May, 2006

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Castañas de Chillán

Friday, May 19th, 2006

Zusammen mit allen Chilenen, die auch da einkaufen, laufe ich rasch die Avenida Providencia hinauf. Zumindest bleibe ich jedoch an den Kreuzungen stehen und gehe nur bei grün weiter oder wenn wahrhaftig kein Auto zu sehen ist. Nicht weil ich so deutsch wäre, mehr, weil es mir unsinnig vorkommt, wie die anderen Passanten blindlings auf die Straße zu stürzen und mich dann vor heranbrausenden Wagen auf den gegenüberliegenden Bordstein zu retten. So eilig haben wir es ja eigentlich alle nicht und im Grunde genommen ist es mir unverständlich, warum es den Chilenen, die sich sonst durchaus nicht hetzen lassen, in den Geschäftsvierteln auf jede Sekunde ankommt.
Im Vorbeilaufen ist mein Blick auf die Auslage eines Kiosks gefallen. Zwischen den Zeitschriften steht da auch eine Kiste mit dicken, braunen Eßkastanien. Vermutlich hat der Kioskbesitzer Freunde im Süden und verkauft nebenbei ein bisschen Saisonware vom Land. Ich stelle mich in Kaufpose vor die Kiste. Der Verkäufer hat es nicht eilig, er muss erst noch Schokolade einsortieren und dann umständlich das Preisschild befestigen. Ich merke, wie neben mir ein anderer Kunde Aufstellung nimmt. Gerade als der Mann das Schild endlich dran hat und ich meine Bestellung machen will (ein halbes Kilo Kastanien) tönt neben mir eine Stimme “zwei Kilo Kastanien”. Aber ich war zuerst! Fest fasse ich den Verkäufer ins Auge, lasse ihn nicht vorbei und fordere mein halbes Kilo. Ordnung muss sein. Ich gewinne, er wiegt 500g ab. Und dann schaue ich mir mal den Typ neben mir an. Den kenne ich, stelle ich fest. Es ist mein Kollege Roberto aus Paranal. Wir begrüßen uns herzlich und haben es plötzlich überhaupt nicht mehr eilig. Ich erfahre, dass man die Kastanien am besten mit einem Eßlöffel Zucker im Kochwasser zubereitet.

Nach dem Regen

Tuesday, May 16th, 2006

Heute vormittag ist der Himmel endlich wieder blau statt gelblich grau. In der Nacht war ich aufgewacht und hörte ein ungewohntes Rauschen. Regen! Der erste seit dem Frühjahr. Wir können etwas aufatmen.

Santiago wartet auf den Winterregen

Friday, May 12th, 2006

Eigentlich hätte es längst regnen müssen. Im Mai bewölkt sich der Himmel und kräftige Schauer waschen die Luft und den Dreck von den Bäumen. In Santiago herrscht jedoch Indianersommer oder Altweibersommer. Am Tag in der Sonne geht es gegen 30 Grad, während die Nacht auf weniger als 10 Grad abkühlt. Aber keiner kann das Wetter genießen. Die alten Weiber husten und die Indianer hätten sich so etwas nicht träumen lassen. Smog liegt über der Stadt. Richtig fieser Smog, so diesig, dass ich die nahen Berge schon seit gestern nicht mehr sehe durch die graue Luft. Heute früh erkenne ich gerade noch die Marienstatue auf dem nur 3 km entfernten Hügel Cerro San Cristobal. Ich wache mit leichten Kopfschmerzen auf und das liegt nicht an den zwei Gläschen Wein oder Pisco Sour die ich am Abend getrunken habe. Tagsüber vermeide ich jede Anstrengung, bewege mich langsam um nicht zuviel atmen zu müssen. Jetzt wäre genau die Zeit um aus dem Smogkessel zu fliehen und meine Reise wäre auf das vernünftigste gerechtfertigt. Aber ausgerechnet diese und nächste Woche nutze ich meinen Urlaub um Sprachkurs zu machen.
Die Schule liegt fünf Metrostationen von meiner Wohnung entfernt. In der Fortgeschrittenen-Klasse ist außer mit nur Diane, ein Mädchen aus Kalifornien, die zwar die Grammatik gut drauf hat, aber wenig spricht. Im Unterricht bewegen wir uns in den zwei Wochen nochmal durch die ganze Verben-Grammatik mit vielen gemischten Übungen und reichlich Konversation. Ich bin zufrieden und weil ich in dieser Zeit sogar ausser der Schule fast jeden Tag mit Chilenen ausgehe, bin ich nun richtig drin im Spanischen.