Uncategorized

...now browsing by category

 

Was im Jahr 2018 den Diskurs bestimmt

Sunday, October 28th, 2018

Dies ist die mögliche Auswahl der Interessen, die ich bei der Anmeldung bei einem sozialen Netzwer (Quora) treffen kann. Man beachte, dass Donald Trump und Elon Musk eigenständige Rubriken sind und nicht etwa unter “US-Politik” oder “Wirtschaftsführer” abgelegt sind. Auch haben Microsoft und Apple je ihre eigens Themenuniversum. Facebook sogar zweimal (als Netzwerk und als Unternehmen). Warum fehlt Google? Oder habe ich das übersehen? Vielleicht greift Google nicht deutlich genug nach der Weltherrschaft.
Meinen Vater dürfte freuen, dass Philosophie und “Bücher lesen” immer noch weit oben auf der Liste steht.



Das ist jetzt zufällig Spanisch weil ich von Dallas weiter nach Santiago geflogen bin und da im Internet Zeit totschlage bevor ich gegen Abend nach Chillán weiterfahre.

Im Flieger nach Dallas

Sunday, October 28th, 2018

Wohlerzogene Bevölkerung

Friday, August 10th, 2018

Als ich Anfang Juli nach Seattle kam um mich hier nach Wohngelegenheiten umzusehen, war ich viel als Fussgänger unterwegs. Welch unerwartete Höflichkeit im Verhalten der Autofahrer durfte ich erfahrem. Nichts von dem Strassenkampf den ich aus New York kannte, wo die Fahrer beim Abbiegen Fussgängern (die ebenfalls grün haben) den Weg abschneiden. Je dicker das Auto, desto mehr muss man auf der Hut sein. In Seattle sind sie so zuvorkommend, die Autos halten sogar an, wenn einer nur grübelnd an der Ecke steht. Ich habe tatsächlich die Strasse überquert, obwohl ich nichts auf der anderen Seite verloren hatte, nur um den aufmerksam höflichen Autofahrer nicht zu enttäuschen.

Fahrradfahrer halten sich ebenfalls an alle Regeln. Bei rot stehen sie an der Ampel und warten, drei, vier ewiglange Phasen hindurch. Bei der in Seattle üblichen Ampelschaltung gibt es neben dem Geradeausverkehr noch extra Grünphasen für die Abbieger auf beiden Seiten. Man steht sich die Beine in den Bauch. Hat man als Fusgänger den Knopf nicht gedrückt, ist man gelackmeiert und steht weitere Extraminuten. Der Verkehr ist dicht genug um nicht einfach loszulaufen. Also die Radfahrer, alle tragen sie einen Helm! Nur bei den Leihfahrrädern gibt es einzelne Radler die ohne Helm fahren, ich tat es ebenso. So schwerfällig und lahm wie diese grellbunten per GPS und Mobiltelefon buchbaren Räder sind, kann meiner Meinung nach nicht viel passieren. Aber als vor einigen Tagen einer der Obdachlosen, die in Seattle die Grünstreifen und Grünanlagen bevölkern, die Bemerkung fallen lies, dass es ihn doch sehr wundere, dass die Polizei das durchgehen lasse, da kaufte ich am nächsten Tag einen Helm. Und am übernächsten mein eigenes Fahrrad.

Jetzt stoppe ich ebenfalls an Stopschildern, sogar wenn weit und breit kein Auto zu sehen ist. Und vielleicht lerne ich sogar das amerikanische Handzeichen für “ich biege rechts ab”. Da streckt man den linken Arm angewinkelt in die Luft. Wenn ich vollkommen assimiliert bin, werde ich beim Überholen laut “on your left” rufen, selbst dann, wenn der überholte Radler oder Fussgänger ganz am rechten Rand befindlich ist und dort schnurgerade und berechenbar nach vorne geht und reichlich Platz zum überholen ist.

Seattle wurde vormals von Skandinaviern besiedelt (nach den Ureinwohnern natürlich, das sagt man heute korrekterweise immer dazu). Im Stadtteil Ballard haben sie ein Nordisches Museum eröffnet, das sich ganz der skandinavischen Lebensart widmet, auf beiden Seiten des Atlantiks. Man sieht Nachbauten der stabilen Ruderboote, mit denen die Wikinger (damals noch weniger rücksichtsvoll) den ganzen europäischen Nordwesten besucht und heimgesucht haben. Man erfährt wie skandinavische Politik das Gemeinwohl im Blick hat und sich um alle kümmert. Skandinavisches Design hat wunderschöne moderne Möbel hervorgebracht. Und man sieht welch tolle Natur es im Norden gibt. Libby und ich haben das Museum scherzhaft “Nordic Supremacy Museum” genannt, aber gegen diese skandinavische Überlegenheit und Vorbildlichkeit in allen Belangen kann man ja schlechterdings wenig einwenden und um ehrlich zu sein, sind wir ja auch genau deshalb hergekommen. Trotzdem vermisse ich das chaotische, kräftig durchmischte New York manchmal ein klein wenig.

Strassen in den USA sind in bestem Zustand

Wednesday, July 25th, 2018

In den letzten Jahren war häufiger davon die Rede dass die USA zuwenig in ihre Infrastructur investierten. Vor allem Strassen und Brücken wurden genannt, aber auch Flughäfen und Wasserwege. Für Strassen und Brücken kann ich Entwarnung geben. Nach 3500 gefahrenen Meilen seit New York (5600 Kilometer) kann ich mich an kein einziges Schlagloch erinneren und an keine wackelnde Brücke.

Mich beschleicht der traurige Gedanke, dass es sich bei den Meldungen vor allem um geschickte Propaganda der Interessengruppen im Baugewerbe handelte.

Sidney, Montana

Thursday, July 19th, 2018

Auf unserer Fahrt durch die USA sind wir heute in Sidney, Montana. Es ist hohe Prärie, der Yellowstone River fliesst durch das breite Tal, auf den Hügeln gibt es Ranches mit Kühen und dazwischen hin und wieder Ölförderanlagen. Vor allem von den alten Pumpen mit den Pferdekopfschwengeln sieht man viele. Es wird aber auch gefrackt, darum herrscht reger LKW Verkehr. Nicht enden wollende Güterzüge transportieren Rohre für Pipelines, Chemikalien und natürlich das gewonnene Öl und Gas. Libbys Stief-Urgrossvater hatte hier seine Ranch. Aber das war lange vor dem Fracking-Boom.
August (Gussie) Oberfell war vom alten Schlag. Von elektrischem Strom hielt er nichts. Er trank so viel dass seine Frau den Kindern Prämien bezahlte, wenn sie sie Flaschen fanden, die er versteckt hatte. Er hatte eine Tochter aus erster Ehe und nach dem Tod seiner Frau vier weitere aus einer zweiten Verbindung, aber keines von ihnen wollte die Ranch übernehmen. Als er für die Arbeit zu alt wurde, verkaufte er sie an einen seiner Angestellten weit unter Marktpreis aber es war ihm wichtig, dass das Land weiter in seinem Sinne bewirtschaftet wurde.

Gussies leibliche Tochter Dona hatte es nach Michigan verschlagen, wo sie Carl traf. Dona war Carl Sekretärin und es waren die siebziger als es als schick galt, mindestens dreimal verheiratet gewesen zu sein. Für Carl und Dona war es die grosse Liebe. Beide verliessen ihre Ehepartner und zusammen waren sie sehr glücklich, bis Dona in den neunzigern an Krebs erkrankte und verstarb. Sie wurde in Sidney beerdigt, wo sie aufgewachsen war. Als Carl zehn Jahre später ebenfalls starb, hatte er veranlasst an ihrer Seite zu liegen (obwohl er seitdem nochmals geheiratet hatte). Donas und Carls Grab haben wir heute besucht.
Carl ist Libby’s Grossvater mütterlicherseits, Libby’s Mutter Terry ist Carls Tochter aus erster Ehe und das einzige Kind, dass aus dieser Verbindung hervorging. Terrys Mutter, Marsha und Carl hatten sehr jung und unter dem Druck der Familie geheiratet, obwohl es für ihn nur eine Teenagerliebe gewesen sein mag. Marsha liebte Carl ihr ganzes Leben lang, er aber war mit der erzwungenen Verbindung sehr unzufrieden und rannte denn auch mit Dona davon. Marsha hatte ein hartes Schicksal. Nach ihrem ersten Kind hatte sie noch vier weitere aber wegen einer Rhesusfaktorunverträglichkeit brachte sie alle tot zur Welt. Nachdem Carl sie verliess heiratete sie Joe. Der brachte 11 Kinder mit in die Ehe: vier aus seiner ersten Verbindung mit einer Frau die früh verstarb, drei weitere aus seiner zweiten Ehe wobei die Partnerin schon vier mitbrachte. So verbrachte Marsha, die nach ihrem ersten keine weiteren Kinder haben konnte, ihre späten Jahre im Kreise ihrer angeheirateten Grossfamilie. Joe war ein genialer Ingenieur und Bastler. Als alter Mann brachte er ein Modem ins Haus von Libby’s Eltern, schloss es an und versicherte ihnen, das Internet sei die Zukunft.

#MeToo

Saturday, December 9th, 2017

In den USA fallen gerade reihenweise Männer ihren triebgesteuerten Verfehlungen zum Opfer. Sie haben ihre Position, Macht oder Popularität missbraucht um sich Frauen aufzudrängen die das nicht wollten. Nach vielen Jahren, kommen diese Frauen nun nach vorne, klagen an und verbünden sich mit dem Slogan #MeToo. Diese Art des moralischen “Reinigungsrituals” scheint mir etwas typisch amerikanisches. Natürlich ist es erstmal positiv, wenn widerliches Machoverhalten angeprangert wird und diese Männer die Konsequenzen ziehen müssen. Aber darum geht es mir jetzt weniger.

Mir geht es mehr um die Frage: warum gerade jetzt? Warum sind die Nachrichten gerade in diesen Wochen voll davon und die Männer stolpern reihenweise über Verfehlungen, die Jahre, manchmal Jahrzehnte zurückliegen und die im legalen Sinne meist nicht einmal strafbar sind.

Eine Erklärung wäre, dass progressive Kräfte (Liberals, wie man hier sagt), die ja politisch im Hintertreffen sind, nach politischen Erfolgen lechzen. Das wäre aber eine dumme Verwechslung, gleich auf mehreren Ebenen. Denn vor allem hat ja Moral mit Politik überhaupt nichts zu tun. Das sieht man schon daran, das eines der prominentesten “Opfer” der Anschuldigungskampagne der demokratische Senator Al Franken war, ein Mann mit (abseits seiner Triebe) ziemlich vernünftigen Ansichten und einer guten Portion Humor, der als Hoffnung der Partie galt und sogar als Kandidat für die Präsidentschaft gehandelt wurde. Falls #MeToo rückständige Politik mit rückständigen Verhalten gleichgesetzt hat und mancher sich erhofft hatte, verhasste konservative Politiker loszuwerden, dann ging der Schuss gleich zu Anfang nach hinten los.

Langfristig aber, und das erscheint mir wesentlich schwerwiegender, stellt die #MeToo Kampagne eine Ablenkung von der realen Politik da. Denn während die Liberals ein paar schlimme Jungs vom Sockel stossen, bringen Trump und die Konservativen im Kongress und im Senat Gesetze durch, die mit Sicherheit langfristige Auswirkungen haben. Die Steuerreform hätte vielleicht politisch verhindert werden können, wenn sich die Opposition auf wirksame politische Aktionen hätte verständigen können. Im Fall der Verteidigung von Obamacare hat das ja einigermassen geklappt. Wenn ich ein Stratege Trumps wäre, würde ich mir grinsend die Hände reiben angesichts der gelungen Ablenkung.

Vielleicht ja die geheime Hoffnung hinter #MeToo, die Kampagne soweit zu treiben, dass es am Schluss doch noch dem Chefgrabscher selbst an den Kragen geht: Präsident Trump. Es dürfte noch jedem in Erinnerung sein, wie in den letzten Monaten vor der Wahl ein Video durch alle Kanäle ging, in dem sich Trump damit brüstete, wie er Frauen an die Wäschen ging (“grabbing pussy” um es unübersetzt derb amerikanisch stehen zu lassen). Ich kann nicht einschätzen, ob das eine realistische Erwartung ist. Aber ich halte es in jedem Fall für die falsche Strategie. Selbst wenn es gelingen sollte, so wurde Trump doch vom Volk gewählt und das hatte zur Wahl die Sprüche noch frisch in den Ohren. Hat sich keiner daran gestört, im Gegengteil, manche seiner Wähler fanden das noch besonders toll. Er war also ehrlich und es wäre an der Zeit, dass sich seine Gegner eingeständen, dass sie genau den Mann an der Spitze sehen, der zur momentanen Verfasstheit des Landes passt. Mit symbolischen Aktionen, die entweder nur den Beifall einer Seite finden oder die mit realen Auswirkungen von Politik nichts zu tun haben, ist kein Blumentopf zu gewinnen. Politik wird in Gesetzen festgeschrieben.

New York Subway

Friday, November 17th, 2017

Am Rande des Abgrunds

Tuesday, September 19th, 2017

Suddenly, the prospect of a nuclear confrontation between the United States and the most hermetic power on the globe had entered a realm of psychological calculation reminiscent of the Cold War, and the two men making the existential strategic decisions were not John F. Kennedy and Nikita Khrushchev but a senescent real-estate mogul and reality television star and a young third-generation dictator who has never met another head of state. Between them, they had less than seven years of experience in political leadership.

Ganz unvermittelt trat die Möglichkeit einer nuklearen Auseinenandersetzung zwischen den USA und der am engsten abgeriegelten am Macht auf dem Globus in einen Bereich der pschologischen Berechnung ein, die an den Kalten Krieg erinnerte – nur dass die die Männer, die die strategischen Entscheidungen fällten nicht John F. Kennedy und Nikita Chruszczow waren, sondern ein alternder Baulöwe und ein Diktator in dritter Generation der nie auch nur ein anderes Staatsoberhaupt getroffen hatte. Zusammengenommen hatten sie weniger als sieben Jahre Erfahrung in politischen Führungspositionen.

Das Zitat ist aus dem langen (und sehr lesenswerten) Artikel den Evan Osnos im New Yorker nach seiner Norkoreareise veröffentlicht hat. Ich musste laut lachen, als ich es las. Die Absurdität ist so schön auf den Punkt gebracht – und doch, spielt es noch eine Rolle neben all den anderen existenziellen Bedrohungen die 2017 zum Greifen nahe scheinen (ich spreche nicht von der Dieselkrise)?

 

Peak luggage

Tuesday, August 22nd, 2017

Mehr Taschen und Koffer und Zubehör werden wir hoffentlich nie mehr in den Urlaub mitschleppen müssen. So klein Alistair noch ist, umso mehr Austattung benötigt er. Kindersitz, Kinderwagen, klappbares Kinderbett plus Tragerucksack. Rose hingegen kann ihren kleinen Rollkoffer schon selber ziehen, welche Erleichterung! Wir waren für drei Wochen in Deutschland, zuerst mit Oma im Schwarzwald, dann bei Freunden in München und am Anfang und am Ende auch beim Opa in Weinheim.

Fire Island

Monday, June 5th, 2017

Eine gute Autostunde von New York erreicht man den Fähranleger von Bay Shore. Von dort legen die Fährschiffe nach Fire Island ab. Hund, Katze und ein schreiender Papagei – alles wird auf die Insel verschifft denn es führt keine Strasse in die kleinen Siedlungen auf Fire Island. Die Häuser sind fast alle nur im Sommer bewohnt und über schmale Bohlenwege zu erreichen.

Wir haben uns für ein langes Wochenende in einem Haus gleich beim Fähranleger eingemietet. Wenn am Abend um 19:40 Uhr die letzte Fähre kommt, findt sich die ganze Insel dort ein und begrüsst neu angekommene Freunde und Familienmitlgieder mit einer Flasche Bier oder einem Glas Wein in der Hand. Wenn die Fähre wieder ablegt, fährt sie in Richtung untergehende Sonne. Mich erinnert das alles sehr and die Ferien, die ich als Kind an der Nordsee verbracht habe und ich bin froh, dass die Urlaubserinnerungen in meinen Kindern weiterleben werden.