May, 2010

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Horst Köhler, Roland Koch und ich

Monday, May 31st, 2010

Drei Männer, dreimal Rücktritt. Anders als die beiden bleibe ich noch bis September im Amt. Danach zehre ich für einige Zeit von meinen Ersparnissen (falls der Euro durchhält) und geniesse den Frühling in Chillán.

Der Vergleich mit den Herren Politikern ist natürlich nur um des Effektes willen. Ich bin nicht etwa zurückgetreten, sondern werde nach sechs Jahren (zwei Amtszeiten) meinen Vertrag nicht verlängern. Mit Roland Kochs Motiven für seinen Schritt habe ich mich nicht weiter befasst – wahrscheinlich, weil ich dem Mann keine Träne nachweine. Horst Köhlers Abgang hat mich mehr beschäftigt. Ich habe meine meine politische Sozialisation unter Weizsäcker erlebt und der hat das Amt wahrscheinlich am Besten von allen ausgefüllt und er war unwahrscheinlich populär. Mit dem Rücktritt Horst Köhlers bin ich nicht einverstanden, das wütende Argument von Nils Minkmar in der FAZ, der Präsident sei der erste und auch der letzte Mann im Staat, kann ich mir auch zueigen machen.
Seine vorgebrachten Rücktrittsgründe nimmt ihm ja keiner ab. Eine Theorie, die mir daher gut gefällt, ist die folgende: Als früherer Ideologe und Verantwortlicher einer marktliberalen Ideologie (Ex-IWF Vorsitzender!) konnte er nicht ertragen, wie diese Ideologie gerade grandios scheitert. Oder noch besser: Nachdem er sich in der letzten Zeit zu einem scharfen Kritiker eines ungebremsten und unkontrollierten Wachstums gewandelt hatte, ertrug er es nicht, dass dieses Thema von der offiziellen Politik komplett vermieden wird (das ist etwas, was ich persönlich auch schwer auszuhalten finde). Mehr dazu und andere Spekulationen hier.

Mein Rückzug aufs Land wird nur von kurzer Dauer sein.

Umzug geschafft

Friday, May 28th, 2010

Eine Wohnung zu mieten ist eine Herausforderung in Chile. Verdienstbescheinigung, Schufa-Auskunft und ein Bürge sind praktisch immer Pflicht. Misstrauen herrscht vor, ein Mieter wird erstmal als einer gesehen, der nicht bezahlen mag.

Zum Auszug geht der Papierkram dann weiter: Vor dem Umzug muss man beim Notar eine eidesstattliche Erklärung abgeben, in der man versichert, all seine Strom- Gas und Wasserrechnungen und die Nebenkosten bezahlt zu haben. Eine schriftliche Vollmacht des Vermieters braucht man ausserdem. Der Notar stellt dann ein Papier aus (salvoconducto) und nur wenn das vorliegt, setzt sich der Umzugswagen in Bewegung.

Chile wandert

Friday, May 28th, 2010

Nicht weit vom Skigebiet ‘Termas de Chillán’, gleich hinter dem Touristenort Las Trancas, führt ein Weg zu einem lange aufgegeben Berghotel. Man geht eine knappe Stunde durch den Wald und steigt über Lavafelder bis man zu der Ruine gelangt. Ein netter Spaziergang. Vor Jahren traf man dort auf kaum einen anderen Wanderer und wenn, dann waren viele von Ihnen Ausländer. Das hat sich geändert, die Chilenen entdecken die Natur und gehen zu Fuss in die Berge. Zum Klettern, mit Zelt, oder einfach nur auf einen Sonntagnachmittagsspaziergang. Mich freut das!

Solarstrom

Monday, May 17th, 2010

Aus einem Impuls heraus, habe ich mir ein Angebot machen lassen von einer Berliner(!) Firma für eine Solar-Inselanlage. Das beinhaltet die Solarpanele (die kommen auf’s Dach), das Ladegerät, die Batterien (die sind der teuerste und der heikelste Punt der ganzen Sache) und den Wechselrichter, der aus dem Batteriestrom wieder die 220V macht. Hier meine Verbrauchs-Kalkulation (Der Kühlschrank ist der schlimmste Stromfresser!):

Wasserpumpe (1,3kW - 15min/Tag) : 0.325kWh
Kühlschrank (50W): 1.2kWh
Lampen (4 mal 15W, 4 Stunden pro Tag): 0.24kWh
Laptop (80W, 4 Stunden): 0.3kWh
Handyladegerät und anderer Kleinkram (20W, 5 Stunden): 0.1 kWh
Bohrmaschine und Säge (800W, 10min): 0.1Kwh
Zusammen: 2.2kWh/Tag

Das deckt sich ganz gut mit einer anderen Überschlagsrechnung. Meinen Stromanschluss habe ich seit 2 1/2 Jahren (900 Tagen). In dieser Zeit war ich grob gerechnet 1/4 der Zeit anwesend. Der Stromzähler zeigt 420kWh, das macht also knapp 2kWh pro Tag.

Also um es gleich zu sagen, das Angebot liegt bei knapp 6000 Euro (steuerfrei, da Export) und da ist die Fracht nach Chile und der Zoll noch nicht dabei. Das ist doch wesentlich mehr, als ich erwartet hatte! Am meisten schlagen die Batterien zu Buche (2400 Euro und 370kg!). An denen zu sparen macht allerdings wenig Sinn. Ich habe mal nachgelesen, was denn der Unterschied ist zwischen einer Autobatterie und diesen Spezialbatterien.

Wenn ich Autobatterien der gleichen Leistung kaufe, kostet das etwa 30% der Summe. Allerdings ist zu erwarten, dass sie auch nur 20% der Zeitspanne halten. Das Problem ist die Zyklenfestigkeit. Autobatterien sind nicht dafür konstruiert ständig auf die Hälfte bis runter zu 20% ihrer Kapazität entladen zu werden. Für alle Bleibatterien gilt: Je tiefer man sie entlädt, desto kürzer die Lebensdauer. Wenn man immer nur ein bisschen abschöpft, sollten die teuren Batterien auch deutlich über 10 Jahre halten!

Meine Kompromissidee:

Da ich ja einen Stromanschluss habe, kann ich diesen auch die meiste Zeit benutzen. Die Solaranlage muss nur bei Stromausfall einspringen, das passiert nicht so oft. Ausserdem kann sie natürlich am Tag mithelfen den Strombedarf aus dem Netz zu verringern. Das könnte dann auch mit einer Autobatterie gehen. Mal sehen, wie weit ich damit komme!

Herbst

Thursday, May 13th, 2010

Herbst in den Bergen bei Chillán, das ist deftiges Essen…

Holz machen für den kalten Winter…

Frühlingsgefühle?

Bergwandern…

und bunte Bäume!

Mein neuer Arbeitsweg

Thursday, May 13th, 2010

Ich habe es schon angedeutet: Ende Mai gebe ich die Wohnung in Santiago auf und ziehe mich auf’s Land zurück. Allerdings gehe noch nicht völlig in den Ruhestand, ich arbeite weiter am Observatorium, erstmal. Von gestern auf heute habe ich den neuen Reiseweg ausprobiert, denn im Gegensatz zu früher kann ich in Zukunft nicht mehr eine Nacht in der Hauptstadt verbringen, auf dem Weg von Chillán nach Antofagasta.

Und das geht so: Von 9 Uhr abends bis halb eins Nachts lege ich mich für ein paar Stunden auf’s Ohr. Dann fahre ich die 40km nach Chillán (oder mein freundlicher Nachbar fährt mich, er kann dafür das Auto benutzen in meiner Abwesenheit). Der Nachtbus fährt um 1:40 in Chillán ab und ist um 6:45 in Santiago. Die Sitze sind breit und bequem und lassen sich weit zurückstellen, so wie business class. Mit etwas Gewöhnung kann man sogar schlafen.

Am Busterminal wartet schon das Taxi, es bringt mich in 20min zum Flughafen. Der Flieger nach Antogasta startet um 8:30. Um 10:30 bin ich in Antofagasta, dort wartet der Observatoriumsbus und bringt mich zur Arbeit, wo ich gegen eins aufschlage.

Ja, anstrengend ist diese 12-Stunden-Tour schon, deshalb will ich den  Rückweg weiterhin in zwei Etappen zurücklegen und eine Nacht in Santiago im Hotel verbringen. Dann kann ich am folgenden Morgen noch ein paar Erledigungen in der Hauptstadt machen und am Nachmittag den Zug nehmen. Sobald der wieder fährt, feiere ich ein Fest! Nach dem Erdbeben ist die Strecke beschädigt, der Schotter verrutscht, die Oberleitung heruntergefallen. Aber die Bautrupps arbeiten daran, das neoliberale Chile nimmt das Erdebeben glücklicherweise nicht zum Anlass, wieder mal die öffentliche Infrastruktur in Frage zu stellen und die letzte verbliebene Bahnstrecke im Land zu schliessen, weil sie sich angeblich nicht rechnet.

Dieses nicht-rechnen ist so kurz gedacht. Mein Hausbau soll hier als Beispiel dienen: Gäbe es die Bahn nicht, hätte ich niemals das Geld dort investiert, denn zu wöchentlichen Busfahrten oder gar Autofahrten wäre ich nicht bereit gewesen: Der Bus ist auf Dauer doch sehr unbequem und man bekommt zwangsweise Gewaltfilme vorgeführt – Autofahren ist eine noch grössere Zeitverschwendung, man kann nichtmal lesen und die 500km Benzin plus Autobahngebühr gehen zudem ziemlich ins Geld.

Auf der Karte suggeriert die rote Linie möglicherweise, ich würde direkt von Chillán nach Antofagasta fliegen. Das ist leider nicht der Fall, ein Privatjet ist nicht drin.

Angekommen

Sunday, May 9th, 2010

Vor ein paar Tagen habe ich meine chilenische Ausweiskarte abgeholt.