November, 2009

...now browsing by month

 

Richtfest

Friday, November 13th, 2009

Schon mein zweites Richtfest und wieder hissen wir einen Kranz, obwohl es in Chile doch Sitte ist die Nationalfahne an den First zu stecken. Nun habe ich keine, weder die deutsche, noch die chilenische.

Fahnen raushängen ist in Chile nicht so üblich, aber aus ganz anderen Gründen, als man annehmen möchte. Die Nationalfahne wird als so ehrenwert erachtet, dass sie nur zu besonderen Anlässen gehisst wird, bestimmt nicht an einem Mast im Schrebergarten.

Hier die bewährte Crew: Mauricio (der Stift), Eugenio (der Altgeselle), Don Stefan (der Bauherr) und Don Omar (der Maestro). Foto von Don Roberto.

Transantiago

Thursday, November 12th, 2009

Als ich 2005 nach Santiago kam, dröhnte in den Strassen die Micros, kurze gelbe Busse deren Fahrer sich offensichtlich Rennen lieferten, im Kampf um die meisten Passagiere. Die Busse folgten auf Papptafeln im Fenster angeschlagenen Linen und man musste das System schon sehr genau kennen um eine Reise zu planen. Umsteigen kostete jedesmal einen neuen Fahrschein, den der Fahrer mit der rechten Hand die Münzen fummelnd nebenher verkaufte wenn der Bus schon wieder angefahren war.

Mit der Einführung von Transantiago kamen neue Gelenkbusse und eine Chipkarte als Bezahl- und Fahrschein mit der man nun auch umsteigen kann, zwischen Metro und Bussen, bis zu dreimal und innerhalb von 120 Minuten. Das System ist ziemlich simpel, so kann man, wenn die Erledigung schnell vonstatten geht, für die 460 Pesos (60 cent) auch wieder zurückfahren. Die Metro ist nun viel voller, denn wer sich die doppelte Ausgabe für einen Metro und Busfahrschein nicht leisten konnte, war früher darauf angewiesen einen Bus zu finden, der zufällig in etwa den Arbeitsweg langfuhr, auch wenn das quer durch ganz Santiago ging und Stunden dauerte.

Was im System der gelbem Micros besser funktionierte, war die Einhaltung eines ungefähren Taktes jeder Linie. Die wenigsten Busse hatten Funk und so hatte sich ein System der “Sapos” entwickelt. Sapos (Kröten) waren Informanten, die mit Klemmbrettern auf der Strasse standen, mitten zwischen den Bussen, die wie fette Wespen an einem Wasserloch, die zentralen Haltestellen in drei Reihen ansteuerten und wieder verliessen. Im Vorbeifahren gaben die Sapos den Fahrern Informationen über den Abstand zum vorigen Bus, so dass dieser seine Fahrweise ein wenig anpassen konnte (oder kräftig Gas geben um den Vordermann zu überholen und die Passagiere abzusammeln). Im Gegegenzug erhielten die Sapos ein paar Münzen vom Fahrer.

Transantiago bezahlt heute die Busfahrer nach Tarif und im Grunde hat nun derjenige Busfahrer den angenehmsten Tag, der es vermeidet, seinen Buss allzusehr zu füllen. In der Praxis wartet man ziemlich lange, bis zu 20 Minuten, dann kommt ein komplett überfüllter Bus und anschliessend drei fast leere. Zumindest mir geht es oft so auf der Linie 405 nach Vitacura. Diese Linie leidet auch daran, dass sie sich morgens und Abends durch völlig verstopfte Avenidas und den berüchtigten Kreisverkehr ‘Perez Zucovic’ quälen muss.

Transantiago hat in einer internationalen Auschreibung die Berliner Firma IVU ausgewählt um mit Hilfe modernster Technologie die Sapos zu ersetzen und ausserdem noch ein Informationssystem für die Passagiere zu installieren. sd&m Kollegen, die diesem Blog folgen, werden vielleicht den Namen des Vorstandsvorsitzenden von IVU noch kennen. Man begegnet sich immer zweimal im Leben.

Nachtrag: Einmal begegnen hat offenbar gereicht, und es ist doch nur ein dummer Spruch.