October, 2010

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El Leon

Sunday, October 31st, 2010

Die Einheimischen nennen den Puma nur “El Leon (der Löwe)”. Einer hat vor zwei Nächten ein Fohlen gerissen, nur 15 Minuten von hier auf einer Weide wo ich auch hin und wieder spazieren gehe, am Morgen mit dem Hund. Aber uns droht keine Gefahr. Das heisst, nicht von Seiten des Puma, die sind extrem scheu. Aber die Leute hier haben eine Falle aufgestellt, in die will ich lieber nicht reintreten. “Wenn wir den Puma kriegen, kommt er auf den Grill und wir spülen ihn mit 10 Litern Rotwein runter” sagt der Besitzer des Fohlens scherzend, dem mein Nachbar und ich auf unserem Ausritt heute begegnet sind. Ein alter Bauer mit funkelnden Augen. Er war auch zu Pferd und hatte die Stute am Zügel, die hat einen Tatzenhieb über dem Auge davongetragen, aber das heilt. Obwohl hier jeder weiss, dass der Puma geschützt ist und nicht gejagt werden darf, betrachten sie ihn als ihren Feind und werden ihn wohl zum Bettvorleger machen. So ist das eben auf dem Land. Der Staat zahlt auch keine Entschädigung für das verlorene Fohlen.

Wild mountain lion-puma. Midnight feast 2
(Foto: Flickr)

Prost!

Sunday, October 24th, 2010

Wie ich noch nicht lange weiss, wohnt nur ein paar Kilometer von hier ein deutsches Paar. Sie brauen Bier! Nur weil sie es seit kurzem auch verkaufen, wurde ich auf die Nachbarn aufmerksam. Gestern war ich zu Besuch. Ihr Grundstück ist riesig, sie haben es schon vor 20 Jahren gekauft und wohnen seit sieben Jahren ständig in Chile. Waren seither auch gar nicht mehr in Deutschland. Wozu auch, wenn man hier sein kleines Paradies hat, mit Wald, Obstwiesen, einem Flüsschen und eben selbstgebrautem Bier. Das ist wirklich extrem lecker.

Blick von oben

Sunday, October 24th, 2010

Google hat die Satellitenbilder erneuert. Man sieht jetzt mein Haus und die Scheune. Ich kann ausserdem den Verlauf der Grenze erkennen und weiss jetzt endlich, dass meine Nachbarn ihren Grenzzaun nicht in mein Grundstück verrückt haben. Ich hatte immer das Gefühl, meine Parzelle ist oben schmaler als unten, aber das ist so, weil alle anderen Grundstücke ebenfalls leicht trapezförmig geschnitten sind. Sowas sieht man nur von oben, auf dem Erdboden, zwischen Wald und Hügeln kann höchstens ein Landvermesser eine gerade Linie ziehen.


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Blanca im Frühling

Monday, October 18th, 2010

Die kleine Hündin wurde von Nachbarn an der Strasse gefunden, vermutlich ausgesetzt. Ich war froh, wieder einen Hund zu haben und habe sie an mich genommen. Das ist schon zwei Wochen her und sie ist ganz schön gewachsen in der Zeit. Bevor ich einen Blogpost schrieb, wollte ich erstmal warten, ob sie bei mir bleibt! Sie bleibt, obwohl ich sie ständig herumkommandiere: Blanca, Sitz! (klappt schon hin und wieder).

Alle draußen?

Saturday, October 16th, 2010

Dann darf ich ja mal anmerken, dass mir der Rummel um die 33 Mineros doch reichlich übertrieben erschien. Gibt es nichts wichtigeres auf der Welt? Eine Wohlfühl-Nachricht ist was schönes. Aber die 24-Stunden Berichterstattung der man tagelang in Chile kaum noch entkam, das war zuviel des Guten. Im Taxi lief das Radio mit life-Bericht. Im nächsten Laden läuft der Fernseher, live aus Copiapó. Zwei Stunden sitze ich im Wartesaal der Visa-Stelle, auch hier Dauer-TV.

Einmal wird eine Meldung eingeblendet: 45 Tote bei Zugunglück. Mein Gott, denke ich auch das noch. Wieder ein Rückschlag für die Eisenbahn in Chile auf deren Wiedereinrichtung nach Chillán ich seit dem Erdbeben vergebblich warte. Das Unglück war aber in der Ukraine, wie ich erst zwei Tage später rauskriege, nachdem ich eine Zeitung in den Händen hielt (und mich durch die 40 Seiten Minenrettungshintergrundberichte geblättert hatte). Eine Nachricht soll die Zuschauer über Dinge informiert die für sie wichtig sind, ein Zugunglück in der Ukraine kann einem Südamerikaner wirklich wurscht sein! Tagelange live-Berichte von der Rettungsaktion der Mineros sind pure Unterhaltung.

Nur ein Beispiel für eine Nachricht, die darum ziemlich unterging in den letzten Monaten (und wahrscheinlich war der chilenischen Regierung das Timing ganz recht): Während die Minenarbeiter auf Rettung harrten, befanden sich 38 inhaftierte Mapuche im Hungerstreik. Die Mapuche sind die indianische Urbevölkerung des südlichen Teils von Chile und sie kämpfen für mehr Unabhängigkeit und die Rückgabe ihres Landes. Nicht immer mit friedlichen Mittel, die 38 sitzen wegen Straftaten wie zum Beispiel Brandstiftung. Das Problem hier ist, dass der chilenische Staat drakonische Terroristengesetze gegen die Mapuche anwendet, die noch aus der Pinochet-Zeit stammen. Die Landbesitzer und die Polizei schlagen hart zurück in dem ungleichen Kampf. Ein Slogan den ich in Chillán an eine Wand geklebt las lautete: 3 años por matar a un mapuche 80 años por quemar un bus (3 Jahre für den Tod eines Mapuche, 80 Jahre für den Brandanschlag auf einen Bus).

150 Jahre Pinto

Friday, October 8th, 2010

Pinto ist das Dorf, durch das ich jedesmal durch muss, wenn ich nach Chillán fahre. Es gibt da ein paar kleinere Läden, drei schlecht sortierte Eisenwarenhandlungen und die Stadtverwaltung mit der Abteilung Bauamt (wo ich heute gerade die Genehmigung für meinen vor einem Jahr fertiggestellten Anbau abgeholt habe) Also es ist nicht viel los in Pinto, deshalb fahre ich ja auch bloss durch und gleich weiter nach Chillán. Ein paar Menschen blieben aber doch da hängen und Pinto wird dieses Jahr 150 Jahre alt. Das heisst aber nicht, dass sich auch nur ein Lehmziegel fände, der noch aus der Zeit der Gründung stammte. Die Chilenen und ihre Erdbeben arbeiten da Hand in Hand. Das Gebäude, das mir in einem früheren Blogeintrag als Beispielhaus für Erdebebenschäden diente, ist inzwischen dem Erdboden gleichgemacht. Es war bis dato das älteste noch erhaltene Haus in Pinto!

Ich habe dann doch noch einen Zeugen der Gründung gefunden, sogar mitten auf dem zentralen Platz. Die Zukunft gehört den Bäumen. Hoffen wir, dass keiner von den Knirpsen eine Motorsäge in die Hand bekommt.

Uruguay

Monday, October 4th, 2010

In Uruguay haben mir vor allem die Siedlungen gefallen, die Häuser. Viele Gebäude sind im Stil einer “südamerikanischen Moderne” erbaut. Es erinnert an Bauten der 20ger Jahre, Jugenstil, Bauhaus, viel klassizistische Anleihen mit Simsen und hohen Fenstern. Wenn die Häuser wirklich so alt sind wie mir dem Baustil nach scheint, dann spricht das für gute Pflege. Natürlich im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten des kleinen Landes, aber sehr zum Vorteil des Gesamteindrucks. Im reichen Deutschland geht sehr viel Schönes dadurch verloren, dass es bereits nach wenigen Jahrzehnten ersetzt oder umgebaut wird, nur weil es ein wenig renovierungsbedürftig ist oder dem Geschmack der Zeit nicht entspricht. Oder nach neuesten Vorhaben: Weil es wärmedämmend eingepackt werden soll. Die Architektur bekommt in Deutschland gar keine Zeit mehr zu reifen. Davon ausgenommen sind natürlich die schmucken mittelalterlichen Fachwerkstädchen. Im Gegensatz dazu ist es sehr wohltuend zu sehen, wie sich ein Stadtbild organisch entwickeln kann.

Mein Hotelzimmer wäre ein anderes Beispiel für in Würde gealtertes Design. Es gab da einen Nachttisch im Stil einer Raumschiff-Kommandozentrale mit klobigen Tastentelefon, Drehknöpfen für die Klimaanlage und diversen Kippschaltern für die Zimmerbeleuchtung. Ich erinnere mich, dass sowas in den 70ger Jahren schick war. Natürlich gäbe es das in keinem deutschen Hotel mehr zu sehen, den Plunder hätte man längst rausgerissen (und in den 80gern durch Halogenspots und spiegelnde Wandpanele mit lila Zierleisten ersetzt). Im Hotel Lafayette ist es noch vorhanden und funktioniert einwandfrei!

Alle Häuser in Uruguay sind aus Stein, nur die Allerärmsten wohnen in Bruchbuden in dem in Chile allgegenwärtigen Barackenstil. Die Siedlungen wirken ungewohnt offen, es ist nicht alles so obsessiv vergittert, hinter Mauern, Zäunen und Stacheldraht. Für einen Tag bin ich nach Colonia gefahren, eine kleine Stadt die am Rio de la Plata gerade gegenüber von Buenes Aires liegt. Mit der schnellen Fähre kann man in einer knappen Stunde in die argentinische Hauptstadt fahren. Colonia ist ein echtes Schmuckstück. Ganz breite gepflasterte Alleen durchziehen die Stadt, viel zu breit für den wenigen Verkehr, aber so kann man wunderbar radeln. Die Stadt ist zu Recht als Touristenziel bekannt. Ich hatte ein symathisches Hotel mit hellblau gestrichenen Klappläden. Am Abend wieder Parilla. Als ich die Kellnerin um Erklärung der verschiedenen Fleischstücke auf der Karte bitte, deutet sie an ihrem eigenen wohlgeformten Körper an, woher das Stück stammt: Rücken, Nacken, Rippe.

Abflug

Mit dem Taxi zum Flughafen. Wie in amerikanischen Filmen haben die Taxis eine Trennwand zwischen Fahrer und Passagieren, die auf dem Rücksitz Platz nehmen. Da die Taxis aber keine amerikanischen Strassenkreuzer sind, sondern japanische Kleinwagen oder Fiat Puntos, leidet die Beinfreiheit doch sehr. Ob die Trennwand der Sicherheit dienen soll? Oder der Diskretion?

Der Flieger hat ein technisches Problem mit der Laderaumtüre. Zwei Stunden lang beobachte ich vom Terminal aus, wie drei Beinpaare unter dem Bauch des Flugzeugs sich um die Reparatur bemühen. Die Körper sind durch die Tragfläche verdeckt. Es ist ein Elend mit dem modernen Verkehr, man liefert sich auf Gedeih und Verderb der Transportlogistik aus. Einmal eingecheckt kann ich nur warten und hoffen, dass die das Problem lösen. Ich kann nicht einfach ein anderes Flugzeug nehmen, kann nichtmal das Terminal verlassen, denn mein Pass ist schon gestempelt. Im Duty-Free Shop bieten Hostessen Whiskey zum Probieren an, den kann ich jetzt gut vertragen. Nach drei Stunden verspricht man uns Essensgutscheine, aber noch während die ausgeteilt werden, ruft der Lautsprecher zum Check-In. Ich fliege zurück nach Chile.