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Insekten

Tuesday, August 7th, 2018

Eine der ökologischen Hiobsbotschaften der letzten Jahre ist die vom Verschwinden der Insekten. Schätzungen zufolge soll die Biomasse der fliegenden Insekten in den letzten 30 Jahren um 70-80% abgenommen haben. Ich bin nun in dem Alter in dem ich bewusst auf einige Jahrzente Erinnerungen zurückgreifen kann (aber kein bisschen weise davon). Jedenfalls kann mich noch gut entsinnen, dass wir als Kinder immer durch die dichte Hainbuchenhecke geklettert sind, die unseren Garten einfriedet. In der Hecke hatten immer mindestens drei dicke Kreuzspinnen ihre Netze gespannt, vor denen waren wir auf der Hut, wenn wir uns durch die Zweige nach draussen drängten. In den letzten Jahren, wenn ich zu Besuch war, gab es keine Spinnennetze mehr. Mit den Insekten verschwinden die Vögel. Auch hier erinnere ich mich an laute Konzerte ab vier, fünf Uhr Morgens. Im letzten Sommer in Weinheim vernahm ich nur vereinzelte Stimmen.

Ein weiterer, ziemlich überzeugender Indikator für das Verschwinden der fliegenden Insekten ist, dass Autofahrer nach sommerlichen Fahrten kaum noch die Windschutzscheibe von toten Insekten reinigen müssen. Ich erinnere mich auch hier, dass die Insektenschmiere auf der Windschutzscheibe eine ziemliche Schweinerei war und man besonders nach Nachtfahrten an der Tankstelle zum Scheibenreiniger greifen und ganz schön rubbeln musste. Aber vielleicht sind moderne Autos einfach windschnittiger, so dass die Motten und Falter elegant im Luftstrom um das Auto gezogen werden ohne aufzuprallen?

Leider ist das keine zutreffende Erklärung. Unser aerodynamischer Golf Kombi (Baujahr 2013) hat auf der Kontinentdurchquerung in der Prärie ziemlich viele Insekten aufgesammelt. Das lässt den erfreulichen Schluss zu, dass in den Hochebenen von North Dakota und Montana die Welt noch in Ordnung ist. Hier betreibt man extensive Weidewirtschaft. Auf der Durchfahrt sieht man einzelnes Rindvieh verloren in den braunen Hügeln stehen. Die wenigen Ranches besitzen riesige Ländereien auf denen die Kühe frei umherziehen und weiden. Überall blühen Blumen. Schmetterlinge gaukeln durch die Luft, oft in Pärchen. Wenn sie dann gemeinsam am Kühlergrill zerschellen hat das etwas tröstliches, wenigstens bleibt kein trauernder Partner zurück.

 

 

 

Die Ironie dabei ist, dass genau in dieser Gegend eifrig Bergbau und Fracking zur Öl- und Gasgewinnung betrieben wird. Also alles vergiftet mit Chemikalien? So einfach ist es offenbar nicht. Ich fürchte, die mit Unkrautvernichtungsmitteln sauber gespritzen Felder und die bis auf den letzten Quadratmeter vom Menschen gestaltete Stadt- und Agrarlandschaft ist für die Artenvielfalt viel tödlicher als gelegentliche giftige Schlammlachen aber mit viel Platz drumherum.

Der Deutschlandfunk hatte passenderweise eine Sendung zum Thema im Programm (hier ein Link zum Transskript.).

Quer durch den Kontinent

Monday, July 30th, 2018
  • Abfahrt in Brooklyn: 29. Juni 2018
  • Ankunft in Seattle: 29. Juli 2018
  • Gefahrene Meilen: 4500 (8000 Kilometer)

Die längste Tagesetappe ging quer durch North Dakota, von Fargo ganz im Osten bis Sidney, einer kleinen Stadt in Montana. Wir sind jedoch nicht jeden Tag gefahren. Wir haben Freunde in New Jersey besucht, ganze zwei Wochen bei Libby’s Eltern in Michigan verbracht, zwei Tage in Sidney (Montana) um die Gräber der Verwandtschaft ausfindig zu machen und drei Tage in den hohen Bergen Montanas zur Erholung.

Was vielleicht überrascht, ist dass wir auch drei Fähren benutzt haben. Mit der Fähre von Muskegon nach Milwaukee haben wir die Strecke um den Lake Michigan abgekürzt und Chicago vermieden. Viel weiter westlich in den kanadischen Bergen mussten wir zweimal langestreckte Seen überqueren, den Lake Kootenay und den Upper Arrow Lake. Es ist eine wunderschöne Gegend, wir werden ganz bestimmt nach British Columbia zurückkehren.

Die Kinder haben das ganz toll mitgemacht. Rose hat stundenlang Kinderlieder auf ihrem CD-Spieler gehört, Alistair hat mitgeträllert. Auf Videos konnten wir ganz verzichten, Libby und ich halten nämlich gar nichts davon, die Kinder vor die Mattscheibe zu setzen. Obwohl es manchmal so einfach wäre! Beide haben die langen Fahrten auch dazu genutzt, viel zu schlafen. Dafür waren sie dann immer spät im Bett. Libby und ich kamen mit ziemlich wenig Schlaf aus. Im hellen nordischen Sommer geht das.

Peak luggage

Tuesday, August 22nd, 2017

Mehr Taschen und Koffer und Zubehör werden wir hoffentlich nie mehr in den Urlaub mitschleppen müssen. So klein Alistair noch ist, umso mehr Austattung benötigt er. Kindersitz, Kinderwagen, klappbares Kinderbett plus Tragerucksack. Rose hingegen kann ihren kleinen Rollkoffer schon selber ziehen, welche Erleichterung! Wir waren für drei Wochen in Deutschland, zuerst mit Oma im Schwarzwald, dann bei Freunden in München und am Anfang und am Ende auch beim Opa in Weinheim.

Bei Carl in der Sauna

Wednesday, May 10th, 2017

Rose und ich sind über’s Wochenende gemeinsam verreist. Über airbnb haben wir ein Zimmer gebucht in Kingston — nicht in Jamaica sondern im Staat New York, gute zwei Autostunden nördlich der Stadt. Als wir ankommen stellt Carl uns erstmal die zwei Katzen vor die eine ist “taub und ein bisschen verrückt”, die andere ist hübsch fahlgelb und verschwindet gleich wieder, ich habe sie das ganze Wochenende nicht mehr gesichtet. Carl kann etwas Deutsch, so bin ich überhaupt auf dieses Haus gestoßen, denn es sollte ein deutschsprachiges Wochenende werden. Der Plan war Rose zu aktivem deutsch zu ermuntern. Sie spricht immer nur englisch mit mir, obwohl sie sehr gut deutsch versteht.

 

Ich bin ein großer Fan von airbn, gerade weil man mit Leuten zu tun bekommt, die man sonst nie treffen würde. Im Hotel zu übernachten kommt nur im Notfall infrage, es ist viel zu langweilig. Bei Carl kann man die Sauna benutzen, der er quasi magischen Kräfte zuschreibt. Die Infrarotstrahlung soll vor Krebs schützen. Ich gebe zu, daß das elektrische Prinzip sehr praktisch ist, die kleine Saunakiste paßt in einen Raum von der Grösse einer Abstellkammer und heizt sich schnell auf. Meine selbstentworfene Sauna mit Holzofen in Chile muß man 1-2 Stunden vorheizen und immer wieder Scheite nachlegen.

Carl hat mehrere Bücher über Umweltfragen und sozial verantwortungsvolles Unternehmertum geschrieben. Viel haben wir uns nicht unterhalten, denn Rose verlangte auch ihr Recht und das sah den Besuch des Feuerwehrmuseums und eines winzigen Zoos vor, in dem es radschlagende Pfauen, Alpakas und eine Kuh zu sehen gab.

Gründer gesucht – looking for a co-founder

Sunday, September 5th, 2010

Für den Aufbau einer Internet-Firma in Chile die richtig Geld erwirtschaften soll – und das ohne die Werbe-Hilfe von Google!

Mein Profil: Programmierer und Geschäftsführer
Gesucht: Marketing-Profi und Web-Designer
Anforderungen: Spanisch fliessend, Verhandlungs- und Verkaufsgeschick, Bereitschaft sofort nach Chile umzuziehen
Vergütung: Aus dem $40.000 Dollar-Fonds von Start-Up Chile (wenn wir einen ordentlichen Businessplan schreiben und das Geld kriegen)

Geschäftsidee: Internetplattform im Personen-Reiseverkehr

Heiratsschwindler

Thursday, April 30th, 2009

Am Kamin einer Cabaña im argentinischen Bergdorf Las Pampas (Dr. Atilio Viglione) erhole ich mich von den Strapazen der holperigen Autofahrt und Libby kocht derweil Kürbissuppe. Der Fernseher empfängt Satelliten-TV mit mindestens 100 Kanälen. Für den nächsten Tag planen wir den Übertritt nach Chile, nehmen aber davon Abstand als ich höre, dass auf der Piste zwei Flüsse zu queren sind und dafür taugt mein kleiner Möchtegern-Geländewagen nicht. Auf Schotterpisten macht er sich aber grossartig und auf regulären Strassen sowieso, ich bin zufrieden mit dem Kauf!

Tourismus ist noch relativ frisch in dem Dorf. Ein paar Leute kommen zum Angeln an die Seen, die hier Lago No. 4, Lago No. 5 und Lago No. 6 heissen. Aber das Internet ist schon da! Die Vermieterin erzählt von einem Deutschen, den hat ihre Schwägerin beim Chatten kennengelernt. Er kam zu Besuch und blieb eine ganze Weile. Ob es zum Happy End kam, weiss ich nicht.

Wir hingegen behaupteten, das Happy End schon hinter uns zu haben. Libby steckte sich den Ring and die andere Hand und ich sprach von ihr als “mi esposa” (meine Frau). Man gewöhnt sich ziemlich schnell daran! Das Theater war notwendig um das Doppelbett der Cabaña benutzen zu dürfen und bei der Kälte die da oben im Herbst herrscht macht das schon einen Unterschied. Die Vermieterin (dabei selbst nur knapp über zwanzig und mit einem kleinen Knirps am Bein der angeblich ihrer Schwester gehörte, ja, ja) zeigte nämlich erst auf die Einzelbetten, zwei davon seien hergerichtet. Das war mir in Chile nie passiert obwohl die doch angeblich so katholisch sind, aber dass das nicht mit einer rigiden Sexualmoral einhergeht, war mir schon lange klar (bloss mit erheblichem Druck danach, wenn ein Kind unterwegs ist).

Am nächsten Morgen fahren wir weiter nach Süden und erst einen Tag später stelle ich fest, dass ich die Schlüssel eingesteckt habe. Mehr als Woche später wird ein Versuch sich dem Städtchen nun umgekehrt von der chilenischen Seite aus zu nähern durch Zeitmangel vereitelt. Ich werde die Schlüssel von Santiago aus mit der Post schicken und das beste hoffen.