Sidney, Montana

Written by stefan on July 19th, 2018

Auf unserer Fahrt durch die USA sind wir heute in Sidney, Montana. Es ist hohe Prärie, der Yellowstone River fliesst durch das breite Tal, auf den Hügeln gibt es Ranches mit Kühen und dazwischen hin und wieder Ölförderanlagen. Vor allem von den alten Pumpen mit den Pferdekopfschwengeln sieht man viele. Es wird aber auch gefrackt, darum herrscht reger LKW Verkehr. Nicht enden wollende Güterzüge transportieren Rohre für Pipelines, Chemikalien und natürlich das gewonnene Öl und Gas. Libbys Stief-Urgrossvater hatte hier seine Ranch. Aber das war lange vor dem Fracking-Boom.
August (Gussie) Oberfell war vom alten Schlag. Von elektrischem Strom hielt er nichts. Er trank so viel dass seine Frau den Kindern Prämien bezahlte, wenn sie sie Flaschen fanden, die er versteckt hatte. Er hatte vier Kinder aber keines von ihnen wollte die Ranch übernehmen. Als er für die Arbeit zu alt wurde, verkaufte er sie an einen seiner Angestellten weit unter Marktpreis aber es war ihm wichtig, dass das Land weiter in seinem Sinne bewirtschaftet wurde.

Eine seiner Töchter, Donna, hatte es nach Michigan verschlagen, wo sie Carl traf. Donna war Carl Sekretärin und es waren die siebziger als es als schick galt, mindestens dreimal verheiratet gewesen zu sein. Für Carl und Donna war es die grosse Liebe. Beide verliessen ihre Ehepartner und zusammen waren sie sehr glücklich, bis Donna in den neunzigern an Krebs erkrankte und verstarb. Sie wurde in Sidney beerdigt, wo sie aufgewachsen war. Als Carl zehn Jahre später ebenfalls starb, hatte er veranlasst an ihrer Seite zu liegen (obwohl er seitdem nochmals geheiratet hatte). Donnas und Carls Grab haben wir heute besucht.
Carl ist Libby’s Grossvater mütterlicherseits, Libby’s Mutter Terry ist Carls Tochter aus erster Ehe und das einzige Kind, dass aus dieser Verbindung hervorging. Terrys Mutter, Marsha und Carl hatten geheiratet als Marsha schwanger war. Sie liebte Carl ihr ganzes Leben lang, er aber war mit der erzwungenen Verbindung sehr unzufrieden und rannte denn auch mit Donna davon. Marsha hatte ein hartes Schicksal. Nach ihrem ersten Kind hatte sie noch drei weitere aber wegen einer Rhesusfaktorunverträglichkeit brachte sie alle tot zur Welt. Nachdem Carl sie verliess heiratete sie Joe. Der brachte 11 Kinder mit in die Ehe: vier aus seiner ersten Verbindung mit einer Frau die früh verstarb, drei weitere aus seiner zweiten Ehe wobei die Partnerin schon vier mitbrachte. So verbrachte Marsha, die selbst keine Kinder haben konnte ihre späten Jahre im Kreise ihrer angeheirateten Grossfamilie. Joe war ein genialer Ingenieur und Bastler. Als alter Mann brachte er ein Modem ins Haus von Libby’s Eltern, schloss es an und versicherte ihnen, das Internet sei die Zukunft.

 

#MeToo

Written by stefan on December 9th, 2017

In den USA fallen gerade reihenweise Männer ihren triebgesteuerten Verfehlungen zum Opfer. Sie haben ihre Position, Macht oder Popularität missbraucht um sich Frauen aufzudrängen die das nicht wollten. Nach vielen Jahren, kommen diese Frauen nun nach vorne, klagen an und verbünden sich mit dem Slogan #MeToo. Diese Art des moralischen “Reinigungsrituals” scheint mir etwas typisch amerikanisches. Natürlich ist es erstmal positiv, wenn widerliches Machoverhalten angeprangert wird und diese Männer die Konsequenzen ziehen müssen. Aber darum geht es mir jetzt weniger.

Mir geht es mehr um die Frage: warum gerade jetzt? Warum sind die Nachrichten gerade in diesen Wochen voll davon und die Männer stolpern reihenweise über Verfehlungen, die Jahre, manchmal Jahrzehnte zurückliegen und die im legalen Sinne meist nicht einmal strafbar sind.

Eine Erklärung wäre, dass progressive Kräfte (Liberals, wie man hier sagt), die ja politisch im Hintertreffen sind, nach politischen Erfolgen lechzen. Das wäre aber eine dumme Verwechslung, gleich auf mehreren Ebenen. Denn vor allem hat ja Moral mit Politik überhaupt nichts zu tun. Das sieht man schon daran, das eines der prominentesten “Opfer” der Anschuldigungskampagne der demokratische Senator Al Franken war, ein Mann mit (abseits seiner Triebe) ziemlich vernünftigen Ansichten und einer guten Portion Humor, der als Hoffnung der Partie galt und sogar als Kandidat für die Präsidentschaft gehandelt wurde. Falls #MeToo rückständige Politik mit rückständigen Verhalten gleichgesetzt hat und mancher sich erhofft hatte, verhasste konservative Politiker loszuwerden, dann ging der Schuss gleich zu Anfang nach hinten los.

Langfristig aber, und das erscheint mir wesentlich schwerwiegender, stellt die #MeToo Kampagne eine Ablenkung von der realen Politik da. Denn während die Liberals ein paar schlimme Jungs vom Sockel stossen, bringen Trump und die Konservativen im Kongress und im Senat Gesetze durch, die mit Sicherheit langfristige Auswirkungen haben. Die Steuerreform hätte vielleicht politisch verhindert werden können, wenn sich die Opposition auf wirksame politische Aktionen hätte verständigen können. Im Fall der Verteidigung von Obamacare hat das ja einigermassen geklappt. Wenn ich ein Stratege Trumps wäre, würde ich mir grinsend die Hände reiben angesichts der gelungen Ablenkung.

Vielleicht ja die geheime Hoffnung hinter #MeToo, die Kampagne soweit zu treiben, dass es am Schluss doch noch dem Chefgrabscher selbst an den Kragen geht: Präsident Trump. Es dürfte noch jedem in Erinnerung sein, wie in den letzten Monaten vor der Wahl ein Video durch alle Kanäle ging, in dem sich Trump damit brüstete, wie er Frauen an die Wäschen ging (“grabbing pussy” um es unübersetzt derb amerikanisch stehen zu lassen). Ich kann nicht einschätzen, ob das eine realistische Erwartung ist. Aber ich halte es in jedem Fall für die falsche Strategie. Selbst wenn es gelingen sollte, so wurde Trump doch vom Volk gewählt und das hatte zur Wahl die Sprüche noch frisch in den Ohren. Hat sich keiner daran gestört, im Gegengteil, manche seiner Wähler fanden das noch besonders toll. Er war also ehrlich und es wäre an der Zeit, dass sich seine Gegner eingeständen, dass sie genau den Mann an der Spitze sehen, der zur momentanen Verfasstheit des Landes passt. Mit symbolischen Aktionen, die entweder nur den Beifall einer Seite finden oder die mit realen Auswirkungen von Politik nichts zu tun haben, ist kein Blumentopf zu gewinnen. Politik wird in Gesetzen festgeschrieben.

 

New York Subway

Written by stefan on November 17th, 2017

 

Am Rande des Abgrunds

Written by stefan on September 19th, 2017

Suddenly, the prospect of a nuclear confrontation between the United States and the most hermetic power on the globe had entered a realm of psychological calculation reminiscent of the Cold War, and the two men making the existential strategic decisions were not John F. Kennedy and Nikita Khrushchev but a senescent real-estate mogul and reality television star and a young third-generation dictator who has never met another head of state. Between them, they had less than seven years of experience in political leadership.

Ganz unvermittelt trat die Möglichkeit einer nuklearen Auseinenandersetzung zwischen den USA und der am engsten abgeriegelten am Macht auf dem Globus in einen Bereich der pschologischen Berechnung ein, die an den Kalten Krieg erinnerte – nur dass die die Männer, die die strategischen Entscheidungen fällten nicht John F. Kennedy und Nikita Chruszczow waren, sondern ein alternder Baulöwe und ein Diktator in dritter Generation der nie auch nur ein anderes Staatsoberhaupt getroffen hatte. Zusammengenommen hatten sie weniger als sieben Jahre Erfahrung in politischen Führungspositionen.

Das Zitat ist aus dem langen (und sehr lesenswerten) Artikel den Evan Osnos im New Yorker nach seiner Norkoreareise veröffentlicht hat. Ich musste laut lachen, als ich es las. Die Absurdität ist so schön auf den Punkt gebracht – und doch, spielt es noch eine Rolle neben all den anderen existenziellen Bedrohungen die 2017 zum Greifen nahe scheinen (ich spreche nicht von der Dieselkrise)?

 

 

Peak luggage

Written by stefan on August 22nd, 2017

Mehr Taschen und Koffer und Zubehör werden wir hoffentlich nie mehr in den Urlaub mitschleppen müssen. So klein Alistair noch ist, umso mehr Austattung benötigt er. Kindersitz, Kinderwagen, klappbares Kinderbett plus Tragerucksack. Rose hingegen kann ihren kleinen Rollkoffer schon selber ziehen, welche Erleichterung! Wir waren für drei Wochen in Deutschland, zuerst mit Oma im Schwarzwald, dann bei Freunden in München und am Anfang und am Ende auch beim Opa in Weinheim.

 

Fire Island

Written by stefan on June 5th, 2017

Eine gute Autostunde von New York erreicht man den Fähranleger von Bay Shore. Von dort legen die Fährschiffe nach Fire Island ab. Hund, Katze und ein schreiender Papagei – alles wird auf die Insel verschifft denn es führt keine Strasse in die kleinen Siedlungen auf Fire Island. Die Häuser sind fast alle nur im Sommer bewohnt und über schmale Bohlenwege zu erreichen.

Wir haben uns für ein langes Wochenende in einem Haus gleich beim Fähranleger eingemietet. Wenn am Abend um 19:40 Uhr die letzte Fähre kommt, findt sich die ganze Insel dort ein und begrüsst neu angekommene Freunde und Familienmitlgieder mit einer Flasche Bier oder einem Glas Wein in der Hand. Wenn die Fähre wieder ablegt, fährt sie in Richtung untergehende Sonne. Mich erinnert das alles sehr and die Ferien, die ich als Kind an der Nordsee verbracht habe und ich bin froh, dass die Urlaubserinnerungen in meinen Kindern weiterleben werden.

 

Kind im Chaos

Written by stefan on May 12th, 2017

Im Kinderzimmer muß umgeräumt und Platz für Alistairs Bett geschaffen werden. Er nimmt das Chaos gelassen.

 

 

Bei Carl in der Sauna

Written by stefan on May 10th, 2017

Rose und ich sind über’s Wochenende gemeinsam verreist. Über airbnb haben wir ein Zimmer gebucht in Kingston — nicht in Jamaica sondern im Staat New York, gute zwei Autostunden nördlich der Stadt. Als wir ankommen stellt Carl uns erstmal die zwei Katzen vor die eine ist “taub und ein bisschen verrückt”, die andere ist hübsch fahlgelb und verschwindet gleich wieder, ich habe sie das ganze Wochenende nicht mehr gesichtet. Carl kann etwas Deutsch, so bin ich überhaupt auf dieses Haus gestoßen, denn es sollte ein deutschsprachiges Wochenende werden. Der Plan war Rose zu aktivem deutsch zu ermuntern. Sie spricht immer nur englisch mit mir, obwohl sie sehr gut deutsch versteht.

 

Ich bin ein großer Fan von airbn, gerade weil man mit Leuten zu tun bekommt, die man sonst nie treffen würde. Im Hotel zu übernachten kommt nur im Notfall infrage, es ist viel zu langweilig. Bei Carl kann man die Sauna benutzen, der er quasi magischen Kräfte zuschreibt. Die Infrarotstrahlung soll vor Krebs schützen. Ich gebe zu, daß das elektrische Prinzip sehr praktisch ist, die kleine Saunakiste paßt in einen Raum von der Grösse einer Abstellkammer und heizt sich schnell auf. Meine selbstentworfene Sauna mit Holzofen in Chile muß man 1-2 Stunden vorheizen und immer wieder Scheite nachlegen.

Carl hat mehrere Bücher über Umweltfragen und sozial verantwortungsvolles Unternehmertum geschrieben. Viel haben wir uns nicht unterhalten, denn Rose verlangte auch ihr Recht und das sah den Besuch des Feuerwehrmuseums und eines winzigen Zoos vor, in dem es radschlagende Pfauen, Alpakas und eine Kuh zu sehen gab.

 

Schaukelkinder (da waren’s plötzlich zwei)

Written by stefan on May 9th, 2017

SchaukelkinderNeues aus dem Ghetto: der Frühling ist hier und die Bäume werden grün.

 

Schaukelkind

Written by stefan on April 18th, 2015

So “ghetto” wie’s auf dem Foto scheint ist der Spielplatz gar nicht, im Sommer werden auch die Bäume grün!