

Wednesday, June 15th, 2011

Letzte Woche flatterte mir diese Einladung der MME-Entertainment GmbH in den email-Kasten, die anfragte, ob ich mich als Kandidat für ihr Fernsehformat gewinnen wollte. Läuft offenbar schon, bei VOX.

Zu spät Leute! Ich bin in festen Händen und heute hat der Auswanderer sein nächstes Auswanderungsvisum in Santiago abgeholt. Am 3. Juli verlasse ich Chile, fliege in die USA und heirate L. Dieser Blog wird damit schließen. Aber mein Landhaus bleibt, es wird nicht verkauft und irgendwann kommen wir zurück!

 

Mein Huhn legt Eier

Sunday, June 12th, 2011

Pünktlich vor dem Sonntagsfrühstück ertönt lautes Gegacker im Hof, das erste Ei ist da!

Bilder vom Puyhehue-Ausbruch

Sunday, June 12th, 2011

Ok, der Eintrag kommt ein bißchen spät, aber ich habe kein TV und in der Lokalzeitung hier kommt vom Ausbruch nicht viel vor. Fast hätte ich’s verpaßt! Mehr Bilder hier.

El enojón

Saturday, June 11th, 2011

Sich öffentlich aufzuregen und sich lauthals zu beschweren ist nicht Sache der Chilenen. Es ist aber leider eine meiner schlechteren Angewohnheiten. Ich konnte es mir immer noch nicht ganz abgewöhnen, werde aber milder, vielleicht ein positiver Effekt des Alters (diese Woche werde ich vierzig).

Aufregen muß nicht sein, das Beschweren an sich kann allerdings nicht schaden. Ich rede von schlechtem Service in Geschäften und Institutionen. Das fängt schon bei der Bäckerei im Nachbardorf an. “Pan no queda” Wir haben kein Brot mehr. Nicht etwa weil die Versorgungslage schlecht wäre, es gibt Mehl, aber der Bäcker hat einfach nicht genug gebacken oder letzte Nacht gesoffen oder ist abgehauen, was weiss ich. Im Internetcafé heute morgen gab’s im ersten kein Internet, im zweiten war der Drucker kaputt. Aber gut, in diesen Fällen belasse ich es beim Hochziehen der Augenbrauen und gehe nach nebenan, chilenische Kleinbetriebe zur neigen Klumpung und wo ein Schneider ist, sind noch drei weitere in der gleichen Straße.
Wenn ich dagegen im Großsupermarkt elend lang in der Schlange stehen muß oder wenn die Post sechs Wochen braucht um einen Brief aus Deutschland auszuliefern, bin ich wirklich sauer. Denn hier handelt es sich um Institutionen, die nach einem globalen Effizienzmodell funktionieren. Ein Baumarkt in Chile sieht so aus wie ein Baumarkt in USA oder Deutschland und genau die gleichen Baumärkte stehen bestimmt auch in Indien oder Afrika. Alle Abläufe in einem chilenischen Baumarkt sind identisch mit denen in allen anderen Ländern der Welt. Von der Lieferung der Ware, dem Einräumen der Regale Anzeigen schalten bis zum Abkassieren, alles folgt einem bewährten Modell.

Ein anderes Beispiel ist die Toyota-Werkstatt. Es ist fast gruselig, wie haargenau gleich man hier als Kunde behandelt wird, wie in Deutschland. Bis zum Anbieten der Tasse Kaffee folgen die Angestellten einem Schema, das Toyota weltweit allen seinen Vertragswerkstätten vorgibt.

Da also eigentlich alles genormt ist, sehe ich einfach nicht ein, daß ich an einer chilenischen Kasse dreimal solange warten muß, wie an einer deutschen. Immer wieder kommt es im Kundenkontakt zu Störungen, die zum Stillstand des Systems auf unbestimmte Zeit führen. Typische Störungen sind: Der Kunde will mit Karte zahlen, hat aber keinen Kredit mehr. Oder der Kunde zahlt mit Scheck und das Ausfüllen und die Legitimationsprüfung dauern Ewigkeiten. Oder ein Preisschild fehlt. Oder der Kunde will eine (spezielle) Rechnung zur Vorlage beim Finanzamt. Die Kassiererinnen starren dann auf den Bildschirm, so lange bis der Computer sagt: Weitermachen. Die Kunden stehen zahm in der Schlange  (bis auf einen Ausländer, der sich aufregt). Es ist ganz klar eine Kulturfrage, aber diese (Un)kultur hat meiner Meinung nach in so einem globalisierten Bertrieb nichts mehr verloren.

Traditionell werden Störungen in Chile durch Improvisation gelöst, was wiederum sehr sympathisch ist. Ein nettes Beispiel ist die ärztliche Untersuchung die zum Antrag meines Visums nötig war. Der Arzt ging Eintrag für Eintrag meinen Impfpass durch und suchte den Nachweis für die Impfung gegen Virus X. Gab es nicht. Es tauchte aber der Impfstoff Virulon auf, von dem der Arzt nicht auswendig wußte wozu er gut ist. In gewissen südlichen Ländern wäre an dieser Stelle wahrscheinlich ein diskreter Geldschein hilfreich. Nicht in Chile. Nach ein paar Minuten freundlichem Palaver beschloss er, daß Virulon gegen X hilft. Angelegenheit erledigt.

Leider aber haben die Angestellten in einem Baumarkt nicht die mindeste Entscheidungsbefugnis. Also schlagen die schlechten Seiten der Kultur voll durch während die traditionellen Abhilfen nicht anwendbar sind.

Der Bäcker hingegen kann tun und lassen, was er will. Wenn er damit zufrieden ist, nur halb soviele Brote zu verkaufen wie er könnte um nachher länger mit seinen Kumpels abzuhängen, dann soll er das tun. Er ist sein eigener Herr.