March, 2011

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Chilifte aus China

Friday, March 18th, 2011

Meine Freunde wissen, dass ich hier etwa 50km vom Skigebiet Termas de Chillán entfernt wohne. Viel auf der Piste war ich in den letzten Jahren nicht, erst fehlte die Zeit, dann schmerzte der Rücken usf. Als ich das letzte Mal oben war, waren auch viele Lifte ausser Betrieb. Das sollte sich eigentlich mit dem neuen Betreiber ändern. Das Skigebiet ist nämlich im Besitz der Stadt Chillán, die es dann an einen Konzessionär verpachtet. In einem nicht ganz durchsichtigen Verfahren wurde vor zwei Jahren eine neue Betreibergesellschaft gefunden, die das Skigebiet mitsamt Hotels und Schwimmbädern nun für 30 Jahre nutzen darf. Seit im letzten Winter häufig die Lifte ausfielen und einmal Skifahrer stundenlang in der Höhe festsassen, wurde viel Kritik an deren Praktiken laut. Im Mittelpunkt steht dabei, dass die neuen Lifte laut Pachtvertrag neu angeschafft und von einem renommierten Hersteller sein müssen. Installiert wurden und werden aber offensichtlich gebraucht erstandene Lifte aus unklarer Quelle. Zu dem ganzen Thema gibt es jetzt eine kleine Fernsehdokumentation. Der Titel spielt auf den Lift-Betrug an: ‘Gato por liebre’ heisst soviel wie ‘eine Katze als Hasen verkaufen’, so wie ein X für ein U vormachen.

Den Franzosen, der das Hotel Mi Lodge betreibt und der im Film interviewt wird, kenne ich auch ein wenig. Die Expatriates hier stecken zusammen, wie überall. Bertrand hat ein kleines Teleskop und am Mittwoch sind wir zum Sternegucken eingeladen.

Vor dem Winter

Thursday, March 17th, 2011

Bevor der Winter kommt, wird das Feld geeggt um die gepflügten Soden zu zerkleinern. Leider hat das eingesetzte Gerät nicht den gewünschten Erfolg. Der Landmann meint, er wird den Grasfilz wohl per Hand absammeln müssen.

Atomzeitalter wird beerdigt

Thursday, March 17th, 2011

Heute ein Artikel in der F.A.Z. der mir aus dem Herzen spricht.

(Bei Kühlungsversuchen geplatzter Marmeladebehälter)

Der Fluch des Pharao

Wednesday, March 16th, 2011

Heute gibt es ein erstaunliches Satellitenbild der japanischen Fukushima Reaktoren:

Hübsch detailliert, nicht wahr? Ich habe ja kein Fernsehen hier und bin allein auf das Internet als Nachrichtenquelle angewiesen. Wenn das Bild keine Fälschung ist, dann sehe ich drei zerstörte Reaktorgebäude. Ich sehe auch, dass der Tsunami an diesem Teil der Küste gar nicht besonders hoch aufgelaufen ist. Es scheint, dass die Kraftwerksgebäude knapp über Meereshöhe liegen und vermutlich “nasse Füsse” bekommen haben. Das hat offenbar gereicht, um alle Sicherheitssysteme auszuschalten. Hinter den Reaktoren erkenne ich eine steile Böschung, oben ist keine Zerstörung mehr zu sehen. Autos ordentlich geparkt, Bäume hübsch angepflanzt.

Wenn man die schrecklichen Bilder der weggewaschenen Städte gesehen hat glaubt man leicht, dass die gesamte Küste derart heimgesucht wurde. Das ist nicht der Fall. Die Welle läuft je nach lokaler Topographie sehr unterschiedlich auf. Das habe ich in Chile nach dem 2010 Beben gelernt. Am Küstenort Pichilemu mieten wir uns gelegentlich auf der Durchfahrt in einem Ferienwohnungs-Komplex ein. Die Hütten liegen direkt am Strand, hinter einer flachen Düne. Als ich im September wieder dort war, erwartete ich nur noch ein paar Trümmer zu sehen. Aber nichts dergleichen, es war alles picobello! Die Besitzerin meinte, die Welle sei einfach an ihnen Richtung Norden vorbeigelaufen. In der nächsten Bucht hat sie sich verfangen und dort, nur ein paar Kilometer nördlich im Stadtzentrum, hat der Tsunami die Strandmeile abgeräumt.  Restaurants etc. alles weg.

Beim Japan-Erdbeben habe ich ebenfalls etwas neues gelernt, über Kernkraftwerke. Ich war auch bisher schon gegen die Technologie, und zwar wegen der Abfallproblematik. Als Ingenieur hielt ich die technischen Risikien des Betriebs für beherrschbar. Ich hatte verdrängt, oder gar nicht gewusst, dass so ein Reaktor recht schnell explodiert, wenn ihn keiner mehr “beherrscht”. Damit meine ich, die Mannschaft eines AKW kann nicht einfach den Not-Aus-Knopf drücken, alles herunterfahren (so wie Windows), den Kontrollraum verlassen und nach Hause gehen. Das geht nicht. Auch der abgeschaltete Reaktor muss gekühlt werden. Dazu braucht man Pumpen, Strom, Ersatzteile, Techniker und anderes Betriebspersonal. Er kann also strenggenommen gar nicht abgeschaltet werden. Selbst wenn man die Brennstäbe herausnimmt und irgendwo lagert, die müssen immer noch gekühlt werden! Sonst geraten sie in Brand. Sieht man ja gerade auch in Fukushima, wo ein Lagerbecken für Brennelemente in Flammen aufgegangen ist. Das Betriebspersonal ist zum verzweifelten Kamf gegen die Kernschmelze verdammt. Ein Blog-Kommentator schrieb dazu:

Kommt den Atombefürwortern eigentlich nie in den Sinn, dass [...] die Leute durch diese Technik zu Entscheidungen gezwungen werden wie sonst nur im Krieg – desertieren oder nicht angesichts einer Schlacht, die nicht gewonnen werden kann in einem Krieg, den ich nie gewollt habe? -, bringt das die Atom-Apologeten nicht zum Zweifeln? Würden sie selbst in Neckarwestheim aus Überzeugung heldenhaft “ihren Mann stehen” und zu Märtyrern für einen vermeintlich niedrigeren Strompreis?

Für mich ist es komplett inakzeptabel, dass eine Technologie nicht “ausstiegsfähig” ist.  Flugzeuge kann man landen. Chemiefabriken und Raffinerien lassen sich abschalten und als Altmetall verkaufen. Selbst die so erdrückenden Staatsschulden können künftige Generationen einfach platzen lassen oder weginflationieren. Die Überreste der Atomtechnologie aber wird man nicht mehr los, auch nicht nach hunderten von Jahren. Das wäre etwa so, als ob die ägyptischen Könige einen Fluch oder einen Bazillus in ihren Pyramiden eingeschlossen hätten. Anstatt die Königsschätze im Museum zu bewundern, wäre die Menschheit für Ewigkeiten verdammt, die Pyramiden zu bewachen, zu sanieren, dichtzuhalten. Und bei der Atomkraft reden wir von hunderten von Reaktoren weltweit die irgendwann in Pyramiden Endlager überführt werden müssen, dazu die unseligen Atomwaffen.

Leserbrief

Monday, March 14th, 2011

In der Lokalzeitung von Chillán las ich heute einen Leserbrief, der im Angesicht der Katastrophe in Japan die nuklearen Ambitionen Chiles und den Wiederaufbau nach dem Erdbeben vom letzten Jahr ironisch kommentiert:

An die Herausgeber,

aus der Katastrophe in Japan sollte Chile die folgenden Konsequenzen ziehen:

1. Der Energieminister, Laurence Golborne, ist aufgefordert, die Untersuchungen zur Kernenergieerzeugung zu beschleunigen, damit uns das nächste Erdebeben nicht etwa ohne Kernreaktor erwischt!

2. Der Bau von Häusern und Imbissbuden 20 Meter von der Wasserlinie soll entschieden gefördert werden, damit viel mehr Personen im Fall eines Tsunamis nasse Füsse kriegen.

3. Sozialwohnungen sind vorzugsweise in Form von Hochhäusern zu bauen um die möglichen Notfälle zu konzentrieren und beim Wiederaufbau Klüngel und Pfusch zu erleichtern.

Schlussendlich sind wir vermutlich auch technologisch nicht weit genug entwickelt um im Fall eines Megabebens mit Japan in Punkto Zerstörung und Opferzahlen gleichzuziehen.

Mit freundlichen Grüssen

Dem Namen nach ist der Verfasser ein Chilene deutscher Abstammung und wie man an der ebenfalls abgedruckten Steuernummer sieht, schon ein älteres Semester (der 4,8 Millionste, wir sind jetzt bei 23 Mio.)