USA

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Bei Carl in der Sauna

Wednesday, May 10th, 2017

Rose und ich sind über’s Wochenende gemeinsam verreist. Über airbnb haben wir ein Zimmer gebucht in Kingston — nicht in Jamaica sondern im Staat New York, gute zwei Autostunden nördlich der Stadt. Als wir ankommen stellt Carl uns erstmal die zwei Katzen vor die eine ist “taub und ein bisschen verrückt”, die andere ist hübsch fahlgelb und verschwindet gleich wieder, ich habe sie das ganze Wochenende nicht mehr gesichtet. Carl kann etwas Deutsch, so bin ich überhaupt auf dieses Haus gestoßen, denn es sollte ein deutschsprachiges Wochenende werden. Der Plan war Rose zu aktivem deutsch zu ermuntern. Sie spricht immer nur englisch mit mir, obwohl sie sehr gut deutsch versteht.

 

Ich bin ein großer Fan von airbn, gerade weil man mit Leuten zu tun bekommt, die man sonst nie treffen würde. Im Hotel zu übernachten kommt nur im Notfall infrage, es ist viel zu langweilig. Bei Carl kann man die Sauna benutzen, der er quasi magischen Kräfte zuschreibt. Die Infrarotstrahlung soll vor Krebs schützen. Ich gebe zu, daß das elektrische Prinzip sehr praktisch ist, die kleine Saunakiste paßt in einen Raum von der Grösse einer Abstellkammer und heizt sich schnell auf. Meine selbstentworfene Sauna mit Holzofen in Chile muß man 1-2 Stunden vorheizen und immer wieder Scheite nachlegen.

Carl hat mehrere Bücher über Umweltfragen und sozial verantwortungsvolles Unternehmertum geschrieben. Viel haben wir uns nicht unterhalten, denn Rose verlangte auch ihr Recht und das sah den Besuch des Feuerwehrmuseums und eines winzigen Zoos vor, in dem es radschlagende Pfauen, Alpakas und eine Kuh zu sehen gab.

Warum die Amerikaner soviele Kinder bekommen

Wednesday, December 10th, 2014

Die überschrift ist pure übertreibung, die Geburtenrate in den USA schiesst ja mit 1.9 auch nicht gerade in den Himmel. Eigentlich wundert das ein bisschen, die religiösen Radikalen aller Richtungen fallen ja nicht nur durch ihre laute Rhetorik auf, sondern auch durch ihre Minivans voller Frauen und Kinder.

Neben den fruchtbaren Bibellesern fällt mir noch eine andere Erklärung dafür ein, warum es hierzulande mehr Kinder gibt als in Deutschland. Die Reaktionen auf ein Baby sind geradezu frenetisch positiv. Je kleiner das Kind, desto grösser die Entzückung bei Verkäufern, Passanten, Rezeptionisten etc. Welches junge Paar wollte da nicht mittun und Anerkennung für den Nachwuchs einheimsen? Freundliche Worte sind in New York sonst auch nicht einfach zu kriegen. Aber je älter das Kind wird, desto weniger interessiert’s die Leute.

Mir fiel dieser gewaltige kulturelle Unterschied zum ersten Mal so richtig auf, als wir für Rosa im Deutschen Konsulat einen Pass beantragten. Niemand vom (deutschen) Personal nahm überhaupt Notiz von unserem unglaublich niedlichen und braven Mädchen. Glücklicherweise anwesendes amerikanisches Publikum war jedoch verlässlich entzückt von ihr.

Berge von Schnee

Friday, February 21st, 2014

Zum ersten mal sind meine hohen Erwartungen an einen New Yorker Winter erfüllt. Alle paar Tage schneit es kräftig. In den Nachrichten nennen sie das dann immer “Blizzard”, aber davon kann keine Rede sein. Ein Blizzard, das wäre ein rechter Wintersturm mit anschliessendem Ausfall von Elektrizität und (noch schlimmer) Internet. Alles, was bisher passierte, waren verspätete Vorortzüge. Und jeder weiss, dass daran weniger der Winter Schuld hat, als die unorganisierte Eisenbahngesellschaft.

Meinen Kollegen, also vor allem die aus den Vororten, die mit der Long Island Railroad oder New Jersey Transit anreisen, steht der Sinn nicht mehr nach Winter. Matt beklagt sich: Das bringt meine ganze Routine durcheinander! (Dabei ist der Mann ist noch keine dreissig). Und Chris erhofft sich Hilfe von den Chinesen. Weil die nämlich angeblich das Wetter verändern wollen und es nach Belieben regnen und schneien lassen, hofft er auf weniger Schnee in New Jersey mit Hilfe fernöstlicher Technologie. Dabei wäre sein eigentliches Problem, die verspäteten Züge, technologisch und organisatorische ohne weiteres zu lösen. Es ist wohl typisch für amerikanische Informatiker, dass sie alltägliche Probleme nicht direkt angehen und sich etwa bei der Eisenbahn beschweren oder in der Kommune politisch für besseren Nahverkehr kämpfen. Stattdessen schreiben sie lieber ein Programm, mit dem man Taxis bestellen kann oder das Essen ins Haus geliefert bekommt (oder hoffen gleich auf die Chinesen).

Andererseits, mal von zuhause arbeiten ist auch ganz nett. Es freut die Gattin und den Hund.

Wenn die Sonne rauskommt, sieht alles ganz blitzeblank aus.

Aber wehe, wenn es schmilzt. Der erfahrene New Yorker trägt jetzt Gummistiefel und watet durch Pfützen und durch den Müll, der unter dem tauenden Schnee zutage kommt.

Schuldgefühle im Zoo

Sunday, February 2nd, 2014

Wir waren heute im Zoo, in der Bronx. Es ist der grösste Zoo in New York aber eine grosse Stadt macht noch keinen grossartigen Zoo. Wegen des Winters waren die meisten Tiere in ihren Häusern und die sind nicht zugänglich für’s Publikum. Was wir also nicht sahen, waren die Löwen, Zebras und allerhand Antilopen. Immerhin, das Giraffenhaus hatte geöffnet.

Ein Leopard ohne Angst.

Von den Gorillas sah ich nur einen breiten, silbergrauen Rücken. Viele Gehege sind derart artegerecht gestaltet, dass man es als Besucher schwer hat, etwas zu erspähen. Als Kind ging ich oft die Einzelzellen des Affenhauses im Heidelberger Zoo ab, mit ihren drei gekachelten Wänden und der offenen, vergitterten Seite dem Publikum zugewandt. Wohlgefühlt haben sich die Tiere auf ihren Edelstahlpritschen bestimmt nicht, aber wenn die Hyänen heute irgendwo weit hinten im Gehege unter Büschen und künstlichen Felsen 18 Stunden am Tag ihre artgerechte Siesta halten, ist der Untehaltungsauftrag eines Zoos auch verfehlt. Ich habe den Zoo alten Stils mal hier mal mit unserem Hund in der Küche nachgestellt. Lucy war nach etwas Speck und guten Worten zur freiwilligen Mitarbeit bereit. No animal was harmed!

Die Heidelberger Affen werden mir fünfjährigem Knirps verziehen haben. Der viel grösseren Schuld entgehe ich heute nicht. Auf den Schildern an den Gehegen war damals auch immer das Verbreitungsgebiet in einer Karte schematisch aufgezeichnet. Heute, bald bald vierzig Jahre später, steht auf den Schildern: “Ehemaliges Verbreitungsgebiet” (rot schraffiert). Und ein stark geschrumpfter roter Fleck innerhalb der Schraffur: “stark gefährdete Restbestände”.

Der Zoobesuch geriet zum Alptraum. Kein Gehege, kein Tierhaus in dem nicht die Wände voll waren mit Schautafeln die den Verlust des Regenwaldes zeigten, das schrumpfende Gorillahabitat, die wenigen noch verbleibenden Nistpaare der Kronenkraniche. Mitten in New York waren wir quasi zwischen den rauchenden Stümpfen des brandgerodeten Regenwalds. Mich deprimierte das masslos. Der Besuch im Bronx Zoo war etwa so freudlos wie ein Rundgang im Holocaust Museum.

Denn was kann ich denn tun, ausser mich schlecht zu fühlen? Die gut gemeinten Ratschläge gingen nicht über das übliche hinaus: Immer schön recyclen, nur Produkte aus nachhaltigem Anbau verwenden und die einschlägigen Hilfsorganisationen unterstützen.

Nachhaltiger Anbau, wer’s glaubt wird selig. Ich kann hier um die Ecke im Home Depot Holzleisten kaufen mit dem Aufkleber “sustainably harvested in Chile”. Nun weiss ich aber genau, wie diese Kieferplantagen entstanden sind, die sich sustainable, nachhaltig, nennen dürfen. Wo heute Kiefen wachsen, stand vor vierzig Jahren auch ein Urwald, ein subtropischer Hartlaubwald, ein einzigartiges Habitat.

Nur eine Tafel fand ich im ganzen Zoo, die sich dem Hauptgrund des Disasters widmet. Ein Ticker, der die Anzahl der Menschen auf der Erde hochzählt. 7 Millarden heute, bei meinen Zoobesuchen als Knirps in Heidelberg war es noch gut die Hälfte, etwas über 4 Milliarden.

Die Maleos übrigens, diese Vögel auf dem Poster oben, die sind wirklich die schlauesten: Sie graben ihre Eier zum Brüten in die warme Erde eines Vulkans ein. Das war’s, der elterlichen Pflichten sind genüge getan. Das Küken schlüpft alleine und kann auch gleich fliegen. Das sind die faszinierenden Neuigkeiten, die ich in einem Zoo gerne lernen möchte. Die Frage danach, wie den Maleos heute geholfen werden kann (wenn ich das denn will) muss ich wohl selber stellen und die Antwort darauf auch selber herausfinden. Palmöl von nachhaltigen Plantagen wird den Vogel gewiss nicht retten.

White Mountains Winter Wonderland

Wednesday, January 22nd, 2014

Sechs Stunden Fahrt sind es von New York bis zu den White Mountains im nördlichen New Hampshire. Mount Washington ist der höchste Gipfel, mit 1917 Metern. Wir sind diesmal nicht auf den verschneiten Gipfel gewandert, sondern haben uns mit moderaten Touren begnügt. Nach der Ankunft am Parkplatz ging es zu Fuss zum Lonesome Lake und der dort gelegenen bewirtschafteten Hütte des Appalachian Mountain Club. Als wir über den zugefrorenen See zur Hütte liefen, wurde es schon dunkel. Es war kalt, der Körper war noch nicht im Outdoor-Modus sondern noch an klimatisierte Büros und die gut geheizte Wohnung angepasst.

Nur der Aufenthaltsraum war geheizt. Die Schlafräume befanden sich nicht einmal im selben Haus, sondern waren in Nebenhütten verteilt. Glücklicherweise waren unsere Schlafsäcke warm genug. Für L. hatte ich sogar noch die heimische Daunendecke mit in den Rucksack gestopft!

Am zweiten Tag trafen wir uns mit einem Freund von der Arbeit, der hatte tatsächlich am Vortag mit Steigeisen und Eispickel Mount Washington bestiegen.

Schnee und Eis gab es reichlich auch um die Hütte herum und auf Mount Cannon (immerhin 1250m). Ich lernte die Vorteile von Spikes zu schätzen, die man sich unter die Schuhe schnallen kann und ohne die hier kein Amerikaner herumläuft.

Auf dem Rückweg im Auto befiel mich ein plötzliches Verlangen nach einem Hummerbrötchen. Dank Smartphones und mobilem Internet war rasch der nächste Hummerschuppen nahe der Autobahn gefunden, danke Google!

 

Wir tun überall Smarties® rein

Saturday, July 20th, 2013

aus dem New Yorker