December, 2010

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Hinausbugsiert

Friday, December 31st, 2010

Wer unter den Geldanlegern hat sich nicht schonmal den Kurs der Apple-Aktie angeschaut und sich gesagt: Hätte ich das Papier nur 2001 gekauft, dann wäre mein Geld jetzt verzigvielfacht! Anfang des Jahres habe ich Aktien der Geneart AG erstanden, ein Biotech-Unternehmen mit unscheinbaren, aber wichtigen Produkten für die Gentechnologie. Ich durfte mich über anhaltende Kursgewinne freuen und hätte die Aktie gerne lange behalten. Den Erfolg haben aber auch andere bemerkt. Der Laden wurde von Applied Biosystems aufgekauft und ich als Minderheiten-Aktionär abgefunden. Squeeze-Out heisst das. Ich bekam nicht etwa Anteile der Applied Biosystems, das hätte ich mir ja noch gefallen lassen, sondern schnöde Euros. Auf den Gewinn musste ich obendrauf hunderte Euro Steuern zahlen, als wäre ich ein lausiger Kursspekulant.

Die Chancen im Kapitalismusspiel sind eben nicht für alle gleich. Die dicken Fische haben vorgesorgt und noch ein paar Regeln für ihren sicheren Vorteil eingebaut.

Blanca wird gefixt und wir sind am Strand

Thursday, December 30th, 2010

Bevor Blanca in das Alter kommt, in der ihr die Rüden hinterherlaufen, wird sie gefixt (wie das amerikanisch-praktisch heisst).

Wir liefern sie in Chillán beim Tierarzt ab und fahren weiter an den Strand. Ein bisschen drückt das Gewissen, die arme leidet auf dem OP-Tisch, aber wir leiden ja auch, am Tag danach am Sonnenbrand.

Das Ende der Welt

Wednesday, December 29th, 2010

Chile ist im Westen begrenzt vom Pazifik, im Osten von der Cordillera de los Andes. Dahinter befindet sich unbekanntes Land. Ein riesiger Abgrund? Ungeheuer und Drachen? Feindliche Reitervölker? Die chilenischen Landkarten enden an der Grenze und füllen den Platz den Argentinien, Bolivien oder Peru einnehmen mit grauer Farbe. Wir wollten es herausfinden, die Grenze ist ja nur etwa 30km von meinem Haus entfernt, gleich hinter dem Vulkan von Chillán, der das Panorama beherrscht. Einen offiziellen Grenzübergang gibt es jedoch nicht. Nur Schmugglerpfade, wie ich höre. Die Bande der Brüder Pinchera hat in nicht näher bezeichneter Vergangenheit Rinderherden aus Argentinen über den Pass nach Chile getrieben. Heute verlaufen da eine Öl- und eine Gaspipeline, die letztere nur 100 Meter von meinem Haus entfernt. Könnte ich da hineinklettern und per Rohrpost nach Argentinien gelangen, das wäre die schnellste Variante. Über den nächsten offenen Pass ist es ein weiter Umweg.

Der Paso Pehuenche auf der Höhe von Talca ist gesperrt, die Passtrasse wird gerade ausgebaut (das immerhin eine gute Nachricht zur Völkerverbindung). Der Paso Pichachén etwas südlich scheint ebenfalls geschlossen, zumindest behauptet das ein Schild an der Strasse 50km vorher und wir wollten nicht soviel Zeit investieren um es herauszufinden, zumal ohnehin nicht klar war, ob mein Auto durchkommen würde. Auf chilenischer Seite sind ein paar Flüsse zu durchqueren und die Schneeschmelze hält noch an.

Also sind wir bis nach Lonquimay in den Süden gefahren und haben dort die gut ausgebaute Strasse zum Paso Pino genommen, sind dann aber nach einer Nacht im Zelt an einem abgelegenen See über den Paso Icalma eingereist.

Das Klima und die Landschaft ändern sich abrupt. Auf chilenischer Seite grüne Wiesen und Wälder, in Argentinien ist es trocken, die Wälder spärlich und sobald man aus den Bergen herauskommt, beginnt sofort die Grassteppe der Pampa. Auf der Fahrt zurück nach Norden (jetzt auf der argentinischen Seite der Grenze) begegnen wir immer wieder Gauchos, die zu Pferd Ziegen- und Rinderherden treiben. Ein heftiger Wind von den Bergen treibt das Auto fast von der Strasse. Wir fressen Kilometer in der eintönigen Landschaft.

Am Abend sind wir in Andacollo, einem kleinen Bergdorf etwa 100km Luftlinie von meinem Haus entfernt, aber in einer anderen Welt.

Weil ich ja nicht mehr in Lohn und Brot stehe, sollte dieser Urlaub etwas billiger werden, deshalb haben wir die Übernachtungsausgaben gedeckelt und haben fast immer gecampt. War manchmal hart für meinen Rücken, und Libby hatte immer Angst vorm Erfrieren, aber o.k. Das Essen wurde auf dem Campingkocher selbst zubereitet und weil ich mich knauserig geweigert habe auf Vorrat Geld abzuheben und im nächsten Dorf dann der Automat kaputt war, gab es einen Tag nur Reis und Banane. Auf dem Rückweg war dann noch Geld übrig für zwei Nächte in einer Cabaña (Ferienhaus) in Chile. Purer Luxus!

Ich möchte bald wieder ‘rüber’ nach Argentinien, dann vielleicht mit dem Fahrrad. Eine Tour ist in Planung.

 

Solar powered Christmas

Monday, December 27th, 2010

Im Mai hatte ich in diesem Blog meine Pläne zur Installation von Solarzellen ausgebreitet, es hat bis Weihnachten gedauert, bis das Projekt abgeschlossen war. Fast zumindest, denn noch sind die Panele provisorisch im Garten aufgestellt und müssen es noch auf’s Dach schaffen. Ich bin dabei, mir eine wind- und erdbebensichere Befestigung auszudenken. Aber jetzt schon bringen sie ihre volle Leistung, die Sonne knallt hier im Sommer ordentlich runter.

Die Anlage besteht aus 5 Photovoltaikmodulen zu je 80 Watt, 2 Batterien mit je 200Ah und der notwendigen Elektronik. Alles Technik vom feinsten und bis auf die Batterien gab es in Chile nichts davon ab Lager zu kaufen, alles musste extra aus Europa oder den USA importiert werden.

Die 400 Watt Leistung reichen locker aus um den Strombedarf während des Tages zu decken und dazu die Batterien zu laden. Wenn der nächste Tag wieder sonnig wird, dann könnte ich theoretisch den Strom nachts aus den Batterien holen. Mache ich aber nicht, sobald die Sonne hinter den Bäumen im Westen verschwindet schalte ich per Dämmerungsschalter wieder auf das öffentliche Netz. Ist billiger als Batteriestrom, denn die Batterien werden mit der Zeit schlechter und müssen nach einigen Jahren ausgetauscht werden. Je tiefer und je öfter sie entladen werden, desto eher.

Wenn das Netz jedoch mal ausfällt oder wenn ich mich ganz unabhängig fühlen möchte, könnte ich auch autark vom öffentlichen Netz leben, dann aber bei wolkigem Wetter mit einigen Komforteinbussen.

Der Wechselrichter macht aus 24 Volt Batteriespannung 220 Volt für’s Haus. Genug Leistung für Wasserpumpen, Waschmaschine, Computer und Licht. Die Kabel sind so dick wie mein kleiner Finger.

Der Batterielader melkt den Solarzellen die maximal mögliche Energie ab und pumpt sie in die Batterien.

Eine grüne LED-Lampe leuchtet sobald die Solarpanele den Strom liefern und ist aus, wenn der Strom aus dem Netz kommt.

Der Stromzähler misst, wieviel Solarstrom verbraucht wurde.

Die Verschaltung ist ziemlich kompliziert geworden, vielleicht hilft das Schaubild weiter.

Idylle mit Schafen und Solarzellen.

Und wozu der ganze Aufwand? Erstmal macht es Spass! Zweitens macht es unabhängig. Nach dem Erdbeben habe ich mich wirklich geärgert, dass zwei Wochen lang kein Strom da war und ich das Wasser mit dem Eimer schöpfen musste und die Bohrmaschine nicht lief. Drittens bin ich der Meinung, dass die Energieversorgung auf erneuerbare Energien umgestellt gehört und Solarenergie ist unbegrenzt, sauber und frei. Viertens hatte ich Geld übrig. Fünftens will ich speziell in Chile ein Beispiel geben, dass man zur Energieversorgung nicht Gas aus Indonesien oder Wasserkraft aus Patagonien importieren muss, sondern im ganzen Land Wind und Sonne reichlich zur Verfügung stehen (Hier noch ein passend inspirierender Artikel zur Rettung der Welt den ich heute in der FAZ las). Sechstens muss ich mich um keine Stromrechnung kümmern falls das Haus mal länger leersteht – die Alarmanlage läuft weiter.