Natur

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Insekten

Tuesday, August 7th, 2018

Eine der ökologischen Hiobsbotschaften der letzten Jahre ist die vom Verschwinden der Insekten. Schätzungen zufolge soll die Biomasse der fliegenden Insekten in den letzten 30 Jahren um 70-80% abgenommen haben. Ich bin nun in dem Alter in dem ich bewusst auf einige Jahrzente Erinnerungen zurückgreifen kann (aber kein bisschen weise davon). Jedenfalls kann mich noch gut entsinnen, dass wir als Kinder immer durch die dichte Hainbuchenhecke geklettert sind, die unseren Garten einfriedet. In der Hecke hatten immer mindestens drei dicke Kreuzspinnen ihre Netze gespannt, vor denen waren wir auf der Hut, wenn wir uns durch die Zweige nach draussen drängten. In den letzten Jahren, wenn ich zu Besuch war, gab es keine Spinnennetze mehr. Mit den Insekten verschwinden die Vögel. Auch hier erinnere ich mich an laute Konzerte ab vier, fünf Uhr Morgens. Im letzten Sommer in Weinheim vernahm ich nur vereinzelte Stimmen.

Ein weiterer, ziemlich überzeugender Indikator für das Verschwinden der fliegenden Insekten ist, dass Autofahrer nach sommerlichen Fahrten kaum noch die Windschutzscheibe von toten Insekten reinigen müssen. Ich erinnere mich auch hier, dass die Insektenschmiere auf der Windschutzscheibe eine ziemliche Schweinerei war und man besonders nach Nachtfahrten an der Tankstelle zum Scheibenreiniger greifen und ganz schön rubbeln musste. Aber vielleicht sind moderne Autos einfach windschnittiger, so dass die Motten und Falter elegant im Luftstrom um das Auto gezogen werden ohne aufzuprallen?

Leider ist das keine zutreffende Erklärung. Unser aerodynamischer Golf Kombi (Baujahr 2013) hat auf der Kontinentdurchquerung in der Prärie ziemlich viele Insekten aufgesammelt. Das lässt den erfreulichen Schluss zu, dass in den Hochebenen von North Dakota und Montana die Welt noch in Ordnung ist. Hier betreibt man extensive Weidewirtschaft. Auf der Durchfahrt sieht man einzelnes Rindvieh verloren in den braunen Hügeln stehen. Die wenigen Ranches besitzen riesige Ländereien auf denen die Kühe frei umherziehen und weiden. Überall blühen Blumen. Schmetterlinge gaukeln durch die Luft, oft in Pärchen. Wenn sie dann gemeinsam am Kühlergrill zerschellen hat das etwas tröstliches, wenigstens bleibt kein trauernder Partner zurück.

 

 

 

Die Ironie dabei ist, dass genau in dieser Gegend eifrig Bergbau und Fracking zur Öl- und Gasgewinnung betrieben wird. Also alles vergiftet mit Chemikalien? So einfach ist es offenbar nicht. Ich fürchte, die mit Unkrautvernichtungsmitteln sauber gespritzen Felder und die bis auf den letzten Quadratmeter vom Menschen gestaltete Stadt- und Agrarlandschaft ist für die Artenvielfalt viel tödlicher als gelegentliche giftige Schlammlachen aber mit viel Platz drumherum.

Der Deutschlandfunk hatte passenderweise eine Sendung zum Thema im Programm (hier ein Link zum Transskript.).

Lucy’s Vorahnung

Sunday, July 27th, 2014

Heute war wieder Wandertag. Lucy (der Hund) und ich verliessen früh die Wohnung und bestiegen den Wagen. Aber was war das. Lucy sah gar nicht glücklich aus, den Schwanz hatte sie ängstlich zwischen die Beine geklemmt. Wie konnte das sein? Sie ist sonst immer Feuer und Flamme für einen Wanderausflug im Wagen. Sie hatte wohl eine Vorahnung, was da kommen würde. Zuerst schien alles in Ordnung nur dass es ziemlich schwül war und die Mücken uns im Wald fast auffraßen. Nach knapp zwei Stunden zwischen Bäumen und Heidelbeerbüschen gelangten wir an einen See. Und hier die nächste überraschung. Der sonst so wasserscheue Hund schwimmt mir nach, freundlich angeleitet von meinem Wanderkameraden Chris. Hier der Beweis:

Hatte sie etwa Angst um mich? Wollte Lucy mich vor dem Rachen eines See-Ungeheuers schützen? Wie dem auch sein, es gelang ihr für diesmal und wir erreichten beide das Ufer.

Der Pfad führte uns nun in einer Schleife zurück Richtung Wagen. An der Spitze Chris, dann Lucy und ich als Schlusslicht. Meine Gedanken schweiften wie die Mücken im Wald, auf den Weg achtete ich nicht sehr. Bis plötzlich da vor mir auf dem Pfad zwischen Steinen und Blättern sich etwas bewegte, eine runde Struktur löste sich auf. Zwei Sekunden lang begriff ich nicht was geschah. Dann endlich war mein Gehirn in der Lage das Geflirre von Mustern, Schemen und Schuppen aufzulösen und ich erkannte die Schlange. In dem Moment als ich das Wort laut ausrief und hastig zurücksprang, rasselte das Tier mit den trockenen Schuppen am Schwanzende. Beinahe wäre ich auf eine ausgewachsene Klapperschlange getreten.

Glücklicherweise war das fast zwei Meter lange Tier gutmütig und schlängelte sich ein paar Meter weiter ins Unterholz um sich dort wieder zu einem runden Kissen zusammenzurollen. Den Kopf legte die Schlange obenauf und züngelte in unsere Richtung. Ich muss gestehen, ich traute mich nicht nahe genug heran für ein Handy-Foto. Die fotografische Trophäe muss ich schuldig bleiben.

 

Schuldgefühle im Zoo

Sunday, February 2nd, 2014

Wir waren heute im Zoo, in der Bronx. Es ist der grösste Zoo in New York aber eine grosse Stadt macht noch keinen grossartigen Zoo. Wegen des Winters waren die meisten Tiere in ihren Häusern und die sind nicht zugänglich für’s Publikum. Was wir also nicht sahen, waren die Löwen, Zebras und allerhand Antilopen. Immerhin, das Giraffenhaus hatte geöffnet.

Ein Leopard ohne Angst.

Von den Gorillas sah ich nur einen breiten, silbergrauen Rücken. Viele Gehege sind derart artegerecht gestaltet, dass man es als Besucher schwer hat, etwas zu erspähen. Als Kind ging ich oft die Einzelzellen des Affenhauses im Heidelberger Zoo ab, mit ihren drei gekachelten Wänden und der offenen, vergitterten Seite dem Publikum zugewandt. Wohlgefühlt haben sich die Tiere auf ihren Edelstahlpritschen bestimmt nicht, aber wenn die Hyänen heute irgendwo weit hinten im Gehege unter Büschen und künstlichen Felsen 18 Stunden am Tag ihre artgerechte Siesta halten, ist der Untehaltungsauftrag eines Zoos auch verfehlt. Ich habe den Zoo alten Stils mal hier mal mit unserem Hund in der Küche nachgestellt. Lucy war nach etwas Speck und guten Worten zur freiwilligen Mitarbeit bereit. No animal was harmed!

Die Heidelberger Affen werden mir fünfjährigem Knirps verziehen haben. Der viel grösseren Schuld entgehe ich heute nicht. Auf den Schildern an den Gehegen war damals auch immer das Verbreitungsgebiet in einer Karte schematisch aufgezeichnet. Heute, bald bald vierzig Jahre später, steht auf den Schildern: “Ehemaliges Verbreitungsgebiet” (rot schraffiert). Und ein stark geschrumpfter roter Fleck innerhalb der Schraffur: “stark gefährdete Restbestände”.

Der Zoobesuch geriet zum Alptraum. Kein Gehege, kein Tierhaus in dem nicht die Wände voll waren mit Schautafeln die den Verlust des Regenwaldes zeigten, das schrumpfende Gorillahabitat, die wenigen noch verbleibenden Nistpaare der Kronenkraniche. Mitten in New York waren wir quasi zwischen den rauchenden Stümpfen des brandgerodeten Regenwalds. Mich deprimierte das masslos. Der Besuch im Bronx Zoo war etwa so freudlos wie ein Rundgang im Holocaust Museum.

Denn was kann ich denn tun, ausser mich schlecht zu fühlen? Die gut gemeinten Ratschläge gingen nicht über das übliche hinaus: Immer schön recyclen, nur Produkte aus nachhaltigem Anbau verwenden und die einschlägigen Hilfsorganisationen unterstützen.

Nachhaltiger Anbau, wer’s glaubt wird selig. Ich kann hier um die Ecke im Home Depot Holzleisten kaufen mit dem Aufkleber “sustainably harvested in Chile”. Nun weiss ich aber genau, wie diese Kieferplantagen entstanden sind, die sich sustainable, nachhaltig, nennen dürfen. Wo heute Kiefen wachsen, stand vor vierzig Jahren auch ein Urwald, ein subtropischer Hartlaubwald, ein einzigartiges Habitat.

Nur eine Tafel fand ich im ganzen Zoo, die sich dem Hauptgrund des Disasters widmet. Ein Ticker, der die Anzahl der Menschen auf der Erde hochzählt. 7 Millarden heute, bei meinen Zoobesuchen als Knirps in Heidelberg war es noch gut die Hälfte, etwas über 4 Milliarden.

Die Maleos übrigens, diese Vögel auf dem Poster oben, die sind wirklich die schlauesten: Sie graben ihre Eier zum Brüten in die warme Erde eines Vulkans ein. Das war’s, der elterlichen Pflichten sind genüge getan. Das Küken schlüpft alleine und kann auch gleich fliegen. Das sind die faszinierenden Neuigkeiten, die ich in einem Zoo gerne lernen möchte. Die Frage danach, wie den Maleos heute geholfen werden kann (wenn ich das denn will) muss ich wohl selber stellen und die Antwort darauf auch selber herausfinden. Palmöl von nachhaltigen Plantagen wird den Vogel gewiss nicht retten.

White Mountains Winter Wonderland

Wednesday, January 22nd, 2014

Sechs Stunden Fahrt sind es von New York bis zu den White Mountains im nördlichen New Hampshire. Mount Washington ist der höchste Gipfel, mit 1917 Metern. Wir sind diesmal nicht auf den verschneiten Gipfel gewandert, sondern haben uns mit moderaten Touren begnügt. Nach der Ankunft am Parkplatz ging es zu Fuss zum Lonesome Lake und der dort gelegenen bewirtschafteten Hütte des Appalachian Mountain Club. Als wir über den zugefrorenen See zur Hütte liefen, wurde es schon dunkel. Es war kalt, der Körper war noch nicht im Outdoor-Modus sondern noch an klimatisierte Büros und die gut geheizte Wohnung angepasst.

Nur der Aufenthaltsraum war geheizt. Die Schlafräume befanden sich nicht einmal im selben Haus, sondern waren in Nebenhütten verteilt. Glücklicherweise waren unsere Schlafsäcke warm genug. Für L. hatte ich sogar noch die heimische Daunendecke mit in den Rucksack gestopft!

Am zweiten Tag trafen wir uns mit einem Freund von der Arbeit, der hatte tatsächlich am Vortag mit Steigeisen und Eispickel Mount Washington bestiegen.

Schnee und Eis gab es reichlich auch um die Hütte herum und auf Mount Cannon (immerhin 1250m). Ich lernte die Vorteile von Spikes zu schätzen, die man sich unter die Schuhe schnallen kann und ohne die hier kein Amerikaner herumläuft.

Auf dem Rückweg im Auto befiel mich ein plötzliches Verlangen nach einem Hummerbrötchen. Dank Smartphones und mobilem Internet war rasch der nächste Hummerschuppen nahe der Autobahn gefunden, danke Google!

 

Beer Mountain

Monday, October 7th, 2013

Eigentlich Bear Mountain. Aber heute war Oktoberfest. Trotz Nieselregens waren jede Menge Leute da und genossen den Anlass. Oktoberfeste und deutsches Bier sind sehr angesagt. Deutsch-Amerikaner, Polnisch-Amerikaner, Chinesisch-Amerikaner, Chilenisch-Amerikaner und auch ein paar weisse Amerikaner, alle waren da. Und liefen die Volksmassen mit Masskrügen in der Hand um den kleinen See.  Biertrinken in der öffentlichkeit, in einem staatlichen Park gar, das hatte ich so noch nie gesehen, in Amiland. Vielleicht war die Sittenpolizei vom Governement-Shutdown zurückgehalten.

 

Magisches Zikadenkonzert

Sunday, June 9th, 2013

Es war ein Konzert mit Siebzehn-Jahres-Weltpremiere und wir waren eingeladen. Upstate New York lebt eine Zikade, deren Entwicklungszyklus ganze 17 (siebzehn) Jahre als wurzelknabbernder Engerlin umfasst und dann kommt sie aus der Erde und singt für drei Wochen in den Bäumen, pflanzt sich fort und stirbt. Wir waren auf dem Weg zum Storm-King Skulpturenpark, das ist ja schon an sich ein verwunschener Ort, ein weiter Park mit merkwürdigen Gebilden aus Eisen und Stein und dann dieser Name “Sturmkönig”. Da passten die Zikaden wunderbar hinein. Ich dachte zuerst, wieder so ein Autoalarm. Aber das fistelnde Heulen hörte gar nicht mehr auf, auf dem Weg zum Sturmkönig. Wir hatten die Wagengfenster offen und fuhren durch die grünen Vororte und immer dieser ausserirdische heulende Singsang in der Luft. Wie ein landendes Ufo. Oder eben eine Alarmsirene, aber eine im Falsett, oder mit Stimmbruch. Wenn wir an Baumgruppen vorbeifuhren, schwoll der Lärm manchmal an und klang dann wie gewohntes Zikadengekreisch an einem Sommerabend auf einem kiefernbestandenen Campingplatz hinter den Dünen von Bordeaux.

Im Park flogen, sangen und krabbelten sie zu abertausenden. Im Boden sah man die Löcher, aus denen die Larven sich herausgearbeitet hatten und die Chitinhüllen der Puppen, die sie schliesslich als geflügelte Zikade verlassen hatten. Eine neben dar anderen, stellenweise mehr als hundert auf einem Quadratmeter. Die Bäume müssen ganz schön gelitten haben, an der Wurzelknabberei.

Die Mauer hilft nicht gegen Zikaden (Storm King Wall von Andy Goldsworthy)

In Chile sind die Zikaden auch heimisch und letzten Sommer habe ich eine beim Eierlegen auf einem Apfelbaum erwischt. Es gibt viele Arten, nicht alle haben diesen extrem langen Zyklus. Andere Zikadenarten kommen alle 13 Jahre, oder alle vier und viele (kleinere) sogar in jedem Jahr. Die Zikade legt ihre Eier nicht in den Boden, sondern bohrt ein Loch in ein Zweiglein und legt die Eier unter die Rinde (das hatte ich in Chile beobachtet). Die Nymphen schlüpfen und lassen sich auf den Boden plumpsen, wo sie sich eingraben für die kommenden Jahre.

 

 

Snowshoe police

Monday, March 18th, 2013

Am Wochenende habe ich meine erste echte Wandertour in den USA gemacht. Mit einem Arbeitskollegen zusammen sind wir auf den höchsten Berg im Staat New York gestiegen, Mount Marcy, 5343 Fuss hoch. Also etwa 1600 Meter, immerhin höher als der Feldberg im Schwarzwald. Viel höher geht es an der Ostküste leider nicht und besonders spektakulär sind diese runden Hügelkuppen auch nicht. Es hatte frisch geschneit, auf unserer Anfahrt mussten wir sogar 1/2 Stunde Pause einlegen, ein plötzlicher, heftiger Schneeschauer warf in zehn Minuten 5cm Schnee auf die Fahrbahn und der sommerbereift Wagen schaffte gerade noch die Autobahnausfahrt wo wir dann standen bis die Räumfahrzeuge die Spur wieder freigemacht hatten. Das ging allerdings schnell, die waren auf Zack.

Nach einer Nacht im Hostel langten wir am nächsten Morgen dick vermummt am Beginn des Aufstiegs an. Ich ass einen Müsliriegel zur Stärkung und eine kleine Meise flog mir auf die Hand und pickte ein Stück davon ab. In diesem Moment schlitterte ein Skifahrer aus dem Wald, Tourenski an den Füssen und recht versiert. Er begann eine Konversation und nach einigen Floskeln über den schönen Tag, kam er gleich zum Punkt: “Es ist jetzt ein guter Zeitpunkt Eure Schneeschuhe anzuziehen”, sagte er. Ich sah ihn entgeistert an. Einmal wegen des ungebetenen Ratschlags, aber noch mehr, weil ich schlichtweg nicht verstand: Es lag Schnee, das wohl, aber nur etwa 10cm und auf dem Weg war alles festgetreten, ich hatte keinen Schimmer, wozu ich jetzt Schneeschuhe bräuchte. Wir hatten selbstredend welche dabei, die waren hinten auf den Rucksack geschnallt. So musterte ich ihn mit einem ungläubig-abschätzigem Blick der ihn zum Schweigen bringen sollte, aber das Gegenteil bewirkte. Jetzt legte er richtig los: “It’s the law” drohte er, wenn mich der Ranger erwischte, müsse ich Strafe zahlen. Und dann klagte er lang und breit über die Wanderer in Stiefeln, die tiefe Löcher in den Schnee treten würden, in denen er sich dann mit den Ski verfing. Ich begann langsam zu verstehen worum es wirklich ging. Er wollte den Wanderweg als seine Piste benutzen. Wohlgemerkt, ich rede nicht von Loipen für Langläufer. Das ware kein Wanderweg im Hügelland, wir standen am Beginn eines zwei Stunden langen, stellenweise steilen Aufstiegs. Diese Tourenskier sind was ganz anderes, sie sind stabil und wendig wie Abfahrtski aber haben eine Bindung, die auch das Bergauf-gehen erlaubt. Der Spass beginnt dann bei der Abfahrt, aber nur für die Skifahrer. Für die Wanderer ist es keine Freude, denn man muss verdammt schnell seitlich in den Wald hüpfen um den Jungs auszuweichen. Wir haben etwas höher am Berg, wo tatsächlich mehr Schnee lag, pflichtschuldigst unsere Schneeschuhe getragen. Beim Abstieg wurden wir dann nochmal dumm angemacht. Mir hat die Schneeschuh-Polizei den Tag ziemlich verleidet.

Es handelt sich wohl um einen historischen Konflikt zwischen Wanderen und Tourenskigehern, in den wir da unwissend hineingezogen wurden. So etwa, wie zwischen Wanderen und Mountainbikern, die mit recht unterschiedlichen Geschwindigkeiten auf schmalen Wegen zwischen Bäumen unterwegs sind. Die Fronten sind verhärtet und die beste Lösung wäre wohl, den Skifahrern und Wanderern unterschiedliche Wege zu schaffen.

Stattdessen gibt es einen Kompromiss und in diesem Naturpark ist an allen Infotafeln angeschlagen, dass ab 20cm Schnee Ski oder Schneeschuhe Pflicht sind. Sagt man nicht den Deutschen nach, sie würden noch das kleinste Detail regeln, überall Verbotstafeln aufstellen und ihre Mitmenschen massregeln wenn immer sich die Gelegenheit ergibt? Ich wage zu sagen: Die Amis können das noch besser. L. wirft ein, das sei nur an der Ostküste so. Hoffen wir mal, dass sie Recht hat und weiter westlich die Freiheit zuhause ist.

Sturmfrei

Sunday, October 28th, 2012

Hurrikan Sandy nähert sich der Stadt und der Bürgermeister hat uns alle aufgerufen, zuhause zu bleiben. Während ich diesen Blogartikel schreibe, am frühen Sonntagabend, wird die U-Bahn dichtgemacht und es fahren keine Busse mehr. Da praktisch alle New Yorker mit der U-Bahn zur Arbeit kommen (ausser den Wallstreet-Haien, die fliegen Hubschrauber) heisst das wohl, ganz New York hat zwei Tage sturmfrei. Mein Arbeitgeber lässt uns per email wissen, dass das Büro morgen geschlossen bleibt:

With all public transportation for NYC closed as of this evening, the office will be closed tomorrow.

Und der Kern des Sturms wird erst für die Nacht von Montag auf Dienstag erwartet! Wir haben uns mit dem Wichtigsten versorgt. Der Erdbeben-Reserve-Wasserkanister (aus Chile mitgebracht) ist gefüllt, ein paar Kilo Reis stehen neben deutschem Vollkornbrot im Schrank und im Gefrierfach findet sich auch noch was. Wenn der Strom ausfällt, essen wir das zuerst.

Was wird passieren? Mit ziemlicher Sicherheit wird das Internet absaufen, unser Provider hat sich schon bei Hurrikan Irene im letzten Jahr als wenig wasserfest erwiesen. Stromausfall ist auch nicht unwahrscheinlich. In New York sind die Stromleitungen immerhin unterirdisch verlegt, das sollte sie eigentlich gegen Windfall unempfindlich machen, aber wenn der Sturm die Masten in den Vororten flachlegt, ist die Stadt sicher auch betroffen. Dann ist noch die Rede von Ueberschwemmungen. New York ist eine Hafenstadt. Wir wohnen nur drei Blocks vom Wasser entfernt (leider ist das Hafengelände abgesperrt). Keine Sorge, unser Haus liegt hoch genug, aber der Brooklyn Navy Yard, bis in die 60ger Jahre die Marienwerft und inzwischen ein Gründerzentrum, befindet sich in Zone A und nach den Worten des Bürgermeisters Bloomberg, muss dort evakuiert werden:

In light of these conditions, I’m going to sign an Executive Order mandating evacuation of the Zone A areas.

Passiert ist indes – nichts. Am Nachmittag war ich mit dem Hund in Zone A spazieren, es war windig und düster, ein Tag im Herbst. Im Brooklyn Bridge Park räumten Angestellte ein paar Hinweistafeln in einen Container. Ein einziges Gebäude fiel mir auf, das hatte eine Seitentüre mit Plastikplane und Sandsäckchen “abgedichtet”. Polizei war keine zu sehen, keine Lautsprecherwagen oder die angekündigten Patrouillen, die Bürger zum Verlasen ihrer Wohnungen auffordern sollten. Ich verstehe das nicht. All die Läden in Dumbo, all die Firmen im Navy Yard, glauben sie dem Bürgermeister nicht? Oder meint der Bürgermeister das mit der Evakuierung gar nicht ernst sondern will nur nicht nichts gesagt haben, falls es nass wird? Ich würde ja immerhin mein Auto wegfahren, aus Zone A, aber selbst die Verkehrspolizei hat ihre Abschleppwagen weiterhin auf dem Parksünderabschleppplatz stehen.

http://www.floodzonenyc.com/

Nachtrag 29.10.2012 22:00

Das Drama entfaltet sich für uns mal wieder hauptsächlich im Fernsehen, wir haben noch Strom, Internet über Handy und reichlich zu essen (Linsensuppe, Käsekuchen, Eis, Bier)

Schneegestolper

Wednesday, January 25th, 2012

Am Sonntag raus aus der Stadt und mit dem Zug von Grand Central Station bis Beacon im Hudson Valley. Es erinnert ein wenig ans Rheintal zwischen Mainz und Koblenz, abzüglich der Burgen, Weinberge und schnuckeligen Ortschaften. Das erste Mal in diesem lag Schnee Winter und ich lief von Beacon nach Cold Springs.

Angenehm war das Laufen nicht, es lag gerade soviel Schnee, dass Stock und Stein nicht mehr zu erkennen waren. Ständig stolperte ich über Wurzeln oder trat in unsichtbare Vertiefungen, ich fühlte mich wie ein schlecht geferdertes Auto auf einer Buckelpiste, glücklicherweise nichts verstaucht.

Der Floh

Saturday, August 21st, 2010

Obwohl immer sorgfältig geputzt wird und regelmässig die Bettwäsche gewaschen, leiden wir doch fast bei jedem Aufenthalt im Haus unter mysteriösen Stichen. Meist im Bereich der Gürtellinie jucken zahlreiche Bisse ziemlich fies. Die chemische Keule möchte ich ungern einsetzen, zudem ja nichtmal klar ist, wer da am Blut saugen ist. Libby beschuldigt Lobo: “Der Hund hat Flöhe”. Die Nachbarin verteidigt das Tier: “Er leidet unter einer juckenden Allergie”. Der zweite Hund hat keine Flöhe, er badet aber auch jeden morgen im Bach oder wälzt sich im feuchten Gras. Heute hat Libby ein verdächtiges Insekt im Bett gefunden. Sie meint, es könnte ein Floh sein, der vor dem sterben seine Hüpfbeine abgestossen hat. Ich zweifle: Tun Flöhe sowas? Und warum überhaupt sollte er sterben, bei dem exzellenten Nahrungsangebot?

Foto in ungefähr 100.000 facher Vergrösserung.

Ausserdem haben wir zweimal Käsefondue gegessen, 100 Stecklinge für eine Hecke und 30 weitere Bäume gepflanzt, den Garten mittels doppelter Drahtzäune gegen Kaninchen abgeschottet, den Hund zum Tierarzt gebracht (nicht wegen der Allergie sondern weil er sich mit Konkurrenten gebissen hat). Wir sind im Schnee gewandert und am Strand gelaufen…

Hier noch ein paar Fotos vom Ausflug ans Meer, unser erster Besuch im Epizentrum des Februar-Bebens. In Cobquecura sind etwa 50% der Häuser im Zentrum so schwer beschädigt, dass sie nun unbewohnt sind. An einigen Stellen sind die Bauten auch eingestürzt oder mittlerweile abgerissen. Im Grossen und Ganzen macht der Ort aber einen funktionierenden Eindruck, es wird auch viel an der Instandsetzung gearbeitet. Wir haben an der Küste ausgezeichneten frischen Fisch gegessen, das Restaurant liegt nur wenige Schritte vom Strand, hier war der Tsunami nicht sehr verheerend, immerhin hat er einen Fussgängersteg 500m landeinwärts geschwemmt.

Da stehen ein paar Hütten auf Pfählen, die Architekten waren schlau.

Mond überm Strand

Heimfahrt mit Blick auf die Cordillera in der Abendsonne